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Drei Wochen Quarantäne in China - Oder einfach mal die Zelle wechseln

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Wenige Meter bis zu meinem Zimmer. Drei Wochen Quarantäne, eingesperrt in einem chinesischen Luxushotel im Namen der Virusbekämpfung. Chinas Botschaft: Die Gefahr kommt von außen.

China: Quarantäne im Luxushotel
China: Quarantäne im Luxushotel
Quelle: ZDF/Ulf Röller

Der Mann vom Gesundheitsteam vor mir sieht aus, als arbeite er auf einer Ebola-Station: Weißer Schutzanzug, Maske, Taucherbrille, darüber Plastikvisier, die Hände in Chirurgenhandschuhen. Er ist sehr freundlich und weist mir den Weg zu meinem Zimmer, Nummer 31716. Er öffnet die Tür.

Das ist also mein neues Reich im Reich der Mitte: Bad, separates Klo, Balkon mit Seeblick. Luxus. 21 Tage darf ich nicht raus, bis zum 2. Oktober 2021. Das Essen wird dreimal täglich vor die Tür gestellt, bis zu fünf Dosen Bier kann jede Person täglich bestellen. Die Chinesen haben sich auf ihre Deutschen eingestellt.

Die Corona-Maßnahmen - ein staatliches Schauspiel

Dann winkt der Mann im Mondanzug noch zum Abschied, lässt die Tür ins Schloss fallen. Ich denke:

Ich bin doch zweifach mit Biontech geimpft, bin mehrfach vor der Einreise getestet worden, PCR-Test, Rachen-Test, Antikörpertest. Sonst hätten mir die Chinesen den Eintritt verwehrt. Also entspannt euch mal. Ich bin doch gesund. Unschuldig.

China ist stolz auf seine Corona-Bekämpfungsstrategie. Und die basiert auf zwei Glaubenssätzen: Wir haben das Virus im Griff und die Gefahr kommt von außen. Die Ausländer haben sich diesen Glaubenssätzen unterzuordnen, sie sind Teil eines staatlichen Schauspiels.

Chinas Glaubenssatz: Die Gefahr kommt von außen

China: Quarantäne im Luxushotel
Unser Korrespondent Ulf Röller in seiner Luxus-Quarantäne.
Quelle: ZDF/Ulf Röller

Das wird mir bereits bei der Ankunft am Flughafen schnell klar. Vor allem eine Teststation bleibt mir im Gedächtnis. Sie ist so groß wie eine Passfoto-Kabine.

Kaum betritt man sie, wird man abgesprüht. Das Desinfektionsmittel trieft von den Plastikwänden. PCR-Test. Rachen-Test auch. Dann Kontrolle der Papiere. Der Reisepass versinkt in der Desinfektionsflüssigkeit und ich fürchte, dass mein chinesisches Visum aufgeweicht wird.

Dann endlich der Ausgang. Frische Luft. Doch es kommen gleich drei weitere Mondmenschen auf einen zu, fordern einen auf, sofort in den Bus einzusteigen. Sie sprühen das Gepäck ab. Beim Betreten fällt mir erst auf, dass die Chinesen einen Teil des Flughafens für uns abgesperrt haben. Wir sollen niemandem zu nahekommen. Die Gefahr kommt von außen. Die Sitze des Busses sind komplett mit Plastik überzogen. Es knirscht, als ich mich hinsetze.

Corona hat China im Griff

Vielleicht macht der Glaubenssatz anders vielmehr Sinn. Das Virus hat China im Griff. Die Angst vor dem nächsten Ausbruch lässt die Führung wohl nicht ruhig schlafen. Von der Wirksamkeit des chinesischen Impfstoffes schwärmt vor allem die Propagandaabteilung. Viele Experten sind da nicht so hymnisch. 

Infektionsraten wie in Deutschland kann sich die kommunistische Partei nicht leisten, dafür ist das Gesundheitssystem nicht ausgerichtet. Als in Wuhan der Ausbruch begann, schauten die Machthaber in den Abgrund. So etwas darf sich nicht wiederholen. China trommelt sich zwar lautstark wegen seiner Corona-Politik auf die Brust, aber oft wirkt das eher wie unsicheres Pfeifen im dunklen Wald.

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Er spricht von einem gemeinsamen Wohlstand, denn die Schere im Land zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Viele Wohlhabende, viele mächtige Firmen fangen deshalb an zu spenden, um ihr sozialistisches Gewissen öffentlich zu demonstrieren und so Bestrafung zu entgehen.

Die zweite Kulturrevolution hat begonnen

Xi verbietet Boy-Bands, weil sie verweichlicht wirken. Er huldigt einem sozialistischen Männlichkeitsbild, von Stärke, Härte und tiefer Loyalität zur kommunistischen Partei. Er feuert den Nationalismus an und bereitet sein Land auf den großen Konflikt mit Amerika vor. Die Gefahr kommt von außen, dieser Glaubenssatz gilt nicht nur für das Virus, China fühlt sich bedroht und ist unsicher.

In meinem Hotelzimmer stehe ich auf dem Balkon, schaue aufs Meer und beobachte die Möwen. Draußen tobt eine zweite Kulturrevolution. In meiner Welt gibt es dreimal warm zu essen. Der Service ist gut. Noch elf Tage Quarantäne, dann kann ich gehen. Aber vielleicht wechsle ich auch nur die Zelle.

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