Russland: Verlegung von Truppen aus Teil der Region Charkiw

    Nach Druck durch Rückeroberungen:Region Charkiw: Russland verlegt Truppen

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    Unter dem Druck ukrainischer Gegenoffensiven verlegt Russland Truppen im Osten der Ukraine. Das sei aber noch nicht kriegsentscheidend, sagt Militärexperte Mölling ZDFheute.

    Unter dem Druck ukrainischer Gegenoffensiven hat Russland den Rückzug von Truppen im Osten der Ukraine bekanntgegeben. Soldaten sollten aus dem Gebiet Charkiw etwa aus der strategisch wichtigen Stadt Isjum abgezogen werden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, in Moskau.
    Auch aus der Stadt Balaklija, die die Ukrainer schon in der vergangenen Woche als befreit gemeldet hatten, sollen die russischen Truppen demnach abrücken. Die von Russland in Charkiw eingesetzte Militärverwaltung rief die Menschen auf, die Region zu verlassen.
    Karte: Isjum, Ukraine
    ZDFheute Infografik
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    Militärexperte: Russland weit entfernt von ursprünglichen Zielen

    Offiziell begründet wurde der Abzug damit, dass durch die Umgruppierung die Einheiten im angrenzenden Gebiet Donezk verstärkt werden sollen. Viele Militärexperten gehen jedoch davon aus, dass die Russen angesichts des massiven ukrainischen Vorstoßes im Charkiwer Gebiet so stark unter Druck geraten sind, dass sie sich zur Flucht entschieden haben.
    Der Vorstoß sei aus der Sicht der Ukraine positiv zu bewerten, so Militärexperte Christian Mölling, "aber es wird wahrscheinlich nicht so weitergehen." Ansonsten hätten die ukrainischen Soldaten "immer weniger Treibstoff und Munition, während sie auf den Feind zufahren." Für die Ukraine werde der Vorstoß immer schwieriger, je näher sie dem russischen Gebiet kommen, erklärt Mölling. Und für die russischen Soldaten würde die Versorgung immer besser werden.

    Verlangsamen ist das erste, was Russland versuchen wird. Und eine Haltelinie aufzubauen, die den weiteren Vormarsch der Ukraine stoppt. Die Russen werden alles daran setzen, sie zu stoppen.

    Christian Mölling, Militärexperte

    Es sei jedoch schwierig einzuschätzen, wie gut und wann das möglich ist, so der Militärexperte. Wie entscheidend der Vorstoß der Ukraine jetzt ist, sei noch nicht absehbar. "Das hängt davon ab, ob die Ukraine die Gewinne, die sie gerade machen, halten können." Russland sei aber weit entfernt von seinen ursprünglichen Zielen, die es immer noch verfolgt.

    Ausgerechnet da, wo sie am nächsten waren - auf dem Donbass -, verlieren sie Land.

    Christian Mölling, Militärexperte

    Ukraine berichtet über Rückeroberungen von Städten

    Früher am Samstag hatte die ukrainische Seite etwa über die Rückeroberung von Kupjansk berichtet. Die Kleinstadt ist wegen ihres direkten Bahnanschlusses an Russland als Verkehrsknotenpunkt wichtig für die Versorgung des gesamten russischen Truppenverbands um das südwestlich gelegene Isjum. Durch den Vorstoß der Ukrainer hätte dort nun mehr als 10.000 russischen Soldaten die Einkesselung gedroht.

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    Später berichtete der Militärgouverneur des ebenfalls ostukrainischen Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, die eigenen Truppen seien auch dort auf dem Vormarsch und bereits an den Stadtrand von Lyssytschansk vorgestoßen. Lyssytschansk war im Juli als letzte größere Stadt des Gebietes Luhansk von der russischen Armee erobert worden. Vor dem Ende Februar von Russland begonnenen Einmarsch in die Ukraine hatte die Industriestadt knapp 100.000 Einwohner.

    Britischer Geheimdienst: Ukraine hat Russland überrumpelt

    Auch mit Hilfe westlicher Waffen hat die ukrainische Armee im August mit einer groß angelegten Gegenoffensive begonnen. Im Charkiwer Gebiet wurden dadurch zuletzt Dutzende Dörfer und mehrere Städte von den russischen Besatzern befreit.
    Mit ihrer Gegenoffensive überrumpelten die ukrainischen Truppen im Nordosten des Landes nach britischen Informationen die russischen Kräfte. Die ukrainischen Speerspitzen seien auf enger Front bis zu 50 Kilometer weit in bisher russisch besetztes Gebiet vorgestoßen, teilte das Verteidigungsministerium am Morgen in London unter Berufung auf Geheimdienste mit. In dem Gebiet seien nur wenige russische Truppen versammelt gewesen, hieß es. "Die russischen Kräfte wurden offenbar überrascht."
    Es sei ungewöhnlich, dass Russland von der Ukraine überrascht wurde, so Militärexperte Mölling. "Eine schnelle Verlegung von ganz vielen Leuten geht nicht ohne, dass es beispielsweise Satellitenaufnahmen davon gibt", betont er.

    Das hat irgendjemand falsch eingeschätzt oder in der russischen Befehlskette gab es einen Fehler.

    Christian Mölling, Militärexperte

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    Quelle: dpa, AFP, ZDF
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