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Cent-Abgabe auf Fleischprodukte : FDP gibt Widerstand gegen Tierwohlabgabe auf

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Nach SPD und Grünen plädiert jetzt auch die FDP für eine Tierwohlabgabe auf Fleischprodukte. Damit sollen Landwirte bei Investitionen für mehr Tierwohl unterstützen werden.

Nordrhein-Westfalen, Münster: Drei junge Ochsen in einem Betrieb in Nordrhein-Westfalen.
Wie kann das Tierwohl verbessert werden? Die FDP spricht sich für eine Abgabe auf Fleischprodukte aus. (Archivbild)
Quelle: dpa

Auch die FDP spricht sich in den Koalitionsverhandlungen für eine Cent-Abgabe pro verkauftem Fleischprodukt aus. "Es kann nur eine Tierwohlabgabe sein, die zweckgebunden ist", erklärt Gero Hecker, agrarpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, im Interview mit dem ZDF-Magazin "frontal".

Damit bleibe die FDP ihrer Linie treu, keine Steuererhöhungen zu akzeptieren, so Hecker. Voraussetzung für die Einführung einer Tierwohlabgabe sei, dass so eine Abgabe nicht mit europäischem Recht kollidiere. Dazu seien noch zahlreiche Detailfragen zu klären. Dazu gehöre etwa, ob nur deutsche Produkte von einer Abgabe betroffen wären oder auch ausländische.

Handlungsbedarf bei Nutztierhaltung

Hintergund für die Entscheidung zwischen Tierwohlabgabe und Steuererhöhung sind die Handlungsempfehlungen der so genannten "Borchert-Kommssion". Das Experten-Gremium unter der Leitung des ehemaligen Landwirtschaftsministers Jochen Borchert (CDU) hatte im Auftrag der Bundesregierung mehrere Vorschläge gemacht, wie die Landwirtschaft in Deutschland zukunftsfähig umgestaltet werden kann. Die Vorschläge wurden parteiübergreifend begrüßt.

Bei der Nutztierhaltung kommt die Kommission zu dem Schluss:

Es zeigt sich ein erheblicher Handlungsbedarf zur Verbesserung des Tierwohlniveaus in der Nutztierhaltung.
Borchert-Kommssion

Vor allem die dafür nötigen Stallumbauten kosten viel Geld. Die Borchert-Kommission hat dafür zwei Finanzierungmöglichkeiten vorgeschlagen: Steuererhöhungen oder eine Tierwohlabgabe.

Fleischverzehr mit Folgen fürs Klima

Die Borchert-Kommission empfiehlt auch, dass deutsche Landwirte weniger Tiere halten sollen - auch aus Klimaschutzgründen. Tatsächlich ist die industrielle Fleischwirtschaft nach Berechnungen des Klimaforschers Carl Friedrich Schleussner von der Humboldt Universität zu Berlin mitverantwortlich für die menschegemachte Erderwärmung:

Ungefähr ein Drittel der Erwärmung, die wir heute sehen, ist von Methan, dem insgesamt zweitwichtigsten Treibhausgas, verursacht worden und davon wiederum ein Drittel des Methanausstoß aus der letzten Dekade kommt aus der Viehwirtschaft.
Dr. Carl Friedrich Schleussner, Humboldt Universität

Methan sei ein sehr potentes Treibhausgas, das sehr viel mehr zur globalen Erwärmung beitrage als CO2. Weltweit würden mehrere Milliarden Tiere gehalten und allein dabei fielen Emmissionen im großen industriellen Maßstab an.

Junge Menschen essen weniger Fleisch

Während die Fleischindustrie weiterhin auf Effizinezsteigerung und mehr Produktivität setzt, verabschieden sich immer mehr junge Menschen vom Fleischkonsum. Laut dem BUND Fleischatlas von 2021 lehnen 70 Prozent der 15 bis 29-Jährigen die Fleischproduktion in Deutschland in ihrer jetzigen Form ab.

Vierzig Prozent der Befragten geben an, wenig Fleisch zu essen und 13 Prozent ernähren sich ausschließlich vegetarisch oder vegan – doppelt so viele wie im Gesamtdurchschnitt der Bevölkerung.

"Es ist viel effizienter, Pflanzen zu konsumieren, statt die Pflanzen erst Tieren zu geben und das Wasser erst zu geben, um dann später das Fleisch und tierische Produkte zu konsumieren. Das heißt, ökologisch sinnvoller ist die fleischlose Ernährungsweise", erklärt Myriam Rapior vom Bundesvorstand des der BUND-Jugend.

Mehr zum Thema Klima und Fleisch in der neuen Folge "Fleisch" aus der Doku-Reihe "Achtung, Essen!", ab jetzt in der ZDF Mediathek:

Die Fleischproduktion hat einen hohen Preis: Tiere sterben und das Klima wird belastet. Immer mehr Menschen essen vegetarisch oder vegan. Sind Fleischesser ein Auslaufmodell?

Beitragslänge:
38 min
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