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Expertin über CDU-Parteitag - "Die CDU ist gespalten"

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Friedrich Merz kritisiert die Absage des CDU-Parteitags. Da reißen alte Wunden auf, die er noch aus der Merkel-Zeit hat, sagt Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele.

Norbert Röttgen, Friedrich Merz und Armin Laschet bei der Jungen Union in Berlin am 17.10.2020.
Wollen CDU-Chef werden: Norbert Röttgen, Friedrich Merz und Armin Laschet (von links) bei der Jungen Union in Berlin (17.10.2020)
Quelle: epa

ZDFheute: Friedrich Merz kritisiert die Absage des Parteitages scharf. Warum ist dieser Parteitag für ihn so wichtig?

Andrea Römmele: Er liegt in den Umfragen deutlich vor seinen Herausforderern, dem Duo Armin Laschet und Jens Spahn und auch weit vor Norbert Röttgen. Diesen Vorsprung möchte er jetzt nach Hause fahren. Auch ein Online-Parteitag kommt ihm nicht entgegen, da er jemand ist, der so eine Halle zum Rocken bringen kann. Er ist ein guter Redner und hält deshalb an dem ursprünglichen Format des Parteitags fest.

ZDFheute: Was ist denn bei einer Wahl in ein paar Monaten anders?

Römmele: Die politische Dynamik kann sich bis dahin gravierend ändern. Es kann sein, dass Armin Laschet an Statur gewinnt. Zum Beispiel durch ein gutes Krisenmanagement während der zweiten Welle. Das will Merz natürlich verhindern. Aber es kann auch sein, dass sich bis dahin Gesundheitsminister Spahn eben doch von Laschet lossagt und auch seinen Hut in den Ring wirft.

ZDFheute: Merz spricht davon, dass beachtliche Teile der Partei verhindern wollten, dass er Parteichef wird. Was ist an diesem Vorwurf dran?

Römmele: Merz hat einen sehr guten Rückhalt unter den Mitgliedern, also an der Basis. Aber im Establishment, also in der Parteizentrale, sind seine Unterstützer nicht so breit gesät. Da kommen sicherlich die alten Wunden bei Merz hoch, die er noch aus der alten Merkel-Zeit hat, als sie ihn als Fraktionsvorsitzenden zurückgepfiffen hat. Die Absage des Parteitags jetzt in diese Debatte mit reinzubringen, sehe ich aber als nicht richtig an. Denn über allem seht natürlich die Gesundheit der Bevölkerung. Und dass man diesen Parteitag in Pandemie-Zeiten nicht durchführen kann, ist vollkommen klar.

Die CDU ist gespalten. Eigentlich hat sie eine luxuriöse Situation mit mehreren Kandidaten für den Parteivorsitz - und trotzdem schafft sie es, die Situation gegen sich zu verwenden.
Andrea Römmele, Hertie School of Governance

Die Junge Union hat die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz nach Berlin zu einem sog. „Kandidaten-Pitch“ eingeladen. Laschet, Merz und Röttgen stellen sich den Fragen des Parteipublikums – per Videoschalte. Wer geht als Gewinner aus dem „Pitch“?

Beitragslänge:
2 min
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ZDFheute: Was bedeutet dieser Vorwurf für das Innere der CDU?

Römmele: Es zeigt einfach, wie zerrissen die CDU in dieser Frage ist. Da wird jetzt ein Bild der Uneinigkeit nach außen getragen. Aber gerade jetzt braucht es das Bild der Einigkeit nach dem Motto: "Wir wollen das Beste für die Bevölkerung." Wichtig ist jetzt für die CDU, die Wahl nicht so weit nach hinten zu verschieben. Denn das Lager, das verliert, muss sich hinter dem Gewinner auch wieder versammeln. Und dafür braucht es Zeit.

ZDFheute: Wird dieser Konflikt den Umfragewerten der CDU schaden?

Römmele: Ich glaube nicht. Denn die Umfragewerte sind einfach zu sehr beeinflusst vom Krisenmanagement Angela Merkels. Ihre Beliebtheitswerte überschatten zur Zeit noch die innerparteilichen Machtkämpfe. Die Frage ist, wie lange noch.

Das Interview führte Nils Hagemann

Politik | Berlin direkt - Machtkampf um den CDU-Vorsitz 

Noch 10 Wochen - dann findet der CDU-Parteitag statt und mit ihm die Wahl des neuen Parteivorsitzenden. Merz, Röttgen oder das Team Laschet/Spahn? Alle haben sich in den letzten Monaten bereits in Stellung gebracht, doch einen klaren Favoriten gibt es ...

Videolänge
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