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CDU-Vorsitz - Merz, Laschet und Röttgen im Check

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Heute entscheidet sich, wer der neue CDU-Vorsitzende wird. Dabei geht es um nicht weniger als den Kern der Partei. Ein Überblick über die Kandidaten Röttgen, Merz und Laschet.

Auf ihrem Online-Parteitag nächste Woche will die CDU einen neuen Parteichef wählen. Dabei geht es nicht nur um die Person, sondern auch um die künftige Ausrichtung der Partei.

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Es ist nicht weniger als die Suche nach dem Kern der Partei, wenn die CDU an diesem Samstag einen neuen Parteivorsitzenden wählt. In welche Richtung soll es zukünftig gehen? Ein Überblick, wofür die drei Kandidaten stehen:

Armin Laschet

Regierungserfahrung bringt Laschet mit, die Leitung eines großen Landes und den Ausgleich zwischen unterschiedlichen Interessen, sagt er über sich selbst.

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Armin Laschet ist seit 2017 Ministerpräsident des größten deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Diese Regierungserfahrung qualifiziere ihn grundsätzlich auch für das Kanzleramt, antwortet Laschet regelmäßig in Interviews.

Und betont auch ungefragt gerne, dass er schon mal eine Wahl gewonnen habe - hilfreich für einen Parteivorsitzenden der CDU. Denn das hat Laschet seinen Mitbewerbern voraus. Zudem kann er als Ministerpräsident in der Corona-Krise auch zeigen, wie gut er regieren kann.

Schlechte Krisenkommunikation in der Corona-Pandemie

Laschets Bilanz ist da gar nicht so schlecht: Nordrhein-Westfalen ist gemessen an Infektionszahlen und Wirtschaftsdaten vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Aber die Stimmung ist anders, laut jüngsten Umfragen ist das Vertrauen in die von Laschet geführte Regierung sehr gering.

Die Krisenkommunikation des Ministerpräsidenten ist deutlich schlechter als sein Krisenmanagement. Der Eindruck von verrutschter Maske und fahrigen Talkshowauftritten überlagert Laschets Stärken: Als Mann der Mitte kann er gerade in Krisenzeiten Menschen einbinden.

Laschet vereinte die intrigenreiche NRW-CDU

Armin Laschets Trumpf ist sein Talent des Ausgleichs. Die intrigenreiche CDU Nordrhein-Westfalen hat er als Parteichef geeint, seinen Koalitionspartner FDP behandelt er so pfleglich, dass er trotz knapper Mehrheit weitgehend geräuschlos regieren kann.

Laschets Schwäche ist sein gelegentlich schlampiges Handwerk: Exemplarisch die Anekdote, als er 2014 als Lehrbeauftragter der Universität Aachen die Klausuren der Studierenden verbummelte und anschließend benotete - auch solche, die gar nicht mitgeschrieben hatten.

Europa und Integration sind Laschets Überzeugungen

Der Katholik Armin Laschet stammt aus Aachen und fühlt sich seiner Heimatstadt verbunden. Mehr Westen als Laschet geht nicht, Europa ist dem Mann aus dem Dreiländereck ein Herzensanliegen. Auch in Pandemiezeiten tritt er für offene Grenzen ein und stets für eine offene Gesellschaft.

Als junger Politiker im Bonn der 1980er-Jahre sucht der CDU-Mann Kontakt zu den Grünen, wird später erster Integrationsminister Deutschlands, bekommt den Spitznamen "Türken-Armin". Laschet steht zu seinen Überzeugungen, hat Angela Merkels (CDU) Flüchtlingspolitik immer unterstützt und überhaupt: Mit ihm dürfte Merkels Kurs der Mitte weiter gehen. Die Kanzlerin fand vergangenen Sommer dann auch lobende Worte für Laschet.

Ob er das Rennen um den Parteivorsitz macht, ist trotzdem offen. Zwar ist Armin Laschet tief verwurzelt in der CDU, hat dort viele Unterstützer und kaum Feinde, nur strahlt er weder Führungsstärke aus, noch ist er für begeisternde Parteitagsreden bekannt.

Friedrich Merz

Es ist seine zweite Kandidatur um den Chefposten in der CDU. Vor zwei Jahren hatte Friedrich Merz gegen Annegret Kramp-Karrenbauer knapp verloren.

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Friedrich Merz lieferte eine schonungslose Bestandsaufnahme der Regierungskoalition, als er im Februar 2020 seinen Hut in den Ring warf: Die Entscheidungen von CDU und SPD seien "eine Belastung für die junge Generation". Bei der Digitalisierung: "viel zu weit zurück." Die Energiepolitik: "nicht zukunftsfähig". Altersversorgung: "ein strukturelles Defizit."

Merz will einen "neuen Generationenvertrag" für Chancengleichheit

Der 65-jährige Jurist, der als wirtschaftsliberal und konservativ gilt, hat angekündigt, mehr in Bildung und Ausbildung investieren und vor allem die "Chancengerechtigkeit für junge Frauen" zu verbessern. Alle müssten am Wohlstand teilhaben können, mit ausreichender Altersversorgung für alle. Er nennt das einen "Neuen Generationenvertrag für Deutschland".

Nach Ansicht von Merz ist sogar der "innere Friede in unserem Land bedroht". Die CDU müsse dafür sorgen, dass die Menschen das Vertrauen in den Rechtsstaat zurückgewinnen. Illegale Einwanderung müsse besser kontrolliert werden. Der Sauerländer will so die Wählerstimmen zurückgewinnen, die die CDU an die AfD verloren hat. Aber auch dem Rechtsextremismus sagt Merz den Kampf an.

Merz will sich beim Thema Klima von den Grünen absetzen

Den Klimawandel sieht der Kandidat als "massives Problem" und will sich von den Grünen absetzen: "Wir müssen Ökologie und Ökonomie miteinander verbinden, das passt zusammen und das können wir." Sein Anspruch sei, "das Land fit zu machen für das 21. Jahrhundert." Außen- und Sicherheitspolitik sowie nationale Verteidigung sei dabei kein nationaler Alleingang, aber Deutschland müsse eine Führungsrolle übernehmen.

Friedrich Merz gibt sich selbstbewusst, schließlich habe er bei seinem Versuch, 2018 Parteivorsitzender zu werden, in der Stichwahl 48 Prozent der Stimmen bekommen. "Die Chancen sind jetzt sehr viel besser", sagt er. Die CDU habe die Wahl zwischen Kontinuität einerseits und Aufbruch und Erneuerung andererseits: "Ich stehe für Aufbruch und Erneuerung der CDU."

Norbert Röttgen

Norbert Röttgen verbindet seine Kandidatur mit einer Erneuerung der CDU: Digitaler, weiblicher, offener soll sie werden - all das habe die bisherige Führung versäumt.

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Norbert Röttgen war der Erste, der seine Kandidatur ankündigte, damals eine Überraschung für die gesamte CDU. Dabei hat der Jurist, der mit seiner Familie in der Nähe von Bonn lebt, viel politische Erfahrung, war schon mit 44 Bundesumweltminister.

Röttgen - das kleinere Übel als Merz oder Laschet?

Doch nach seiner Niederlage als CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2012 wurde er als Minister in Berlin entlassen und musste politisch von vorne anfangen. Heute ist er Vorsitzender im Auswärtigen Ausschuss.

Ein Außenseiter-Kandidat ist Röttgen inzwischen nicht mehr. Er hat die Zeit genutzt - seine Fan-Gemeinde ist gewachsen. Und so könnte er am 16. Januar der lachende Dritte sein. Heißt, die Delegierten könnten Röttgen wählen, weil sie weder von Laschet noch von Merz richtig überzeugt sind. Röttgen könnte, so Experten, als guter Mittelweg gelten. Zusätzlich bliebe mit ihm die K-Frage wohl erst einmal offen.

Röttgen will die CDU jünger, weiblicher und digitaler machen

Programmatisch unterscheiden sich die drei Kandidaten kaum. Röttgen wünscht sich die CDU nach eigenen Angaben jünger, digitaler und weiblicher. Zuletzt drängte er vehement auf eine ausgeprägte Wachstumspolitik nach der Pandemie. Vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen müssten entlastet werden, von Steuererleichterungen spricht er allerdings nicht.

Die Vorgänge um die Präsidentenwahl in den USA haben Norbert Röttgen sicherlich geholfen und ihm als Außenpolitiker mediale Aufmerksamkeit beschert. Und am Ende hat Röttgen noch ein großes Plus auf seiner Seite: Er ist vielleicht der Einzige im Kandidaten-Trio, der alles gewinnen kann und nichts zu verlieren hat.

Wer waren die bisherigen CDU-Bundesvorsitzenden? Eine Chronik:

Vorbereitungen zum Parteitag der CDU

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Röttgen, Merz, Laschet - wer wird der nächste CDU-Vorsitzende? So oder so, er tritt in große Fußstapfen. Die bisherigen Vorsitzenden im Überblick.

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