Intensive Kämpfe in der Ukraine, aber keine Geländegewinne

    Kettenpanzer und Waffen fehlen:Intensive Kämpfe - aber keine Geländegewinne

    von Christian Mölling und András Rácz
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    Es wird intensiv gekämpft, aber wenig erreicht in der Ukraine: Fehlende Waffen, Kettenpanzer, Soldaten und das Wetter lassen beide Seiten kaum Erfolge verbuchen.

    Beschädigte Russische Panzer sind am 30.10. 2022, in der Nähe des kürzlich zurückeroberten Dorfes Kamjanka, Region Charkiw, Ukraine, zu sehen.
    Hohe Mobilität ist eigentlich eine Stärke der ukrainischen Truppen. Doch ohne Kettenfahrzeuge geht im Herbstmatsch gar nichts.
    Quelle: AP

    Die Wetterbedingungen an den Fronten in der Ukraine sind schwierig. Regen und Nebel behinderten im Laufe der vergangenen Woche die Operationen am Boden und in der Luft. Der ukrainischen Armee fehlt es an Kettenfahrzeugen, vor allem an Kampfpanzern und Schützenpanzern. So könnten sie auf einem Untergrund, der zunehmend matschig wird, weiterhin ihre Stärke ausspielen: hohe Mobilität.

    Die zähe Rückeroberung von Cherson

    Russland hat derweil immer größere Probleme, seine Stellungen am Westufer des Dnipro in der Region Cherson zu halten. Am 2. November verlegte Moskau seine Besatzungsverwaltung von Cherson an das Ostufer des Dnipro, Berichten zufolge in die Stadt Hennitschewsk. Am Freitag ordnete Putin die Evakuierung der Zivilbevölkerung von Cherson an.
    Es ist noch unklar, ob und wie lange der Kreml einen Straßenkampf um Cherson führen will. Es ist fraglich, ob Russland über eine ausreichende Anzahl gut ausgebildeter, ausgerüsteter und motivierter (!) Truppen verfügt, die in der Lage sind, die Stadt längerfristig zu verteidigen. Dies gilt insbesondere deshalb, weil es höchst unwahrscheinlich ist, dass Russland in der Lage wäre, die Kommunikations- und Logistikkanäle in die Stadt aufrechtzuerhalten, sobald die Ukraine mit der Belagerung von Cherson beginnt.



    Mit anderen Worten: Wenn Russland beschließt, Truppen für die Verteidigung in Cherson zu stationieren, werden diese höchstwahrscheinlich am Ende der Kämpfe vernichtet sein, da es keine funktionierende Rückzugsroute gibt.
    Stromausfall in Kiew. Aufgenommen am 3.11.2022
    Etwa 40 Prozent der ukrainischen Energieinfrastruktur sollen beschädigt worden sein. Stromausfälle zum Beispiel in Kiew sind die Folge.
    Quelle: epa

    Angriffe auf Energieinfrastruktur setzen Ukraine zu

    Russland setzte seine konzentrierten Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine fort. Obwohl die ukrainische Luftabwehr die meisten der von Iran hergestellten Selbstmorddrohnen sehr effizient abschießt, richten die Drohnen, die das Sperrfeuer überstehen, in Kombination mit Marschflugkörpern weiterhin schwere Schäden an der kritischen zivilen Infrastruktur der Ukraine an.
    Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj sind inzwischen etwa 40 Prozent der ukrainischen Energieinfrastruktur beschädigt worden. Die Reparaturarbeiten sind mühsam und werden durch den Mangel an geschultem Personal und an Ersatzteilen behindert.
    Trotz der von mehr als zwölf Ländern angebotenen Hilfe sind Stromausfälle und regelmäßige Unterbrechungen der Heizungs- und Wasserversorgung in vielen ukrainischen Städten, darunter auch in der Hauptstadt Kiew, zur täglichen Realität geworden.

    Reservisten für die Front, Rekruten für die Logistik

    Am 31. Oktober beendete Russland offiziell die am 21. September angekündigte Teilmobilisierung. Es gibt jedoch vereinzelte Informationen, dass die Mobilisierung in den Regionen, die die für sie festgelegte Rekrutierungsquote noch nicht erfüllt haben, weitergeht.



    Gleichzeitig hat Russland mit dem jährlichen Herbstzyklus der Wehrpflicht begonnen. In diesem Herbst werden etwa 120.000 junge Männer in die russische Armee einberufen, um ein Jahr lang als Wehrpflichtige zu dienen. Ihre Grundausbildung dauert in der Regel sechs Monate, was bedeutet, dass die Wehrpflichtigen frühestens Mitte des Frühjahrs in den Kampf eingreifen können.

    Wehrpflichtige an die Front?

    Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass Moskau Wehrpflichtige an die Front in der Ukraine entsenden wird, da dies für die russische Bevölkerung ein politisch äußerst heikles Thema wäre. Stattdessen ist es wahrscheinlicher, dass sich Russland weiterhin in erster Linie auf die mobilisierten Männer für den Dienst an der Front und die Besetzung ukrainischer Gebiete stützen wird.
    Die Wehrpflichtigen könnten, sobald sie ausgebildet sind, logistische Hilfsaufgaben in Russland übernehmen und so die Kriegsanstrengungen aktiv unterstützen, allerdings aus einer vergleichsweise sicheren Entfernung.

    Russland muss immer mehr Munition im Ausland besorgen

    Am 2. November veröffentlichten die USA Informationen, wonach Russland über Drittländer heimlich Artilleriemunition aus Nordkorea importiert hat. Abhängig von der Nachhaltigkeit dieser Kanäle und der Menge der importierten Munition könnten die nordkoreanischen Bestände die Fähigkeit Russlands, den intensiven Einsatz seiner Artillerie an der Front aufrechtzuerhalten, um einige Monate verlängern.
    Russland verschifft weiterhin Munition und schwere Waffen aus Belarus, um sie an der Front einzusetzen. Parallel dazu führen sowohl Minsk als auch Moskau intensive Desinformationskampagnen durch, um die Ukraine von der Gefahr einer belarussischen Offensive zu überzeugen.
    Das eigentliche Ziel besteht jedoch darin, die Ukraine dazu zu bringen, bedeutende Streitkräfte an ihrer Nordgrenze zu halten, um Kiew daran zu hindern, diese Streitkräfte auf dem Schlachtfeld einzusetzen.
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