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Vorfall im Schwarzen Meer - Stimmt die Version von Moskau oder London?

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Russland will ein britisches Kriegsschiff mit Schüssen und Bomben vor der Krim vertrieben haben und spricht von Provokation. Doch London schildert den Vorfall ganz anders.

Archiv: Ein russischer Kampfjet vom Typ "Su-24" am 22.10.2015 in Syrien
Ein russischer Kampfjet vom Typ "Su-24" (Archivbild)
Quelle: AP

Die russische Sicht des Vorfalls vor der Krim

ZDF-Russland-Korrespondent Christian Semm berichtet:

Aus Moskauer Sicht ist der Fall klar: Nach dem Vorfall im Schwarzen Meer wurde die britische Botschafterin Deborah Bronnert ins Außenministerium einbestellt. Moskau betrachte das Ganze als Provokation. "Unser Verteidigungsministerium hat bereits ein professionelles Urteil über die gefährlichen Aktionen des Zerstörers der Royal Navy im Schwarzen Meer abgegeben. Ich möchte hinzufügen, dass wir dies als eine eklatante britische Provokation qualifizieren, die gegen internationales und russisches Recht verstößt", so die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa in einem Pressebriefing.

Das russische Verteidigungsministerium bleibt bei seiner Darstellung: Die HMS Defender sei vor dem möglichen Einsatz von Waffen gewarnt worden, wenn das Schiff seine illegale Präsenz in russischen Hoheitsgewässern fortsetze. "Der britische Zerstörer reagierte nicht auf klare Warnsignale gemäß Seerecht, und deshalb musste das russische Wachschiff Warnschüsse abgeben. Eine russische Suchoi Su-24M führte zusätzlich einen präventiven Bombenangriff auf den britischen Zerstörer durch", teilte das Ministerium mit.

Im russischen Staatsfernsehen wurde ein Video gezeigt, gefilmt von einer Drohne und aus einem russischen Kampfjet. Es soll den Zwischenfall mit dem britischen Schiff zeigen. Verifizieren lässt es sich nicht. Schüsse oder einen Bombenabwurf sieht man auf dem Video nicht.

Die britische Sicht des Vorfalls im Schwarzen Meer:

ZDF-Korrespondent Andreas Stamm berichtet aus London:

Kein Öl ins Feuer gießen, die Vorwürfe zurückweisen, so reagiert das britische Verteidigungsministerium. Es habe keinen direkten Beschuss gegeben. Die von russischer Seite als Warnschüsse bezeichnete Aktion sei Teil einer Gefechtsübung in sicherer Entfernung gewesen, über die man informiert gewesen sei.

Bomben von Jets seien nicht gefallen. Und die HMS Defender sei in Gewässern unterwegs gewesen, die die "direkte und international anerkannten schnellsten Verbindung zwischen der Ukraine und Georgien darstelle", ergänzt später ein Sprecher von Premier Boris Johnson. Was den Konflikt um die Nichtanerkennung der, aus britischer Sicht, Annexion der Krim zumindest nicht direkt benennt.

Archiv: Der britische Zerstörer "HMS Defender" am 19.05.2010 vor der Küste Schottlands

Schwarzes Meer - London dementiert russische Warnschüsse 

Ein britisches Kriegsschiff dringt laut Moskau in russische Gewässer ein. Russland reagiert mit Warnschüssen. London dementiert beides.

Aussage gegen Aussage? Nicht ganz. Ein Korrespondent der BBC befindet sich zum Zeitpunkt des Vorfalls an Bord. Er habe Gefechtsfeuer in weiter Ferne gehört, mehr als 20 russische Jets wären zeitweise in der Luft gewesen, hätten aber nicht eingegriffen. Warnungen von russischer Seite, dass die HMS Defender den Kurs ändern solle, sonst werde gefeuert, seien erfolgt. Ein russisches Schiff habe sich bis auf 100 Meter genähert. Doch es habe keine Kursänderung und direkte Konfrontation gegeben. Allerdings sei die Lage angespannt gewesen, die britischen Seeleute waren wohl in Gefechtsbereitschaft.

Militärexperten sprechen von einem fingierten Vorfall, im Sinne einer klassischen, bekannten Provokations- und Desinformationsstrategie Russlands. Das zumindest ist die Sichtweise in London.

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