ZDFheute

Chiles brennende Kirchen

Sie sind hier:

Verfassungsreferendum - Chiles brennende Kirchen

Datum:

Nach einem Jahr der Massenproteste in Chile findet am Sonntag ein Verfassungsreferendum statt. Zuletzt kam es am Rande der Demos zu Gewaltausbrüchen.

Demonstrationen in Chile werden von Gewalt begleitet
In der chilenischen Hauptstadt Santiago wurden im Zuge der Proteste zwei Kirchen in Brand gesteckt.
Quelle: Reuters

Vor gut einem Jahr brachen in Chile die ersten großen Proteste aus. Entzündet hatten sie sich zunächst an einer Fahrpreiserhöhung für die Metro. Doch dann schlossen sich immer mehr Menschen den Demonstrationen an und forderten grundsätzliche Reformen in der Anden-Nation.

Am Sonntag wurde trotz noch nicht überwundener Corona-Pandemie an den Jahrestag der ersten Proteste erinnert. Die überwiegend friedliche Demonstration endete allerdings im Chaos. Dabei wurden auch zwei katholische Kirchen niedergebrannt, eine davon ist eine Polizeikirche. Zudem kam bei einer Schießerei zwischen Demonstranten und Polizisten ein Mensch ums Leben.

Polizei in der Kritik

In der Kritik steht die chilenische Polizei, die in den vergangenen Monaten immer wieder mit teilweise brutaler Gewalt gegen die Demonstranten vorging. Erst vor wenigen Tagen forderte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Ermittlungen gegen die Polizeispitze, weil hunderte Menschen unter anderem schwere Augenverletzungen davontrugen.

Chilenische Demonstranten schwingen mit Fahnen
Ursprünglich protestieren die Menschen gegen eine Fahrpreiserhöhung für die Metro, doch danach schlossen sich immer mehr Menschen den Demonstrationen an und forderten grundsätzliche Reformen. (Foto: 07.12.2019)
Quelle: epa

Amerika-Direktorin Erika Guevara-Rosas von Amnesty International sagte: "Die Personen, die das strategische Kommando der nationalen Polizei innehatten, erlaubten Folter und Misshandlung gegen Demonstranten, weil sie diese Praktiken als notwendiges Übel erachteten, um die Menschenmenge um jeden Preis auseinanderzutreiben."

Gewaltbereite Demonstrierende

Ein kleiner Teil der Protestbewegung gilt als gewaltbereit und attackiert Symbole der bislang tonangebenden Eliten wie Polizei, die Kirche oder öffentliche Gebäude. 

So ist auch die katholische Kirche zur Zielscheibe eines Teils der Demonstrationen geworden, weil sie sich gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche ausspricht. Dies ist eine Kernforderung des feministischen Teils der Protestbewegung. Zudem wurde die Kirche zuletzt von einem massiven Missbrauchsskandal erschüttert. Die neue Kirchenführung hat sich inzwischen hinter die Forderung eines Verfassungsreferendums gestellt.

Bekommt Chile eine neue Verfassung?

Die monatelangen Proteste in Chile führten schließlich dazu, dass am kommenden Sonntag darüber abgestimmt werden soll, ob das südamerikanische Land eine neue Verfassung bekommt. Die aktuelle umstrittene stammt noch aus der Zeit der brutalen rechten Militärdiktatur von General Augusto Pinochet (1973 -1990). 

Sie wurde und wird bis heute von den Sicherheitskräften unter anderem dafür als rechtliche Grundlage verwendet, um hart gegen demonstrierende Ureinwohner, die Mapuche ("Menschen der Erde"), aber auch gegen Regierungsgegner vorzugehen. Laut Umfragen gilt es als sicher, dass sich eine Mehrzahl der Chilenen für die Ausarbeitung einer neuen Verfassung ausspricht.

Rechte der Ureinwohner

Es geht allerdings um viel mehr als nur um neue Regeln für die Polizei. In Chile entscheidet sich auch eine ganz andere Frage, die auf die Region ausstrahlen wird. Geklärt werden soll und muss auch, welche Rechte die Ureinwohner haben und wie diese in einer neuen Verfassung verankert werden.

Teilnehmer des Marsches "black and brown unity" in Los Angeles, Kalifornien

Tag der indigenen Völker -
Indigene und der tägliche Kampf ums Überleben
 

Indigene Völker werden unentwegt in ihrer Existenz bedroht, zumeist von wirtschaftlichen Interessen. Sehr deutlich wird das in Amerika - nicht nur wegen der Abholzung in Brasilien.

von Tobias Käufer

Sowohl in Chile als auch in Argentinien sind die Mapuche nicht mehr bereit, sich vom Staat mit Versprechungen hinhalten zu lassen und agieren zunehmend offensiver mit Landbesetzungen oder auch gewalttätigem Widerstand wie dem Niederbrennen von Lkws. Sie wollen sich in autonomen Regionen selbst verwalten. 

Schätzungen zufolge gibt es noch rund 600.000 Mapuche im Süden Chiles. Im Alltag sind die Ureinwohner Diskriminierung und Vorurteilen ausgesetzt. Die Pinochet-Diktatur leugnete das Vorhandensein einer ethnischen Minderheit. Die Mapuche leben traditionell nicht hierarchisch und in Einklang mit der Natur. Chile steht also ein spannender Reformprozess bevor.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.