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Interview

"Klimazug" zu Weltklimakonferenz - "Wir müssen auch beim Reisen neu denken"

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Ein "Klimazug" fährt nach Glasgow: Mit an Bord ist Lukas Kiefer, der von der UN-Klimakonferenz starke Zeichen für mehr "nachhaltige Mobilität" fordert.

Lukas Kiefer
Lukas Kiefer fährt im Klimazug zur UN-Konferenz COP 26 nach Glasgow.
Quelle: privat

ZDFheute: Die meisten der 25.000 Teilnehmer der Weltklimakonferenz (COP 26) reisen mit Flugzeugen nach Glasgow, um dort zu beraten, wie die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden kann. Sie und viele andere vor allem junge Menschen haben sich dagegen für einen "Klimazug" entschieden. Welches Zeichen wollen Sie damit setzen?

Lukas Kiefer: Wir haben die Kampagne "Rail to the COP" vor zwei Jahren gestartet, um vor allem die Delegationen aus europäischen Ländern aufzufordern, mit dem Zug zur Weltklimakonferenz zu reisen, weil Flüge innerhalb Europas nicht sein müssen. Kurzstreckenflüge sind mit Blick auf das Klima die schlimmste Art des Reisens. Auf der zehnstündigen Zugfahrt von Amsterdam nach Glasgow wollen wir Leute zusammenbringen, die normalerweise nicht zusammenkommen.

Kurz vor dem Klimagipfel zieht die Weltwetterorganisation WMO eine ernüchternde Bilanz: Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre hat trotz Pandemie einen neuen Rekordwert erreicht.

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ZDFheute: Sie reisen gemeinsam mit 500 weiteren Menschen. Was soll da im Zug geschehen?

Kiefer: Mit dabei sind Klimaaktivist*innen, Vertreter*innen von NGOs und der Zugindustrie, Wissenschaftler*innen sowie Politiker*innen aus einigen Delegationen der Konferenz. Es geht uns darum, gemeinsam konkrete Forderungen zu stellen für eine faire und nachhaltige Mobilität.

Wir brauchen bessere Zugverbindungen innerhalb Europas als emissionsarme Alternative zur Luftfahrt, die die klimaschädlichste Form der Mobilität ist. Wir wollen erreichen, dass Kurzstreckenflüge durch sinnvolle Zugfahren ersetzt werden und auch der Rest der Luftfahrt drastisch reduziert wird.

ZDFheute: Viele Menschen sehen das heute ganz anders - Flugreisen erfreuen sich nach der Corona-Flaute derzeit wieder großer Beliebtheit. Was geht da in Ihnen vor?

Kiefer: Politisch ist das unter aller Sau, weil die Luftfahrtindustrie so viel mehr unterstützt wird als nachhaltige Mobilität mit Bussen und Zügen. Ganz wichtig: Es geht uns nicht darum, die Leute anzuklagen, die mal in den Urlaub fliegen oder die Familie besuchen wollen. Wir wollen den Leuten also nicht vorschreiben, wie sie zu reisen haben.

Uns geht es um einen politischen Wandel: Die Politik muss endlich anerkennen, dass wir uns in einer weltweiten Klimakrise befinden, die jährlich die Lebensgrundlage von Millionen Menschen vernichtet - und wir deshalb auch beim Reisen neu denken müssen. Gerade die Länder des globalen Nordens müssen da ihrer Verantwortung gerecht werden.

ZDFheute: Im Vergleich zu anderen CO2-Hauptemittenten wie der Energiewirtschaft oder der verarbeitenden Industrie trägt der internationale Flugverkehr verhältnismäßig wenig zum Gesamtausstoß bei. Müssten Sie nicht an anderer Stelle ansetzen, um größere Effekte erzielen zu können?

Keine 100 Tage vor der UN-Weltklimakonferenz in Glasgow ist nach den Worten des Vorsitzenden Alok Sharma der Weg zu einer Einigung noch weit.

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Kiefer: Die Luftfahrtindustrie ist für bis zu sieben Prozent der globalen Klimaerhitzung verantwortlich und damit ein Hauptreiber der Klimakrise. Wir haben den Fokus auf die Flugindustrie gesetzt. Andere Initiativen setzen sich mit anderen Themen auseinander.

Wir wollen den Zugverkehr viel stärker auf die internationale politische Agenda setzen, um klima- und sozialverträgliche Mobilität auszubauen.

Da gibt es auch bei uns in Europa noch viel zu tun: Statt etwa eine Vielzahl kleiner Regionalflughäfen staatlich zu subventionieren, sollte das Geld in den Ausbau des europäischen Zugnetzes und in den Datenaustausch zwischen den Ländern investiert werden, um Buchungen einfacher und günstiger zu gestalten.  

ZDFheute: Wie wollen Sie sich in Glasgow Gehör verschaffen?

Kiefer: Auf mehreren Wegen: Wir werden den Delegationsmitgliedern, die mit uns reisen, unsere Forderungen mit in die Konferenz hineingeben. Einige von uns Klimaaktivist*innen haben auch eine Akkreditierung und können dort aktiv werden.

Außerdem werden wir vor allem mit Kräften aus der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, etwa während des Klimastreiks am kommenden Freitag oder auf dem alternativen Weltklimagipfel, dem People’s Summit[2], der am nächsten Wochenende in Glasgow stattfindet.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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