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Prozessauftakt in Paris - Terrorattacke auf "Charlie Hebdo" vor Gericht

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Vor gut fünfeinhalb Jahren erschütterte der Terroranschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" ganz Frankreich und löste weltweite Schockwellen aus. Nun hat der Prozess begonnen.

Heute beginnt in Paris ein Prozess gegen 14 mutmaßliche Unterstützer der Attentäter.

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Mehr als fünf Jahre nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" hat der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der Attentäter begonnen. Das Verfahren wurde am Mittwoch vor einem Pariser Schwurgericht unter hohen Sicherheitsvorkehrungen eröffnet. Angeklagt sind elf Verdächtige, ihnen drohen mehrjährige Haftstrafen bis hin zu lebenslanger Haft.

Zwei weitere Männer und eine Frau sind in Abwesenheit angeklagt, sie werden mit internationalem Haftbefehl gesucht. Nach Einschätzung von Geheimdiensten kamen diese Angeklagten aber vermutlich in Syrien oder im Irak ums Leben.

Waffen und Unterkunft für Attentäter besorgt

Es handelt sich um den bisher größten Prozess wegen der islamistischen Anschlagsserie mit insgesamt 258 Todesopfern in Frankreich. Alle 14 Angeklagte werden beschuldigt, Helfer der drei Attentäter vom Januar 2015 gewesen zu sein. Sie halfen bei der Vorbereitung der Angriffe, besorgten beispielsweise Waffen oder stellten eine Unterkunft zur Verfügung, wie der Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard dem Radionachrichtensender Franceinfo sagte.

Die Attentäter, die Brüder Chérif und Said Kouachi, wurden nach Tagen auf der Flucht erschossen. Der Islamist Amedy Coulibaly erschoss am Tag nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" eine Polizistin im Süden von Paris und tötete am Tag darauf vier Geiseln in einem koscheren Supermarkt im Osten der Hauptstadt, bevor er selbst bei der Erstürmung des Gebäudes erschossen wurde.

Fünf Jahre ist der "Charlie-Hebdo"-Anschlag her. Archivbild
"Je suis Charlie" - "Ich bin Charlie": Dieses Schlagwort ging nach dem Anschlag auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" im Januar 2015 um die Welt.
Quelle: Sara Houlison/epa/dpa

Nach den Attacken gingen Millionen Menschen überall in Frankreich auf die Straßen. In Paris gab es einem Marsch mit Staats- und Regierungschefs, angeführt von damaligen Staatspräsidenten François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Staatsanwalt: "Der Wahrheit nahe kommen"

Der für Anti-Terrorismus zuständige Staatsanwalt Jean-François Ricard erklärte, der Prozess habe zwei Ziele: "der Wahrheit nahe zu kommen" und die Überlebenden zu Wort kommen zu lassen. Der Prozess sollte bereits im Mai beginnen, wurde dann aber wegen der Corona-Pandemie verschoben. Er findet unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen statt.

90 Medien sind akkreditiert. Rund 200 Nebenkläger haben sich dem Verfahren angeschlossen, einige Überlebende werden vor Gericht aussagen. An manchen Tagen werden bis zu 500 Personen im Pariser Justizpalast erwartet. Der als historisch geltende Prozess wird für Archivzwecke in voller Länge gefilmt. Innenminister Gérald Darmanin nannte das Gerichtsverfahren, das bis zum 10. November dauern soll, historisch.

Der Zufall will es, dass er noch lebt: Am 7. Januar 2015 verschläft Luz die Redaktionssitzung bei "Charlie Hebdo". In einem intimen, lebendigen Porträt lässt er die Redaktion wieder aufleben.

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Zu den Anschlägen auf die Konzerthalle "Bataclan" und Restaurants im Pariser Osten vom Herbst 2015 - dabei starben 130 Menschen - wird es einen weiteren Prozess geben.

Macron verteidigt Recht auf Blasphemie

Das Satire-Magazin hat unterdessen seine früher veröffentlichte Mohammed-Karikaturen auf das Titelblatt der neuen Ausgabe gehoben - pünktlich zum Prozessauftakt. Kurz vor Beginn des Prozesses verteidigte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron das Recht auf Blasphemie in seinem Land. Das Recht auf blasphemische Äußerungen und Darstellungen sei in Frankreich durch die Gewissensfreiheit abgedeckt, sagte Macron am Dienstag.

Wir werden niemals ruhen. Wir werden niemals aufgeben.
Laurent Sourisseau, Reaktionsleiter von "Charlie Hebdo"

Die Mohammed-Karikaturen galten als Hintergrund der Attacke auf die Redaktion. Bei dem Anschlag waren zwölf Menschen gestorben, unter ihnen bekannte Zeichner wie Stéphane Charbonnier (Charb) oder Jean Cabut (Cabu).

Der Redaktionsleiter von "Charlie Hebdo", Laurent Sourisseau, schrieb in einer Sonderausgabe der Zeitung: "Ein Prozess reicht nicht aus." Er äußerte die Hoffnung, dass "in zehn, 20 Jahren freiere Geister zum Vorschein kommen als die unserer Zeit".

Archiv: Charlie Hebdo, erste Ausgabe nach dem Anschlag.

Charlie Hebdo: Fünf Jahre danach -
Angriff auf Satireblatt hinterließ Spuren
 

Bitterböse, antireligiöse Karikaturen waren das Markenzeichen von Charlie Hebdo. Der Anschlag von 2015 war Auftakt einer Reihe islamistischer Anschläge in Frankreich.

von Ulrike Koltermann, Paris
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