Sie sind hier:

Protestwelle in Brasilien : Kein Fleisch, kein Sprit, kein Gas

Datum:

In Brasilien wird alles teurer. Die Menschen machen Präsident Jair Bolsonaro für die Versorgungskrise verantwortlich.

Eine Demonstrantin hält in Rio de Janeiro ein Plakat in die Höhe.
"Ohne Fleisch, Sprit und Strom – Er ist schuld", steht auf dem Plakat. Gemeint ist Präsident Bolsonaro.
Quelle: Tobias Käufer

Vor dem großen Protestmarsch haben einige fleißige Hände noch schnell ein paar Plakate auf die Häuserwände geklebt. Darauf zu lesen sind die aktuellen Spritpreise und der Name des brasilianischen Präsidenten: "Sieben Real für ein Liter - Bolsonaro." Das sind umgerechnet derzeit etwa 1,10 Euro. Das ist zwar billiger als in Europa, doch ein Großteil der Brasilianer verdient gerade einmal knapp 350 Euro im Monat.

Lebensmittelversorgung ist Überlebenskampf

Jair Bolsonaro machen die Menschen, die an diesem Oktobertag in Rio de Janeiro, aber auch in anderen Städten zu Tausenden auf die Straße gehen, für die hohen Preise verantwortlich. "Kein Sprit, kein Fleisch, kein Strom? Er ist schuld", steht auf einem anderen Plakat, das eine Frau mitgebracht hat.

"Alles wird teurer, wir sollen wir das alles bezahlen", sagt die 32-jährige Marina Alves, die an diesem Tag mitmarschiert. Die alleinerziehende Mutter beklagt sich:

Das Fleisch wird teurer, das Benzin wird teurer, Nudeln und Reis wird teurer.

Die Armen trifft es besonders hart

Lebensmittelversorgung ist für viele Menschen in Brasilien auch ein Stück Überlebenskampf. An klimagerechtes Einkaufen, wie es immer mehr gut verdienende Europäer fordern, ist hier gar nicht zu denken. Für viele Familien geht es darum, überhaupt etwas in den Einkaufswagen zu bekommen. Ökologisch angebaute Bio-Produkte gibt es zwar auch in Brasilien, doch die kann eigentlich nur die Oberschicht bezahlen.

Plakate mit den aktuellen Spritpreisen in Rio de Janeiro
Regierungskritiker haben in Rio de Janeiro Plakate mit den aktuellen Spritpreisen aufgehängt.
Quelle: Tobias Käufer

In den sozialen Netzwerken posten die Menschen inzwischen Bilder von den gestiegenen Preisen im Supermarkt. Und die treffen besonders die armen Bevölkerungsschichten, die überhaupt kein Verständnis für hohe Benzin- oder Fleischpreise haben.

Bolsonaros Probleme häufen sich

Für Präsident Bolsonaro wird das zunehmend zum Problem. Bislang wurde ihm vor allem die Corona-Politik angelastet - Brasilien übersprang vor wenigen Tagen die Marke von 600.000 Toten. Nun kommt auch noch eine veritable Inflation dazu.

Zwar ist die mit rund zehn Prozent nicht so katastrophal wie im Nachbarland Argentinien (über 40 Prozent), aber hoch genug, um die Menschen zornig auf die Straße zu treiben. Ein Jahr vor dem Urnengang bei dem sich Bolsonaro wiederwählen lassen will, hat der Präsident wenig Argumente.

In Brasilien sind erneut Zehntausende gegen Präsident Bolsonaro auf die Straßen gegangen – sie forderten in mehr als 90 Städten die Amtsenthebung des rechtsextremen Politikers.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

"Inflation ist überall auf der Welt. Die Hälfte der Inflation sind genau Nahrungsmittel und Energie", sagt  Wirtschaftsminister Paulo Guedes. Das ist nicht falsch, aber unpopulär. Guedes galt eigentlich der Hoffnungsträger der Bolsonaro-Regierung, doch statt eines Umbaus der Wirtschaft muss er die Pandemiekrise managen.

Pandemie verschärft die Lage dramatisch

Guerdes wirbt deshalb für die Fortsetzung der Hilfszahlungen an die einkommensschwachen Bevölkerungsschichten, damit die sozialen Härten abgefangen werden.

Es ist eine Situation, in der es die Familie manchmal schafft, das Mittagessen zuzubereiten, aber nicht mehr das Abendessen.

Das erklärt Cintia da Cunha Otoni, Leiterin des Gesundheitsbereichs der Abrinq-Stiftung, in einem Interview mit brasilianischen Medien. Die Lage habe sich durch die Pandemie noch einmal verschlechtert.

Neben Corona jetzt konstant hohe Arbeitslosigkeit

Inzwischen sind wenigstens die Corona-Zahlen deutlich zurückgegangen, über 100 Millionen Brasilianer sind komplett immunisiert, die Todeszahlen sinken auf das Niveau zu Beginn der Pandemie. Doch entscheidend ist: Die Arbeitslosenquote verzeichnete im zweiten Quartal des Jahres laut Institut IBGE nur einen leichten Rückgang.

Der Index sank von 14,7 Prozent auf 13,7 Prozent. Offiziell suchen 14 Millionen Brasilianer Arbeit. Im Quartal davor waren es 14,8 - der höchste Stand seit 2012. Brasilien geht einem schwierigen letzten Quartal entgegen.

ZDFheute Update

Nachrichten | In eigener Sache - Jetzt das ZDFheute Update abonnieren 

Starten Sie gut informiert in den Tag oder Feierabend. Verpassen Sie nichts mit unserem kompakten Nachrichtenüberblick am Morgen und Abend. Jetzt bequem und kostenlos abonnieren.

Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.