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Bundestagswahl - Wo die Koalitionen eine Mehrheit hätten

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Nicht in allen Wahlkreisen hätten Ampel und Jamaika eine Mehrheit. Vor allem im Osten gibt es viele ältere und finanziell schwache Regionen, in denen AfD und Linke stärker sind.

Die SPD hat die Bundestagswahl gewonnen, wenn auch knapper als erwartet. Olaf Scholz, der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten sieht momentan die größten inhaltlichen Überschneidungen in einer Ampel-Koalition mit den Grünen und der FDP. Doch wie viel Rückhalt würde eine solche Koalition in den deutschen Wahlkreisen haben?

Die West-Koalition Ampel

Ein Bündnis aus den Ampel-Farben würde vor allem im Westen auf Mehrheiten kommen. Abgesehen von Brandenburg und städtischen Regionen wie Erfurt, Dresden und Leipzig kommen SPD, Grüne und FDP gemeinsam im Osten nicht über 50 Prozent.

Auch in Bayern, wo die CSU trotz großer Verluste immer noch sehr stark ist, gäbe es theoretisch nur in den reichen, urbanen Regionen wie München, Starnberg und Nürnberg Mehrheiten für Rot-Grün-Gelb.

Zu diesem Ergebnis kommt man, wenn man das Wahlrecht der Bundestagswahl auf die Wahlkreise überträgt. Dabei werden die Stimmanteile für jeden Wahlkreis neu berechnet und die Parteien außen vor gelassen, die nicht über die Fünf-Prozent-Hürde gekommen sind.

Die West-Süd-Koalition Jamaika

Sollten sich die beiden Königsmacher Grüne und FDP für Armin Laschet (CDU) als Kanzler entscheiden, hätten sie zwar ganz Bayern hinter sich - aber ohne Brandenburg und die Großstädte im Osten hätte diese Koalition noch weniger Rückhalt in den neuen Bundesländern als die Ampel-Koalition.

Die nicht mehr ganz so Große Koalition

Als nur mehr drittstärkstes Bündnis hätten SPD und Union doch immer noch in weiten Teilen der Bundesrepublik eine theoretische Mehrheit - daran hat sich seit 2017 nicht viel verändert. Statt der SPD wäre nun die Union mit 1,6 Prozentpunkten weniger der Junior-Partner. Aber auch hier klafft doch eine deutliche Lücke in vielen ostdeutschen Wahlkreisen.

Linke und SPD punkten in Wahlkreisen mit höherer Arbeitslosigkeit

In Ostdeutschland konnten vor allem AfD und Linke gute Ergebnisse erzielen - weil sich ihre Wählerschaft strukturell von der anderer Parteien unterscheidet. In Wahlkreisen mit höherer Arbeitslosigkeit wurde tendenziell zum Beispiel häufiger die Linke gewählt.

Aber dieser Zusammenhang gilt nicht überall. Im Ruhrgebiet konnte die Linke bei der Bundestagswahl nicht punkten - zum Beispiel in Gelsenkirchen. Trotz der laut Wahlkreisstatistik des Bundeswahlleiters deutschlandweit höchsten Arbeitslosigkeit von 15,8 Prozent kam die Linke bei der Wahl in Gelsenkirchen nicht über 3,5 Prozent hinaus.

Im Ruhrgebiet hat sich die SPD diese Stimmen geschnappt – in Gelsenkirchen waren es mehr als 37 Prozent, eines der stärksten Wahlergebnisse der Sozialdemokraten bei dieser Bundestagswahl.

Deshalb werden SPD und Linke in reicheren Wahlkreisen auch nicht so häufig gewählt wie andere Parteien. In wohlhabenden Regionen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen ist die FDP besonders stark. Aber auch die Grünen haben in Wahlkreisen mit überdurchschnittlich verfügbaren Einkommen mehr Stimmen geholt als in ärmeren Regionen:

AfD bei Älteren erfolgreich

Doch nicht nur Arbeitslosigkeit oder verfügbares Einkommen korreliert mit dem Wahlverhalten. Mit einer der Gründe für das hohe Wahlergebnis der AfD in ostdeutschen Bundesländern dürfte auch die Altersstruktur der dortigen Wahlkreise gewesen sein. Gerade in Wahlkreisen mit einem besonders hohen Anteil von Menschen über 75 Jahren hat die AfD besonders viele Stimmen holen können.

In Görlitz, dem Wahlkreis mit dem höchsten Anteil von Über-75-Jährigen, erreichten die AfD und ihr Spitzenkandidat Tino Chrupalla mit 32,5 Prozent ihr deutschlandweit bestes Wahlergebnis.

In Wahlkreisen mit wenigen älteren Menschen konnte die AfD unterdessen kaum punkten.

Im Gegensatz zu den Grünen. In Städten wie Münster, Freiburg oder Aachen konnte die Partei von Spitzenkandidatin Annalena Baerbock ihre besten Ergebnisse einfahren - örtlich mehr als 30 Prozent der Stimmen.

Was diese Wahlkreise verbindet: Ein hoher Anteil junger Menschen. Mehr als zehn Prozent der Bevölkerung sind in diesen Städten zwischen 18 und 24 Jahre alt – in Aachen sind es mehr als 15 Prozent, doppelt so viele wie durchschnittlich in Deutschland.

Einige Ausreißer gibt es dennoch. In Berlin ist der Anteil der Menschen zwischen 18 und 24 etwa halb so hoch wie in Freiburg, Münster oder Aachen. Dennoch haben die Grünen hier mit ihre besten Ergebnisse geholt. Im Berliner Wahlkreis Friedrichshain/Kreuzberg/Prenzlauer Berg Ost waren es 36,7 Prozent der Zweitstimmen.

Grüne in Städten erfolgreicher, Union auf dem Land

Diese Wahlkreise haben gemeinsam, dass es allesamt Städte sind. Auch bei dieser Wahl waren die Grünen vor allem in urbanen, jüngeren Wahlkreisen mit höherem Ausländeranteil beliebt - während auf dem Land andere Parteien stärker waren. Zum Beispiel CDU und CSU: Die Union konnte zwar nicht so sehr in stark besiedelten Wahlkreisen punkten, dafür aber eher in ländlicheren Regionen.

In diesen dünn besiedelten Wahlkreisen ist die Autodichte in aller Regel höher als in den Städten, weil die Autos auf dem Land gebraucht werden. Der Nebeneffekt in der Statistik: Je mehr Autos pro 1.000 Einwohner*innen, desto höher auch das Wahlergebnis von CDU und CSU.

Deutscher Bundestag mit Wahlkreiskarte und Balkendiagrammen
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Live-Grafiken zur Bundestagswahl - Alle Ergebnisse aus Bund und Wahlkreisen 

Live-Ergebnisse zur Bundestagswahl: Welche Kandidierenden haben welchen Wahlkreis gewonnen? Welche Partei schneidet bundesweit und bei Ihnen vor Ort am besten ab?

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