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Vor Bund-Länder-Treffen - Die magische 50: Kein Problem in Großstädten

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Bund und Länder wollen runter: Auf maximal 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Begründung: Sonst sind Gesundheitsämter überfordert. Die Großstädte winken ab: Wir schaffen das.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie läuft die digitale Umstellung in den Gesundheitsämtern nur schleppend. Fax oder E-Mail sind für die Ämter oft die einzige Möglichkeit, sich auszutauschen.

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50, mindestens, am liebsten aber deutlich drunter: Für die Bundesregierung sind 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner sieben Tage hintereinander das Ziel. Dann, so steht es in jedem Papier nach den Bund-Länder-Treffen, können die Gesundheitsämter die Infektionsketten wieder aufspüren und eindämmen. Ab 50 ist die Pandemie wieder beherrschbar.

Allerdings: Deutschlands Millionen-Städte - Berlin, Hamburg, Köln und München - haben gar kein Problem mit der 50. Höchstens andere.

Kontaktverfolgung scheint kein Problem

Stand heute ist Hamburg bei 67,6. Also noch ein Stück über der 50. Trotzdem: "Die Kontaktnachverfolgung ist uns in dieser Situation zeitnah möglich", sagt Martin Helfrich, Sprecher der zuständigen Sozialbehörde der Stadt Hamburg. Gilt das auch bei 100, 150, 200? Den Punkt, bei dem es kippt, kann er nicht benennen. Sicher sei:

In Hamburg können derzeit auch bei höherer Inzidenz alle Kontakte verfolgt werden.
Martin Helfrich, Sprecher der Sozialbehörde

Ähnlich sieht es in München aus, wo man, Stand heute, schon unter die magische Grenze gerutscht ist. "Auch in den Zeiten hoher Inzidenzen", heißt es im dortigen Gesundheitsreferat, seien sowohl Infizierte als auch Kontaktpersonen erstes Grades "innerhalb eines Tages" erreicht worden. Alle seien schriftlich benachrichtigt worden. Weil die Inzidenz derzeit niedrig sei, könnten Infizierte "aber auch wieder telefonisch" informiert werden.

Kommunen wollen trotzdem unter die 50

Ähnlich ist die Lage in Köln. Dort wurde das Personal in den Gesundheitsämtern fast vervierfacht: von 321 vor der Krise auf 1.369 jetzt Mitarbeitende. Am Dienstag lag die Domstadt bei rund 80 Infektionen pro 100.000 Einwohner. "Wir können auch mit dreifachen Inzidenzen umgehen", sagt Johannes Nießen, Leiter des Gesundheitsamtes, im Deutschlandfunk.

Trotzdem: "Wir können uns auf keinen Fall eine höhere Inzidenz leisten", sagt Nießen. Es gebe noch zu viele neue Fälle. Von daher sei eher 35 als 50 das Ziel.

Das sieht auch Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller so. Derzeit liegt Berlin bei knapp unter 70, der Senat hat sich eigentlich auf 30 als Ziel festgelegt. "Wenn wir jetzt zu schnell wieder alles öffnen", so Müller im "Deutschlandfunk", sind wir sofort wieder bei einer Inzidenz über 100, über 150 und beginnen alles von vorne, und das wäre unzumutbar.“

Vor dem Treffen der Kanzlerin mit den Länderchefs am Mittwoch sind die Zahlen vielversprechend. Die Inzidenz sinkt erstmals seit drei Monaten unter 75. Viele Branchen erwarten eine nationale Strategie, die eine Perspektive bietet.

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Die Nachverfolgung der Kontakte ist ja auch nur die eine Aufgabe der Gesundheitsämter, so Sprecher Helfrich aus Hamburg. "Bei weitem sind nicht alle Infektionsfelder bekannt." Zwar könne man durch die Nachverfolgung die Pandemie im Nachhinein eindämmen. Man sei damit "aber noch nicht in der Lage, das Infektionsgeschehen dauerhaft verlässlich zu steuern."

Kein Interesse an Vernetzung mit Sormas

Problem bleibt jedoch die Vernetzung der Kommunen untereinander. Seit Monaten verhandeln Länder und Bund über die Einführung eines einheitlichen Programmes, das die Benachrichtigung der Personen, die Anbindung an die Labore und Dokumentation erleichtern soll. Auch im Entwurf zur Beschlussvorlage für das Treffen am Mittwoch, die dem ZDF vorliegt, steht es wieder drin:

Bis Ende Februar soll Sormas in allen Gesundheitsämtern installiert werden.
Entwurf zur Beschlussvorlage des Bund-Länder-Treffens

Daraus wird mit großer Wahrscheinlichkeit eher nichts. Hamburg setzt auf sein selbst entwickeltes Programm, den Hamburger Pandemie Manager, "mit dem die erforderlichen Aufgaben adäquat bearbeitet werden können". München fehlen für Sormas "essentielle Schnittstellen zu unserer im Haus genutzten Fachsoftware", heißt es im Gesundheitsreferat. "Deren Programmierung steht noch aus."

Auch Köln tut sich schwer mit der Software des Bundes. Denn auch dort hat man ein eigenes Programm entwickelt, es auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten – und ist damit zufrieden. Ein Umstieg jetzt mitten in den Hochzeiten der Pandemie findet man schwierig, auch hier fehlt eine Schnittstelle zu Sormas. Aber Hoffnung bleibt: "Es ist selbsterklärtes Ziel der Stadt Köln, den Wechsel zu Sorma zum gegebenen Zeitpunkt zu vollziehen."

Rostock, die Hansestadt ist bislang vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen. "Wir hatten gute Hygienekonzepte für Restaurants und Cafés", sagt Claus Ruhe Madsen, Oberbürgermeister von Rostock."Es geht darum, sich ordentlich zu verhalten."

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