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"Russlands Schattenarmee" - Wer ist die Söldnergruppe "Wagner" in Mali?

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Immer wieder tauchen Berichte über brutale russische Söldner auf; erst in Syrien und Libyen, nun auch in anderen afrikanischen Ländern. Wer steckt hinter dieser "Schattenarmee"?

Hand hält eine Ak-47
Die genaue Zahl der Söldner der "Gruppe Wagner" ist unbekannt.
Quelle: Imago

Der Bundeswehreinsatz in Mali steht in Frage. Der Grund: Die malische Militärregierung, bisher unterstützt von Deutschland und Frankreich, verhandelt mit russischen Söldnern der sogenannten "Gruppe Wagner".

"Russlands Schattenarmee"

Dabei handelt es sich um eine Privatarmee, auch "Russlands Schattenarmee" genannt, die es offiziell gar nicht geben soll. Ihr Anführer Dmitri Utkin gab sich selbst den Kampfnamen "Wagner", weil er die Musik des deutschen Komponisten liebt, die Kampftruppe ist nach ihm benannt.

Sie ging vermutlich aus der privaten Söldnerfirma "Slavonic Corps Limited" hervor, die im Jahr 2013 russische Kämpfer für Assads Krieg in Syrien rekrutierte, unter ihnen Dmitri Utkin.

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer droht dem Militärregime in Mali mit Konsequenzen für den Bundeswehreinsatz dort. Dieses erwägt offenbar den Einsatz russischer Söldner.

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Ehemalige Unteroffiziere, Vertragssoldaten und Polizisten

Dort und während des Krieges in der Ostukraine von 2014 versammelte Utkin ehemalige Unteroffiziere, Vertragssoldaten und Polizisten um sich, so der Russland-Beobachter Gustav Gressel (European Council on Foreign Relations).

Rekrutiert werden üblicherweise Kämpfer, denen keine militärische Laufbahn mehr in Russland bevorsteht. In der Gruppe Wagner jedoch erhalten sie etwa 3.000 Euro im Monat.

Verschiedene Einsatzorte weltweit

Die genaue Zahl der Söldner ist unbekannt, ebenso wie ihre Einsatzorte verdeckt gehalten werden. Berichten zufolge befinden sich seit Ende 2015 etwa 500 bis 1.000 Wagner-Kämpfer in Syrien.

In Libyen kämpften seit Oktober 2018 nach Schätzungen der Vereinten Nationen 800 bis 1.200 russische Söldner an der Seite von General Chalifa Haftar.

Hinweise deuten darauf hin, dass auch in der Republik Zentralafrika die 175 "Reservisten", die seit 2018 Soldaten vor Ort ausbilden sollen, ebenfalls Söldner der Wagner-Gruppe sind. Medien berichten außerdem von russischen Söldnern im Sudan und in Mosambik.

Obwohl die Kampfhandlungen in Syrien nachgelassen haben, die Versorgungslage der Menschen ist schlecht: Viele leben in Flüchtlingslager, dem UN-Welternährungsprogramm reichen die Mittel nicht. Nahrungsmangel - neben flächendeckender Zerstörung.

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Private Militärfirmen in aktuellen Konflikten

Historisch gesehen ist das Söldnerwesen nicht neu, blickt man etwa auf Hannibal, dessen Armee im Zweiten Punischen Krieg nur aus Söldnern bestand, oder auf die Condottieri im 14. Jahrhundert.

In heutigen Konflikten wächst die Bedeutung von privaten Militärfirmen, was Politologen wie Herfried Münkler schon vor 20 Jahren vorausgesagt haben: Private Akteure wie Warlords, Söldner und Terroristen spielen eine immer wichtigere Rolle in den "neuen" Kriegen.

Der strategische Vorteil ist naheliegend: Da sie keine regulären Truppen sind, bewegen sie sich in einer rechtlichen Grauzone. Sie entziehen sich der Kontrolle durch nationale Parlamente und der Gerichtsbarkeit - einer der Gründe, weshalb sie deutlich gewaltbereiter sind. Ihre Auftraggeber lassen sich selten zurückverfolgen.

Extreme Grausamkeiten

Die Gruppe "Blackwater" (heute Academi) galt lange als berüchtigtes Beispiel für Gewaltverbrechen einer Privatarmee. Auch die "Gruppe Wagner" ist bekannt für ihre extreme Grausamkeit und begeht immer wieder Kriegsverbrechen.

Ein Folter- und Hinrichtungsvideo von 2017 zeigt Gräueltaten an einem Syrer, verübt von russischsprachigen Männern in Uniform. Mindestens einer konnte als Mitglied der Wagner-Gruppe identifiziert werden.

Ein Soldat der Bundeswehr steht am Flughafen nahe des Stützpunktes in Gao im Norden Malis.
FAQ

Erfolgloser Auslandseinsatz - Sollte die Bundeswehr auch aus Mali abziehen? 

Seit acht Jahren ist die Bundeswehr in Mali im Einsatz. Frieden gibt es weiter nicht, das Militär putschte mehrfach. Das neueste Problem: Russische Söldner. Lohnt sich der Einsatz?

von Nils Metzger

Verbindung zu Russland unklar

Wieviel Kontrolle Russland über diese Söldner hat, ist unklar. Offiziell sind Söldnergruppen in Russland verboten, der Kreml streitet eine Verbindung zur "Gruppe Wagner" ab.

Doch vieles deutet darauf hin, dass die Finanzierung vom Unternehmer Jewgenij Prigoschin stammt. Er gilt als enger Vertrauter Putins. Umstritten ist bisher, welche Motivation die Auftraggeber haben: ob sie Bodenschätze wie Öl, Gas oder Edelsteine zur privaten Bereicherung plündern, oder ob sie gezielt geopolitische Interessen verfolgen.

Auslandseinsatz der Bundeswehr in Mali

In ihrer entgrenzten Gewaltbereitschaft wird die "Gruppe Wagner" ein Risiko für die Sicherheitsaufgaben der Bundeswehr darstellen und das Land weiter destabilisieren. Zudem ist unklar, wie viele Söldner sich überhaupt in Mali befinden. Das ist der strategische Vorteil eines unberechenbaren Akteurs.

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