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Kommentar

China: Peng Shuais gibt es viele : Wegschauen darf nicht olympisch werden

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Wer sich um die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai sorgt, sollte auch laut über die Sinnhaftigkeit der Olympischen Winterspiele in Peking nachdenken.

Peng Shuai
Verschwand, nachdem sie einen Spitzenpolitiker des sexuellen Übergriffs beschuldigt hatte: Tennisspielerin Peng Shuai
Quelle: ap

Verstörende Schicksale wie das von Peng Shuai gibt es so unendlich viele in diesem Land. Menschen, die Chinas Machthaber missbrauchen. Die Weltöffentlichkeit übersieht sie oft. Denn sie haben nie eine Weltrangliste angeführt.

Menschen wie zum Beispiel Bürgerrechtsanwalt Yang Xie: Seine Lebensaufgabe ist es, die Schwachen und Mutigen zu verteidigen, die es wagen, die Mächtigen in China zu kritisieren. Er saß dafür monatelang im Gefängnis, seine Familie floh nach Amerika. Er hat sie seit 2015 nicht mehr gesehen. Er lässt sich dennoch nicht einschüchtern.

Verschwunden: Die Tennisspielerin Peng Shuai. Sie hatte einen ranghohen Parteifunktionär des sexuellen Übergriffs beschuldigt. Nicht nur die Tenniswelt fordert Aufklärung.

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Videos, die der Führung missfielen

Sein letzter Fall: Er kämpft für Zhang Zhan. Die Frau fuhr damals nach Wuhan, zeigte den Ausbruch des Virus und das Leid der Bürger. Der offiziellen Propaganda missfiel das sehr, weil Zhang Zhans Videos das Märchen von Chinas erfolgreicher Corona-Politik trübte. Sie wurde verhaftet und zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Sie befindet sich im Hungerstreik, um gegen ihr Unrecht zu protestieren. Sie könne kaum noch den Kopf heben, erzählt uns Anwalt Yang Xie und fordert die freie Welt auf, hinzuschauen:

Wir müssen enthüllen, was passiert. Lassen Sie die Außenwelt wissen, wie die Lage in China ist.
Anwalt Yang Xie

Braucht es einen guten Topspin, damit die Welt hinschaut?

Diktaturen leben vom Wegschauen. Das Schicksal von Peng Shuai hilft, dies zu ändern. Die Mahnungen nach Aufklärung bringt China unter Zugzwang. Das ist gut und wichtig. Aber sie zeigen auch das Problem. "Wir dürfen nicht schweigen", schreibt Tennis-Superstar Serena Williams. Aber das tun wir die meiste Zeit.

"Wir sind bereit, all unsere Aktivitäten in China zu beenden, mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt,“ sagt der Chef der Spielerinnen-Organisation WTA, Steve Simon. Er droht, ATP-Turniere nicht mehr in China zu veranstalten, falls der Verbleib von Peng Shuai nicht geklärt wird. Aber warum nur dann? Ist das Schicksal von Zhang Zhan und der vielen anderen nicht schon Grund genug? Ist Moral teilbar? Muss man einen guten Vorhand-Topspin spielen, damit die Welt hinschaut?

Mit einer „historischen Resolution“ hat die Kommunistische Partei in China den Weg für eine dritte – vielleicht lebenslange - Amtszeit von Präsident Xi geebnet.

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Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

Natürlich fühlt sich die WTA in erster Linie für Tennisspielerinnen verantwortlich. Aber gibt es nicht rote Linien, die China überschritten hat? Die Arbeitslager in Xinjiang, die Zwangssterilisierung von uigurischen Frauen, das Plattmachen der Freiheitsbewegung in Hongkong, das kriegerische Drohen gegen Taiwan. Wann sagen wir, der sogenannte freie Westen, genug ist genug? Auch wenn wir dafür einen wirtschaftlichen Preis bezahlen müssen.

Das alles führt zum wichtigsten Punkt: Die Olympischen Winterspiele, die im Februar in Peking beginnen. Wer sich um Peng Shuai sorgt - und es gibt viele gute Gründe, sich große Sorgen zu machen - , der muss wohl noch einmal laut über die Sinnhaftigkeit dieser Spiele nachdenken. Denn sie funktionieren ganz stark nach dem Prinzip der drei Affen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Meister im Wegschauen

Dieses Prinzip hat das Internationale Olympische Komitee verinnerlicht und sein Präsident Thomas Bach ist ein Meister darin. Anders ist sein Schweigen zu Peng Shuais Schicksal nicht zu verstehen. Bach redet gerne über die olympischen Ideale der Menschlichkeit, er spricht darüber, dass die Athleten zur olympischen Familie gehören. Aber das wirkt hohl, weil er es nicht wagt, die chinesische Regierung kritisch zu fragen, was mit der Olympia-Teilnehmerin Peng Shuai passiert ist.

Bach ist ein Vasall des chinesischen Präsidenten Xi. Der mächtige Mann in Peking bekommt seine Spiele und kann die Überlegenheit des chinesischen Systems der Welt vorführen, Bach bekommt viel Geld und schaut dafür weg. Nicht zum ersten Mal lässt sich das IOC von einer Diktatur missbrauchen.

Was daraus folgt, wird jetzt verhandelt. Wer sich aber ernsthaft um Peng Shuai sorgt, wer Zhang Zhan und Anwalt Yang Xie nicht vergessen will, der darf Wegschauen nicht zur olympischen Disziplin werden lassen.  

Noch 100 Tage bis zum Beginn der Winterspiele in Peking. Während sich China und das IOC schon feiern, ist die (Olympia-) Realität eine andere.

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