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Kritik an Friedrich Merz - Offener Machtkampf um CDU-Vorsitz

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"Harter Tobak", "schlechter Verlierer": In der Union sind viele fassungslos über Friedrich Merz. Dessen Aussagen zum verschobenen CDU-Wahlparteitag spalten die Partei.

Die CDU verschiebt ihren Parteitag auf 2021. Vorsitz-Kandidat Friedrich Merz vermutet taktische Gründe.

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Es ist ein Frontalangriff auf Friedrich Merz und er kommt aus den eigenen Reihen. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt findet, die CDU müsse zu der Entscheidung stehen, den Parteitag coronabedingt zu verschieben. "Sonst erweckt man den Eindruck, es ginge um Persönliches", sagt Dobrindt. Das zielt eindeutig auf Merz, der im ZDF-Interview am Montagabend gesagt hatte, es gehe nicht um seine Person.

Auch in der CDU schauen sie verärgert auf Friedrich Merz. Von "Scharmützeln" spricht Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus. Und Merz' Vorwurf, der Parteitag werde verschoben, weil das CDU-Establishment ihn als Vorsitzenden verhindern wolle, kritisiert der CDU-Abgeordnete Matthias Hauer: "Das ist schon harter Tobak", sagt er ZDFheute. Man könne doch die Pandemie nicht ausblenden. "Eine Verschwörung zu unterstellen, ist eine völlige Verkennung der Situation", sagt er.

WhatsApp-Gruppen gegen Merz?

Wen genau er mit Establishment meint, sagt Merz im ZDF-Interview nicht. Und auch seinen zweiten Vorwurf konkretisiert er nicht: Angeblich gebe es längst CDU-Mitglieder, die Gesundheitsminister Jens Spahn zum neuen CDU-Chef machen wollten. Sie sollen sich in WhatsApp-Gruppen organisieren. "Wo Rauch ist, ist auch Feuer", sagt Merz etwas nebulös in der ARD.

Wer wird neuer CDU-Chef? Die Entscheidung lässt auf sich warten - der Parteitag wird wegen Corona verschoben. Kandidat Merz kritisiert im ZDF das Vorgehen der Parteispitze scharf.

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CDU-Mann Hauer, der CDU-Vorsitz-Kandidat Armin Laschet unterstützt, widerspricht. "Ich kenne keine WhatsApp-Gruppe gegen Friedrich Merz. Aber natürlich hat jeder Kandidat seine Unterstützer." Er sei sicher, dass es auch diverse Gruppen für Merz gebe. "Das wird’s bei allen Kandidaten geben und das ist auch legitim". Hauer weiter:

Eine konzertierte Aktion anzudeuten, ist völlig daneben und trifft auch nicht zu.
Matthias Hauer, CDU

Korte: Merz ist ein "schlechter Verlierer"

Offener Streit auf offener Bühne. Ein Machtkampf um den CDU-Vorsitz. Das schadet der Partei, sagen sie hinter vorgehaltener Hand in der CDU. Und Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte sagt ZDFheute: "Wenn man sich durchringt zu einer Entscheidung, muss man dabei auch bleiben und nicht nachkarten, das kommt nicht gut an bei Wählerinnen und Wählern."

Für Korte ist Merz' Ego das Problem. Den Vorsitz der CDU strebe er eigentlich nur an, um Kanzler zu werden. Zur Partei selber hege er "keine innere Liebe". Mehr noch: Merz benutze die CDU als Instrument. Sind Merz die Schäden, die der Machtkampf anrichtet, also egal? Zumindest wirke Merz wie ein schlechter Verlierer, sagt Korte. "Er kartet nach und findet sich nicht mit der einstimmigen Entscheidung ab."

Trotz allem: Von einem großen Schaden für die CDU geht Korte im Moment noch nicht aus. Der Streit sei parteiintern, die Frage nach dem CDU-Vorsitz nicht sonderlich wichtig für die meisten Menschen.

Expertin über CDU-Parteitag - Römmele: "Die CDU ist gespalten" 

Friedrich Merz kritisiert die Absage des CDU-Parteitags. Da reißen alte Wunden auf, die er noch aus der Merkel-Zeit hat, sagt Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele.

Was ein CDU-Abgeordneter Merz vorwirft

Eine Einschätzung, die CDU-Mann Hauer für etwas zu optimistisch hält. Er erinnert daran, dass Merz im Jahr 2019 die SPD kritisiert hatte, weil sie Personalfragen mit wechselseitigen Beschädigungen klärten. "Das war in der CDU bisher anders und das hat Friedrich Merz im vergangenen Jahr auch so gesagt. Was er jetzt macht, ist das Gegenteil von dem, was er damals zurecht angemahnt hat."

Und dann kritisiert er noch, dass Merz sich nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur CDU-Chefin "vom Acker gemacht" habe:

Merz hat es vorgezogen, meckernd vom Spielfeldrand aus zu kommentieren.
Matthias Hauer, CDU

Hauer weiter: "Wir brauchen einen Vorsitzenden, der die Partei zusammenhält und nicht spaltet. Mit wem möchte Merz nach solchen Rundumschlägen eigentlich zusammenarbeiten, wenn er tatsächlich gewählt würde?" Es klingt ein bisschen nach der Zerstörung der CDU.

Dem Autor auf Twitter folgen: @dominikrzepka

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