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Moskau will Cherson aufgeben : Russische Armee auf dem Rückzug?

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Die russische Flagge ist abgehängt, die abziehenden Truppen plündern die Stadt, Brücken wurden gesprengt - doch noch ist unklar, ob die Ankündigung des Rückzugs eine Finte ist.

Zieht sich die russische Armee tatsächlich aus Cherson zurück? „Alle Indizien weisen darauf hin“, sagt Sicherheitsexperte Christian Mölling.

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Am 9. November gab der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu bekannt, dass er den Rückzug der Streitkräfte aus Cherson hinter den Fluss Dnipro angeordnet hat. In seinem Bericht an Schoigu bezeichnete der Befehlshaber der russischen Streitkräfte in der Ukraine, General Sergej Surowikin, die Verteidigung des rechten Dnipro-Ufers als aussichtlos und forderte den Rückzug auf das linke Ufer.

Damit verliert Russland die Kontrolle über das einzige regionale Zentrum, das es seit Beginn der groß angelegten Invasion im Februar besetzt hält. Moskau ist gezwungen, Cherson nur wenige Wochen nach der erklärten Annexion dieser Region aufzugeben.

Russlands "PR-Maschinerie läuft auf Hochtouren", um der Bevölkerung den Rückzug der Armee aus Cherson "irgendwie besser verdaubar zu machen", so ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa.

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Vollständige Kontrolle Chersons gelang nicht

Alles in allem ist der Verlust von Cherson eine erhebliche Niederlage für Russland, sowohl militärisch als auch politisch. Abgesehen von den offensichtlichen Auswirkungen auf das Prestige der eigenen Streitkräfte würde dies auch bedeuten, dass Russland seinen einzigen Brückenkopf auf der Westseite des Dnipro verliert; somit wäre ein künftiger Bodenangriff auf die ukrainische Schwarzmeerküste in Richtung Mykolajiw-Odessa nicht mehr realistisch.

Ein weiterer Grund, warum Russland die Stadt aufgeben muss, ist, dass es der Besatzungsverwaltung nie gelungen ist, eine vollständige Kontrolle über die Bevölkerung zu erlangen; trotz aller Repressionen blieb der Widerstand stark.

Ukrainische Kriegsführung erfolgreich

Die russischen Stellungen im westlichen Teil der Region Cherson sind in den letzten Wochen immer schwächer geworden. Die systematischen Bemühungen der Ukraine, die russischen Nachschubwege zu zerstören und die logistischen Kanäle der russischen Streitkräfte durch den Einsatz von Präzisionsartillerie und Drohnenangriffen mit großer Reichweite zu unterbrechen, trug Früchte.

Die Versorgungslage der russischen Truppen westlich des Flusses ist allmählich kritisch geworden.

Vorbereitungen für Abzug und Evakuierung laufen bereits

Es gab bereits mehrere Anzeichen dafür, dass ein Rückzug vorbereitet wurde. Seit Mitte Oktober läuft die Evakuierung der Zivilbevölkerung an das Ostufer des Flusses Dnipro. Inwieweit es sich dabei um eine freiwillige Hilfe für die Zivilbevölkerung oder um eine faktische Deportation handelt, ist nicht ganz klar; es gibt jedoch keine Nachrichten über übermäßige Gewaltanwendung gegen die Teile Zivilbevölkerung, die nicht gehen wollen.

Auch die Besatzungsverwaltung wurde evakuiert. Zuletzt wurde die russische Flagge an öffentlichen Gebäuden in Cherson abgenommen. Ein weiteres Indiz für einen Rückzug ist, dass russische Soldaten begonnen haben, die Stadt massiv und systematisch zu plündern. Sie nehmen Autos, Traktoren und Haushaltsgeräte mit. Sogar die Gebeine von Fürst Grigorij Potemkin (dem Geliebten und Treuhänder von Katharina der Großen) wurden aus der Kathedrale der Stadt weggebracht.

Es fallen noch Bomben und Dörfer werden weiter vernichtet. Die Ukraine glaubt erst den russischen Rückzug, wenn in Cherson wieder die ukrainische Fahne weht.

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Vize-Verwaltungschef tot

Am 9. November wurde bekannt, dass der stellvertretende Leiter der Besatzungsverwaltung, Kirill Stremousov, bei einem Autounfall ums Leben kam. Berichten zufolge überlebte sein Fahrer. Stremousov war ein eifriger Befürworter der Kreml-Agenda, einschließlich der russischen Annexion der Region.

Daher könnte sein plötzlicher Tod auch als Warnung an alle anderen russischen Separatistenführer interpretiert werden, was sie erwartet, wenn es ihnen nicht gelingt, ihre eigenen Regionen zu stabilisieren.

Deckung für den Rückzug

Parallel zu den Abzugsvorbereitungen baut Russland bereits seit einiger Zeit Befestigungen am Ostufer des Dnipro. Mit dem angekündigten Rückzug werden diese Befestigungen nun zur Deckung des Rückzugs über den Fluss genutzt, um die Ukraine an einer unmittelbaren Verfolgung zu hindern.

Außerdem deutet der Bau von Befestigungen am Ostufer darauf hin, dass Russland wahrscheinlich nicht vorhat, den Nowa-Kachowka-Damm zu sprengen, da die anschließende Flut auch die neu errichteten Befestigungen entlang des Flusses wegspülen würde.

Artillerie beschießt Artillerie - die ukrainische Armee versucht, russische Gefechtsstellungen zu zerstören. Die ukrainische Gegenoffensive schreitet jedoch nur langsam voran.

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Wichtige Brücken gesprengt - Straßenverbindungen gekappt

Es gab Befürchtungen, dass Russland die Informationen über seinen Rückzug aus Cherson als Köder benutzen könnte, um die ukrainischen Streitkräfte in einen groß angelegten Hinterhalt in die Stadt zu locken. Am Morgen des 9. November tauchte jedoch Bildmaterial auf, aus dem hervorging, dass die russischen Streitkräfte mindestens vier Brücken in der Region Cherson gesprengt haben.

Mit der Zerstörung der Dariwski-Brücke wurde die wichtigste Straßenverbindung zwischen der Stadt Cherson und den nordöstlichen Teilen der besetzten Region westlich des Dnipro unterbrochen. Von nun an können die russischen Truppen nicht mehr schnell von Cherson in Richtung Kozatske - Beryslav vorrücken. Dieses Vorgehen deutet darauf hin, dass Moskau nicht mehr beabsichtigt, andere Teile der Region Cherson westlich des Dnipro zu verteidigen, außer vielleicht die Regionalhauptstadt.

Russland hat den Rückzug seiner militärischen Truppen aus Teilen von Cherson angeordnet. ZDF-Korrespondent Dara Hassanzadeh berichtet aus Krywyj Rih, Phoebe Gaa aus Moskau.

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Möglichkeit einer Falle noch nicht vollständig ausgeschlossen

Es ist im Moment nicht klar, ob Russland noch versuchen wird, die Stadt Cherson zu halten und dabei die völlige Vernichtung seiner für diese Aufgabe vorgesehenen Kräfte riskiert, oder sich sämtliche Truppen aus der Stadt zurückziehen werden. Während die Möglichkeit einer Falle noch nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, steht bereits fest, dass nach der Zerstörung der erwähnten Brücken die anderen Teile der Region westlich des Dnipro für Russland unangreifbar geworden sind.

Sollte sich Russland tatsächlich aus Cherson zurückziehen, würde dies bedeuten, dass nicht etwa der angekündigte Rückzug eine Täuschung war, sondern dass das gezielte Streuen von Gerüchten über eine mögliche Falle dazu diente, den russischen Rückzug zu decken.

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