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Indigenen-Forscher und Reporter : Amazonas: Kaum noch Hoffnung für Vermisste

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Ein Indigenen-Forscher und ein britischer Journalist werden seit über einer Woche im Amazonas vermisst. Alles deutet auf ein Verbrechen hin. Präsident Bolsonaro gerät unter Druck.

Britischer Journalist Dom Phillips
Der britische Journalist Dom Phillips ist seit über einer Woche im Amazonas-Gebiet verschwunden (Archivfoto von 2019), er war mit dem Indigenen-Forscher Bruno Pereira unterwegs.
Quelle: Joao Laet/ap

Eines der letzten Fotos, das der britische Guardian-Journalist Dom Phillips seiner Familie vor seinem spurlosen Verschwinden schickte, zeigt ihn inmitten einer indigenen Gemeinde sitzen. Den Notizblock in der Hand, hört er den Menschen zu. Und schreibt auf, was die zu sagen haben, denen sonst niemand zuhört.

Seit Jahrhunderten wird ihr Lebensraum bedroht, mal aggressiver, mal subtiler, je nachdem, wer das riesige Brasilien regiert. Nur eines zieht sich wie eine Konstante durch die letzten fünf Jahrhunderte: Die scheinbar unaufhörliche Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes. Darüber wollten beide berichten.

Recherchen im brasilianischen Amazonas-Gebiet

Dom Phillips von der britischen Zeitung "Guardian" war auf einer Recherche-Reise gemeinsam mit Bruno Pereira im Nordwesten des brasilianischen Amazonas im Grenzgebiet zu Peru unterwegs, offenbar ohne Genehmigung und Kenntnis der Indigenen-Behörde FUNAI, wie die Regierung betont.

Inzwischen deutet vieles darauf hin, dass die beiden Opfer eines Verbrechens wurden. Es wurde ein Tatverdächtiger festgenommen, DNA-Spuren in einem Boot gefunden, Wertgegenstände der Vermissten gefunden.

Suchaktion nach Vermissten im Amazonas-Dschungel

Amazonas - Rucksack von vermisstem Journalisten gefunden 

Seit einer Woche werden der britische Journalist Dom Phillips und der Indigenen-Experte Bruno Pereira im brasilianischen Amazonasgebiet gesucht. Nun gibt es Hinweise.

Es gebe Hinweise, dass ihnen etwas Schlimmes widerfahren sei, ließ Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro wissen. Zwar ist noch immer vieles Spekulation, doch die bösen Vorahnungen scheinen sich mehr und mehr zu bestätigen.

Bolsonaro: "Viel zu gefährliches Abenteuer"

Der Präsident sieht sich zunehmend Kritik ausgesetzt. Bei einem Treffen lokaler Caciques (Stammesführer) in der Region Vale do Javari machten diese am Wochenende den Rechtspopulisten für den Vorfall mitverantwortlich.

Ihre Aktivitäten stören Mafia und illegale Geschäftemacher. Umweltschützer riskieren ihr Leben im Kampf für mehr Klimaschutz, gegen Verschmutzung und gegen den Raubbau an der Natur.

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Bolsonaro hatte gesagt, dass sich Pereira und Phillips auf einem nicht empfehlenswerten, viel zu gefährlichen "Abenteuer" befunden hätten. CNN-Journalistin Isa Soares kritisierte daraufhin Bolsonaro: "Journalismus ist kein Abenteuer." Auch bei der lokalen indigenen Bevölkerung stießen Bolsonaros Aussagen auf Unverständnis.

"Das ist eine sehr hässliche Sache. Jeder, der Bruno hier kennt, weiß, wie wichtig er für uns ist und wie sehr er uns bisher geholfen hat", sagte ein Indigenen-Führer aus Vale do Javari gegenüber der Tageszeitung "O Globo".

Pereira hatte Morddrohungen erhalten

Tatsächlich hatte Bolsonaro seit Beginn seiner Amtszeit 2019 Maßnahmen und die Arbeit der Behörden zum Schutz der indigenen Völker und der Umwelt heruntergefahren. Der illegale Bergbau und Holzfäller betrachteten das wie eine Einladung.

Die Grenzregion zwischen Peru, Kolumbien und Brasilien ist unübersichtlich: Auch Guerillabanden, Paramilitärs und Drogenhändler sind hier aktiv. Fakt ist aber auch: Bruno Pereira hatte zuvor Morddrohungen aus dem Kreis des illegalen Bergbaus und der Holzfäller erhalten.

Verschwinden der Männer: Bolsonaro unter Druck

Der Fall, der längst weltweit Beachtung findet und seine Strahlkraft weit über den gerade laufenden Wahlkampf in Brasilien behalten wird, bringt Bolsonaro in die Defensive. Zwar versucht die Regierung - anders als bei anderen Fällen - hier zumindest den Eindruck zu erwecken, schnell und umfassend zu suchen. Doch sollten die beiden Vermissten tatsächlich nicht verunglückt, sondern Opfer eines Verbrechens geworden sein, wird dies den Wahlkampf bis Ende September beeinflussen.

Die Abholzung im Amazonas ist erneut angestiegen. Rund 13.000 Quadratkilometer Wald wurden innerhalb eines Jahres vernichtet – eine Steigerung zum Vorjahr um 22 Prozent.

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Schon jetzt gibt es wie am Wochenende Demonstrationen, die die Arbeit der Vermissten würdigten und es beginnen erste Organisationen Dom Phillips und Bruno Pereira ein Denkmal zu errichten. Ihr Name wird dann untrennbar mit der aktuellen Präsidentschaft verbunden sein.

Die kirchliche NGO "CIMI" hat bereits ein scharfes Urteil gefällt: Das Verschwinden der beiden Männer sei ein sichtbares Beispiel für die Indigenen-Politik der Regierung Bolsonaro.

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