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Interview

Armutsforscher Butterwegge : Warum zwölf Euro Mindestlohn nicht reichen

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Christoph Butterwegge ist Deutschlands bekanntester Armutsforscher. Der neue Mindestlohn ist für ihn "ein Meilenstein im Kampf gegen die Armut" - aber einer, der nicht ausreicht.

"Armut ist nicht ansteckend, aber diejenigen, die davon betroffen sind, werden in unserer Gesellschaft wie Aussätzige behandelt", so der Armutsforscher Christoph Butterwegge. Wegen der starken Inflation müsse der Mindestlohn noch mehr steigen.

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Sie war ein Kernversprechen von Bundeskanzler Olaf Scholz im SPD-Wahlkampf - die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro. Und seit Freitag ist klar: Sie kommt, zum 1. Oktober. Etwa 6,2 Millionen Arbeitnehmer mit einem Stundenlohn unter zwölf Euro sollen dann profitieren, vor allem Frauen sowie Menschen in Ostdeutschland.

Im ZDF-Interview ordnet der Armutsforscher Christoph Butterwegge die Bedeutung des Mindestlohns ein - und erklärt darüber hinaus, wie Armut in Deutschland angesichts der aktuellen Krisen langfristig bekämpft werden könnte. Sehen Sie das ganze Gespräch oben im Video - oder lesen Sie im Folgenden die wichtigsten Aussagen.

Warum der Mindestlohn ein "Meilenstein" ist - und doch höher ausfallen müsste:

Der Mindestlohn ist "eigentlich ein Meilenstein im Kampf gegen die Armut", sagt Butterwegge. Allerdings müsse er sagen, dass die zwölf Euro im Oktober 2022 "sehr viel weniger wert" seien als zu dem Zeitpunkt, als Scholz die Forderung erstmals erhob. "Das war nämlich im September 2017, nachdem die SPD die damalige Bundestagswahl verloren hatte."

Die Forderung nach den zwölf Euro sei nun zwar verwirklicht, doch die Betroffenen würden das wegen der Inflation nicht so stark im Portemonnaie merken. "Eigentlich müsste der Mindestlohn noch stärker steigen", sagt Butterwegge deshalb - auf 13 bis 14 Euro, damit jemand, der sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigt sei, am Ende seines Berufslebens nicht immer noch auf die Grundsicherung im Alter angewiesen sei.

Das kann nicht der Sinn eines Mindestlohns, einer Untergrenze im Lohn sein, dass der Staat am Ende dann dafür sorgen muss, dass die Menschen in Würde leben können.
Christoph Butterwegge

Die Ampel-Koalition und die Linke stimmten für eine Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro ab Oktober.

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Butterwege über eine neue gesellschaftliche Bedeutung von Armut:

Der Hashtag #IchBinArmutsbetroffen zeige, dass diejenigen, die von Armut betroffen seien, sich nun in die Öffentlichkeit begäben. "Armut ist nicht ansteckend, aber diejenigen, die betroffen sind, werden in unserer Gesellschaft wie Aussätzige behandelt", sagt Butterwegge. Wenn sie sich nun vernetzten und in die Öffentlichkeit träten, könne das Thema Armut "auch hoffentlich die Bedeutung bekommen, die es verdient".

Immer mehr von Armut betroffene Menschen wollen auf ihr Leben aufmerksam machen und teilen unter dem Hashtag #IchbinArmutsbetroffen Erlebnisse aus ihrem Alltag. Sie hoffen, dass ihre Probleme von Politik und Gesellschaft stärker wahrgenommen werden.

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Welche langfristigen Maßnahmen gegen Armut ergriffen werden müssen:

Statt Einmalzahlungen plädiert Butterwegge dafür, die Regelbedarfe bei Hartz IV und der Grundsicherung im Alter zu erhöhen. Bei steigenden Preisen bräuchten die Menschen mehr Geld - "gerade die am unteren Rand der Gesellschaft."

"Und das passiert nicht, wenn man ihnen einmal ein Almosen gibt, sondern das erfordert eine regelmäßige Zahlung monatlich", sagt Butterwegge. Das habe die Bundesregierung bisher versäumt.

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