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Bundestagswahl - Erstmals Transmenschen auf Stimmzetteln

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Auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl stehen in diesem Jahr erstmals auch vier Transmenschen. Sie kämpfen um Wählerstimmen - und für Anerkennung und gleiche Rechte.

Tessa Ganserer am 03.09.2021 in Nürnberg
Tessa Ganserer outete sich im November 2018 als erste Politikerin in einem deutschen Parlament als transgeschlechtlich.
Quelle: dpa

Tessa Ganserer, Victoria Broßart, Nyke Slawik (alle Grüne) und Ria Cybill Geyer (SPD): Sie sind Transmenschen - und wurden mit einem Geschlecht geboren, das nicht ihrer Identität entspricht. Sie wollen in den Bundestag - mit ihnen stehen zum ersten Mal offen lebende Transmenschen auf den Wahllisten. Im Parlament gab es bisher nur eine Transperson, die sich aber erst nach ihrer Amtszeit outete.

Die Bundestagswahlen 2021 sind in dieser Hinsicht ein historischer Moment.
Gabriel_Nox Koenig, Bundesverband Trans* e.V.

"Hoffnung, etwas bewirken zu können"

Die Nürnberger Bundestagskandidatin Tessa Ganserer ist eine von ihnen. Sie sitzt seit 2013 für die Grünen im bayerischen Landtag, in den ersten Jahren noch als Abgeordneter unter männlichen Vornamen. Im November 2018 outete Ganserer sich dann als erste Politikerin in einem deutschen Parlament als transgeschlechtlich. Fortan trat sie auch öffentlich als Tessa Ganserer auf - als die Frau, die sie schon immer war, wie sie sagt.

In dem ZDF-Wahlformat "Klartext" reagiert Olaf Scholz auf den Vorwurf, dass Transidente und Transsexuelle durch die Politik der Großen Koalition diskriminiert werden.

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Im bayerischen Landtag kämpft Ganserer seitdem als queerpolitische Sprecherin für die rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Akzeptanz von transgeschlechtlichen Menschen - ein Kampf, der auch ein persönlicher ist und den sie nun im Bundestag fortsetzen will - "in der Hoffnung etwas bewirken zu können, damit es andere nach mir leichter haben", sagt sie.

Ganserer: "Schmerzvoll und erniedrigend"

"Wer Tessa will, muss Ganserer wählen" - steht in dicker weißer Schrift auf den grünen Wahlplakaten. Darauf zu sehen ist eine Frau mit langen blonden Haaren, die sie auf einer Seite lässig hinters Ohr geschoben hat. Fröhlich lächelt sie in die Kamera. Trotzdem ist Ganserer alles andere als glücklich über die Plakate. Diese sind nur eine Notlösung.

Denn auf dem Wahlzettel steht Ganserer mit einem anderen Vornamen - einem männlichen Vornamen, den die 44-Jährige vor fast drei Jahren abgelegt hat und mit dem sie sich nicht identifiziert. "Das ist für mich sehr schmerzvoll und erniedrigend", sagt sie.

Identität ständig erklären und rechtfertigen

Wie viele andere Menschen in ihrer Situation lehnt Ganserer es ab, ihren Vornamen und ihr Geschlecht nach dem Transsexuellengesetz offiziell ändern zu lassen. Das 40 Jahre alte Gesetz sieht vor, dass Betroffene das erst nach einem psychologischen Gutachten und einer gerichtlichen Entscheidung dürfen - dabei müssen sie sich oft sehr intime Fragen gefallen lassen.

Daher steht in Ganserers Personalausweis immer noch ihr abgelegter Vorname. Im Alltag bedeute das für sie, ihre Identität ständig aufs Neue erklären, sich immer wieder rechtfertigen zu müssen, etwa beim Corona-Test oder bei der Fahrscheinkontrolle in der Bahn.

Slawik: Viele "diskriminierende Erfahrungen"

Zumindest bei Tessa Ganserer und Nyke Slawik gilt der Einzug in den Bundestag als wahrscheinlich, aber auch Victoria Broßart könnte noch Chancen haben. Der Klimawandel, aber auch ihre persönliche Geschichte haben die 27-jährige Nyke Slawik aus Leverkusen dazu bewogen, bei der Bundestagswahl für die Grünen anzutreten.

Nach meiner Transition habe ich viele Erfahrungen durchgemacht, die ich als diskriminierend empfunden habe.
Nyke Slawik

Dazu komme, dass sie selbst ohne Vorbilder aufgewachsen sei, weil transgeschlechtliche Menschen in der Politik bisher nicht präsent gewesen seien. "Das will ich ändern", sagt Slawik und fügt hinzu:

Ich hoffe, dass es schwieriger wird, uns als geschlechtliche Minderheit zu diskriminieren, wenn wir endlich mit am Tisch sitzen.
Nyke Slawik
Zwei Menschen sind von einer Pride-Flagge umhüllt. Archivbild

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von Lukas Wilhelm
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