Sie sind hier:

100-Milliarden-Sondervermögen : Wie gelingt die Neuaufstellung der Truppe?

Datum:

100 Milliarden Euro Sondervermögen sollen die Bundeswehr-Neuaufstellung ermöglichen. Wie kann das gelingen und welche Rolle soll Nuklearabwehr dabei spielen? Was Experten meinen.

Ein Eurofighter wird nach einem Übungsflug von einem Techniker untersucht (Archivbild)
Wegen der russischen Invasion in der Ukraine gibt es ein Sondervermögen für die Bundeswehr von 100 Milliarden Euro. (Archivbild)
Quelle: dpa

Lange wurde Deutschland für seine vergleichsweise geringen Verteidigungsinvestitionen von seinen Nato-Partnern - allen voran den USA - kritisiert. Nun sollen 100 Milliarden Euro Sondervermögen helfen, die Bundeswehr neu aufzustellen.

Harald Kujat, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr, begrüßt das Milliarden-Paket für die Truppe und den Plan, den Verteidigungshaushalt auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes anzuheben:

Die Anhebung ist ein enormer Fortschritt. Sie gibt der Bundeswehr Planungssicherheit.
Harald Kujat, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr

Kujat: "Unsicherheitsfaktor ist ausgeräumt"

"Wir wissen also genau, wie viel Geld uns 2022, 2023, 2024 und in den Folgejahren zur Verfügung stehen wird", so Kujat weiter. "Das war ja immer die große Frage auch für die Bundeswehr: Werden wir in fünf Jahren auch das Geld bekommen, um die Waffensysteme zu bezahlen, die wir heute planen?"

Das war ein großer Unsicherheitsfaktor. Dieser Unsicherheitsfaktor ist ausgeräumt.
Harald Kujat, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr

Künftig solle sich die deutsche Armee weniger auf Auslandseinsätze, sondern mehr auf die Landes- und Bündnisverteidigung konzentrieren, so Kujat gegenüber dem ZDF-Magazin "frontal".

Es geht um das Überleben einer Nation, um die Sicherheit aller Bürger, um die territoriale Integrität unseres Landes.
Harald Kujat, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr

"Beschaffen von Ausrüstung, Beschaffungsorganisation, strukturelle Anpassungen" seien nötig, damit die Bundeswehr " das liefern könne, was Nato und EU von uns verlangen", so André Wüstner, Vorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbands.

Beitragslänge:
4 min
Datum:

Rüstungsvertreter hofft auf Imagewandel

Gleichzeitig hofft die Rüstungsindustrie auf Aufträge in Milliardenhöhe - und auf einen Imagewandel. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, gegenüber "frontal":

Zunächst mal hoffe ich, dass unsere Branche einfach mehr Wertschätzung erfährt, die ihr zusteht.
Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie

Atzpodien sieht ein Imageproblem: "Unsere Branche sind ja nicht irgendwelche Waffenhändler, sondern unsere Branche besteht darin, dass wir Sicherheitsorgane und Streitkräfte in der EU und der Nato beliefern - und da hoffe ich, dass das jetzt doch die Gesellschaft ein bisschen besser versteht."

Reservisten-Vertreter: Atomkrieg "kann man nie gewinnen"

Experten fordern nun, dass auch die atomare Abschreckung mit der sogenannten nuklearen Teilhabe weiter ausgebaut werden soll. Dieses Abschreckungskonzept des atlantischen Bündnisses sieht vor, dass die deutsche Truppe im Kriegsfall Zugriff auf amerikanische Atomsprengköpfe hat und diese dann - mit eigenen Flugzeugen - ins Ziel bringt.

"Ich glaube, wir brauchen es definitiv, weil es eine ganz klare Abschreckung darstellt. Die Abschreckung vor einem Atomkrieg hat immer gewirkt. Ich hoffe, das bleibt auch bei Despoten der Fall, weil sie wissen, so etwas kann man nie gewinnen und das eigene Land geht dabei auch den Bach runter", so Patrick Sensburg, Präsident des Verbands der Reservisten der Deutschen Bundeswehr.

Grafiken

Sondervermögen für Bundeswehr - Was bedeuten die Milliarden für die Truppe? 

Deutschland will erheblich mehr Geld in die Verteidigung stecken. Was ist geplant, woher kommt das Geld und wohin soll es investiert werden? Ein Überblick in Grafiken.

von Jan Schneider und Michaela Waldow

Experte Mölling: "Nuklearkrieg ändert alles"

Derzeit ist der Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz der einzige Standort in Deutschland, an dem noch US-Atomwaffen gelagert werden. Hier bildet die Luftwaffe Jagdbomberpiloten für den Einsatz aus, um im Notfall mit Bundeswehr-Tornados die amerikanischen Atombomben ins Zielgebiet zu fliegen und abzuwerfen.

Laut Christian Mölling, Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und Leiter des Programms Sicherheit und Verteidigung, senden diese ein eindeutiges Zeichen:

Wenn die aufsteigen, heißt das, dass für Moskau alle Alarmglocken läuten.
Christian Mölling, Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und Leiter des Programms Sicherheit und Verteidigung

Dabei gehe es laut Mölling nicht darum, irgendein militärisches Ziel zu bombardieren, "sondern es geht dann da drum, dass allen klar ist, Nuklearkrieg ändert alles und wir dürfen davon ausgehen, dass das zumindest in Moskau noch klar ist".

Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:

zerstörte Häuser in Folge des Krieges in der Ukraine.

Russland greift die Ukraine an - Aktuelles zum Krieg in der Ukraine 

Russlands Angriff auf die Ukraine dauert an. Es gibt Sanktionen gegen Moskau, Waffen für Kiew. Aktuelle News und Hintergründe zum Krieg im Blog.

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine

Russische Soldaten gehen durch einen zerstörten Bereich des Iljitsch Eisen- und Stahlwerks Mariupol am 18.05.2022.

Eroberung von Mariupol - Ein wichtiger Sieg für Russland 

Die ukrainischen Verteidiger von Mariupol haben sich ergeben. Ihre Zukunft ist ungewiss. Die Einnahme von Mariupol ist ein wichtiger Sieg für Russland.

von Christian Mölling und Andras Racz
Zerstörte U-Bahn Station in Charkiw, Menschen suchen Schutz

Politik | auslandsjournal - Hoffnung in Trümmern  

Die russische Armee zieht sich weiter aus der Region Charkiw im Nordosten der Ukraine zurück. Katrin Eigendorf ist unterwegs in der zerbombten Stadt, in der einst anderthalb Millionen Menschen …

18.05.2022
von Katrin Eigendorf und Sebastian Ehm
Videolänge
In Ägypten kauft ein Junge Brot auf einem Markt. Dort könnte der Krieg zwischen Russland und der Ukraine eine Hungersnot auslösen, da die beiden Kriegsparteien führende Getreideexporteure sind, Kairo, 18.05.2022.

Nachrichten | heute journal - "Getreidekrieg": Hunger als Instrument 

Die Ukraine ist einer der größten Weizenexporteure. Derzeit kann jedoch nur ein Bruchteil ausgeführt werden. Es droht eine Hungerkrise, vor allem in Afrika. Russland verfolge die Strategie, Hunger …

18.05.2022
von Andreas Kynast
Videolänge
Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.