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Satellitenbilder: Hunderte Uiguren-Lager

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Australische Denkfabrik warnt - Satellitenbilder: Hunderte Uiguren-Lager

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China hat einer Studie zufolge seit 2017 mehr als 380 Internierungslager für Angehörige muslimischer Minderheiten in der westlichen Provinz Xinjiang errichten lassen.

Satellitenbild der Uiguren-Lager in China
Satellitenbilder zeigen Uiguren-Lager in China, sagt die australische Denkfabrik ASPI. Produktionsstätten und Wohngebäude seien zu sehen, sagt Peking.
Quelle: aspi.org.au

China scheint weitere geheime Haftanlagen in der abgelegenen Region Xinjiang im Nordwesten des Landes zu bauen. Eine australische Denkfabrik für Verteidigung und strategische Politik hat Satellitenaufnahmen und offizielle Dokumente zu Bauausschreibungen ausgewertet. Dabei entdeckte sie mehr als 380 mutmaßliche Hafteinrichtungen in der Region, in der überwiegend Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren leben.

Forscher sieht Uiguren in Zwangsarbeit

Das Australian Strategic Policy Institute wies in seiner Publikation vom Donnerstagabend auf Internierungslager, Haftlager und Gefängnisse hin, die seit 2017 errichtet oder ausgebaut worden seien. "Die verfügbaren Beweise deuten darauf hin, dass viele außergerichtliche Gefangene in Xinjiangs riesigem "Umerziehungs"-Netzwerk nun formell angeklagt und in Einrichtungen mit höherer Sicherheit (...) eingesperrt oder in ummauerte Fabrikgelände geschickt werden, um dort Zwangsarbeit zu verrichten", schrieb der Forscher Nathan Ruser.

Infokarte: Uigurengebiet in der Region Xinjiang in China
Infokarte: Uigurengebiet in der Region Xinjiang in China
Quelle: ZDF

Mindestens 61 Hafteinrichtungen seien innerhalb eines Jahres bis Juni 2020 neu gebaut oder erweitert worden, hieß es in dem Bericht. Die überwiegend muslimischen Minderheiten in der Region Xinjiang werden im Rahmen einer Assimilierungskampagne der Regierung in Lager gesperrt. Das Vorgehen begann als Reaktion auf den jahrzehntelangen, manchmal gewaltsamen Kampf gegen die chinesische Herrschaft.

China: Kostenlose Internate

Beamte beschreiben die Lager als "internatsähnliche" Einrichtungen, die eine kostenlose Berufsausbildung bieten sollen. Ehemalige Häftlinge sagen jedoch, sie seien brutalen Bedingungen, politischer Indoktrinierung, Schlägen und manchmal auch psychischer und physischer Folter ausgesetzt gewesen.

Uiguren wurden Recherchen der Nachrichtenagentur AP zufolge auch zu Abtreibungen und Sterilisierungen gezwungen. In Xinjiang sind nach Schätzungen von Menschenrechtlern etwa eine Million Angehörige muslimischer Minderheiten inhaftiert.

Peking spricht von Terrorismus

Die Regierung in Peking wirft uigurischen Gruppen Separatismus und Terrorismus vor. Kritiker sprechen von Umerziehungslagern, in denen Uiguren mit teils brutalen Mitteln auf die Linie der kommunistischen Partei gebracht werden sollen.

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums bezeichnete den Bericht des Australian Strategic Policy Institute als "reine Desinformation und Verleumdung". China betreibe in Xinjiang keine "sogenannten Internierungslager". Medienberichten und den Angaben von Internetnutzern zufolge sei eine der in dem Bericht identifizierten Stätten eine Einrichtung für die Produktion von Elektronikartikeln und eine andere ein Wohnkomplex.

Junge Männern der Volksgruppe der Uiguren an der Seidenstraße, China

Fragen und Antworten -
Wer sind die Uiguren?
 

Die "China Cables" haben die Verfolgung und Internierung von Uiguren enthüllt. Wer sind die Uiguren, wo leben sie und worin besteht ihr Konflikt mit der chinesischen Regierung?

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