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Brexit-Dämmerung - Krise! Welche Krise?

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Die Armee rückt aus, um Benzin an Tankstellen zu bringen. Mehr und mehr zeigt sich, wie schwierig der Brexit für Großbritannien wird.

 Boris Johnson sitzt zwischen Parteifreunden beim Parteitag der Tory-Partei.
Premierminister Boris Johnson beim Parteitag in Manchester.
Quelle: Reuters

Eine schlechte Nachricht reiht sich an die nächste: Seit zehn Tagen sind in Teilen des Landes Tankstellen zu. Wo es Sprit gibt bilden sich lange Staus und Schlangen: mit Menschen, die nicht wissen, wie sie den Alltag oder ihren Job ohne Auto gestalten sollen. Lücken im Supermarktsortiment. Tausende Tiere müssen notgeschlachtet werden, weil Schlachter fehlen. Hotels und Gaststätten finden keine Arbeitskräfte.

"Winter der Unzufriedenheit" droht in Großbritannien

Für Jobs, die vorher Einwanderer aus der EU übernommen haben, findet sich niemand mehr. Egal ob LKW-Fahrer oder Kellner. Dazu steigen die Energiepreise, angefacht von internationalen Entwicklungen, aber verstärkt wie nirgendwo sonst in Europa durch hausgemachte Fehler. Es droht ein "Winter der Unzufriedenheit", titeln selbst regierungsfreundliche Zeitungen.

Autofahrer stehen vor einer Tesco Tankstelle Schlange

Großbritanniens Versorgungskrise - Johnson rechnet mit Engpässen bis Weihnachten 

Premier Johnson schätzt, dass die Verorgungsengpässe in Großbritannien bis wenigstens Weihnachten dauern wird. Es fehlen noch immer Lkw-Fahrer.

Es kommen viele Faktoren zusammen, wie etwa die Corona-Pandemie, aber in keinem anderen Land der EU sieht man Probleme wie im Vereinigten Königreich. Und fragt man Wirtschaftsvertreter wie den Geschäftsführer des britischen Transportunternehmerverbandes Rod McKenzie, ist klar: das größte Problem unter vielen ist der Brexit.

Handelsexperte: "Slogans statt Substanz"

Wer den seit Sonntag laufenden Parteitag der regierenden Konservativen in Manchester besucht, erwartet Frust, Fragen der Basis an die Verantwortlichen, Fehlersuche. Weit gefehlt. Es war klar, heißt es plötzlich unter den Delegierten, dass es durch den Brexit zu Problemen kommen würde, aber das sei nur von kurzfristiger Natur. Höhere Löhne in den von Arbeitskräftemangel geplagten Bereichen würden das Problem wie von selbst lösen.

Prinzip Hoffnung, ohne Realitätsbezug - so beschreibt diese Erzählung David Henig, einer der profiliertesten Handelsexperten des Landes. Ökonomisch lassen sich die Probleme so nicht lösen, so Henig. "Es ist nur ein weiterer Slogan, gut für die Schlagzeilen. Aber so scheinen die Konservativen regieren zu wollen. Mit Slogans statt Substanz."

Hauptsache die Schlagzeile stimmt

Zur Eröffnung des Parteitags hatte Premierminister Johnson erklärt, dass das Land mit dem Brexit dafür gestimmt habe, das kaputte Wirtschaftsmodell als Teil der EU zu verlassen. Dass man billige Arbeitskräfte aus der EU geholt habe, was zu niedrigen Löhnen, Arbeitern mit niedrigen Qualifikationen und zu niedrigerer Produktivität geführt hätte. Es braucht eine Übergangsphase, die schwierig werde, aber danach kommen blühende Landschaften, glaubt man dem Premier.

Tausende in Großbritannien lebende Deutsche sollen wegen des Fahrermangels prüfen, ob sie als Lkw-Fahrer aushelfen wollen. Ältere deutsche Führerscheine würden dies erlauben.

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Diese Idee hält dem europäischen Vergleich nicht stand, sagt Handelsexperte Henig. Die Probleme seien hausgemacht, doch die Regierung spiele in der Krise ihren größten Hit nochmal in Dauerschleife. Schuld an allem sei die Migration, man leide an den Folgen der EU-Mitgliedschaft.

Die britische Renaissance habe begonnen, erklärt der für den Brexit zuständige Minister David Frost. Droht der EU mit der Aufkündigung des Nordirland-Protokolls, das den Post-Brexit-Sonderstatus der britischen Provinz auf der irischen Insel regelt. Das kommt an bei der Basis, ist aber wohl wieder nur Symbolpolitik für die schnelle Schlagzeile. Die Kündigung würde nichts besser machen, die Drohung hat Frost schon häufiger ausgesprochen.

Planlos durchs Brexit-Chaos

Doch der Zauber wirkt, nicht nur bei den Konservativen. Johnsons Popularität bröckelt, doch er hat immer noch eine Mehrheit in Umfragen. Ein charismatischer Verführer sei Johnson, so David Henig, nur so lasse sich das erklären. Jedem anderen Premier, egal von welcher Partei, wäre der Laden schon lange um die Ohren geflogen. Ob und wann es den Briten zu bunt werde? Es sei kein Plan zu erkennen. Dabei, betont Henig: Der Brexit hätte Chancen geboten. Aber so schlecht gemanagt dürfte es schlimm enden.

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