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Bundestags-Wahlkreise : Sind kleine Erststimmen-Anteile ein Problem?

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Gewonnene Direktmandate mit nur 20 Prozent der Stimmen sind kein Einzelfall bei der Bundestagswahl. Sollte uns das Anlass zur Sorge geben?

Der Bundestag soll die Wähler*innen möglichst breit abbilden. Einfluss haben sie mit ihren Zweitstimmen auf die grundsätzliche Zusammensetzung des Parlaments, die Abgeordneten ihrer Wahlkreises bestimmen sie über ihre Erststimme.

Bei der Bundestagswahl gab es zahlreiche Wahlkreise, bei denen den Kandidat*innen weniger als 30 Prozent der Erststimmen für einen Gewinn des Direktmandats reichten. In 13 Fällen gewannen Politiker*innen ihre Wahlkreise sogar mit weniger als 25 Prozent der Stimmen. Den niedrigsten Wert hatte der Wahlkreis Dresden II – Bautzen mit 18,6 Prozent (Lars Rohwer, CDU).

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Nicht nur Abgeordnete sind im Wahlkreis präsent

Bedeutet das, dass in manchen Wahlkreisen weniger als ein Viertel der Wähler*innen wirklich vertreten werden? Diese Frage beantwortet der Politikwissenschaftler Thomas Gschwend von der Uni Mannheim mit einem klaren Nein:

Es wird immer so getan, als gebe es zwei Arten von Parlamentariern: Wahlkreis-Sieger und Listenabgeordnete - das ist eine künstliche Überhöhung.
Thomas Gschwend, Politikwissenschaftler

Die "Verlierer*innen" hätten ihre Wahlkreise ebenso im Blick: Alle unterhielten Wahlkreisbüros, fühlten sich für ihre Region verantwortlich. Das ließe sich auch in Studien belegen, sagt Gschwend. Außerdem gehe es auch darum, durch die Arbeit und die Präsenz im Wahlkreis Stimmen bei der nächsten Wahl zu gewinnen.

Direktkandidierende oft loyaler gegenüber ihrem Wahlkreis

Häufig sind Direktkandidat*innen zusätzlich noch über die Liste ihrer Partei im Bundesland abgesichert. Sie müssen sich also nicht unbedingt Sorgen machen, nicht in den Bundestag einzuziehen - sofern ihre Partei genug Zweitstimmen bei der Wahl erhält.

Es gebe aber bestimmte Fälle, in denen Abgeordnete nur über das Direktmandat in den Bundestag einzögen, sagt Gschwend. In diesen Fällen gelte ihre Loyalität oft stärker den Wahlkreisinteressen, manchmal entschieden sie sich auch gegen ihre Parteilinie - sie würden als "unsichere Kantonisten" wahrgenommen. Bei großen Gesetzesvorhaben sei es dann für Parteien schwieriger, eine Mehrheit zu finden.

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CDU und CSU besonders auf Direktmandate fixiert

In der Regel führten Direktkandidat*innen einen deutlich stärker auf ihre Person zugeschnittenen Wahlkampf, mit speziellen Fotos oder eigenen Slogans. Die Union sei besonders stark auf die Direktkandidat*innen fixiert: "Das ist eine Art Fetisch, doch die tatsächliche Arbeit machen auch die Wahlkreis-Verlierer“, schließlich hätten auch sie ein Ohr für die Bürger*innen, stellt Gschwend fest.

Das grundsätzliche System von Erst- und Zweitstimmen findet Thomas Gschwend sehr sinnvoll, da es die Abgeordneten näher an den Bürger*innen halte. In den Niederlanden zum Beispiel gebe es keine Wahlkreisabgeordneten, Parlamentarier*innen würden die Bodenhaftung verlieren.

Das sagt Politikwissenschaftlerin Sabine Kropp.

Beitragslänge:
3 min
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Stichwahlen oder Präferenzen

Für das Problem der niedrigen Erststimmenanteile in Wahlkreisen gebe mehrere Lösungen: Etwa Stichwahlen oder eine Rangfolge beim Abstimmen.

In Frankreich zum Beispiel ist bei Parlamentswahlen eine absolute Mehrheit in den Wahlkreisen nötig. 2017 gab es aber nur in vier von 577 Wahlkreisen auf Anhieb eine solche Mehrheit, in den restlichen Kreisen stimmten die Wähler*innen eine Woche später über die zwei stärksten Kandidat*innen ab. In Deutschland wäre ein solches Verfahren aber schwierig, da mit den Zweitstimmen praktisch das Wahlergebnis feststehe. Das wiederum würde starken Einfluss auf die Stichwahlen haben.

Eine bessere Lösung sieht Gschwend im Präferenzwahlsystem wie etwa in Australien. Dort könnten die Wähler*innen zum Beispiel eine Rangfolge unter den Kandidierenden festlegen.

Die Auszählung ist auf den ersten Blick etwas komplizierter, sorgt aber dafür, dass Stimmen nicht verloren gehen wie etwa die 81% in Dresden II - Bautzen bei der Bundestagswahl.

Deutscher Bundestag mit Wahlkreiskarte und Balkendiagrammen
Grafiken

Live-Grafiken zur Bundestagswahl - Alle Ergebnisse aus Bund und Wahlkreisen 

Live-Ergebnisse zur Bundestagswahl: Welche Kandidierenden haben welchen Wahlkreis gewonnen? Welche Partei schneidet bundesweit und bei Ihnen vor Ort am besten ab?

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