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Wo stecken sich Menschen mit Corona an?

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Infektionsumfeld - Wo stecken sich Menschen mit Corona an?

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Nicht überall ist das Risiko, sich mit Corona anzustecken, gleich hoch. Doch wie gefährlich sind öffentliche Verkehrsmittel, Restaurants oder Schulen? Daten dazu sind lückenhaft.

Zahlreiche Fahrgäste steigen am Berliner U-bahnhof Neukölln aus, aufgenommen am 06.10.2020 in Berlin
Wie groß ist das Risko, sich in der U-Bahn mit dem Coronavirus anzustecken?
Quelle: dpa

Bekommt ein Gesundheitsamt eine Corona-Infektion gemeldet, nimmt man dort so schnell wie möglich Kontakt zum Erkrankten auf. Es geht in dem Gespräch um die häusliche Quarantäne, aber auch darum, möglichst alle Kontaktpersonen und den wahrscheinlichen Ansteckungsort zu ermitteln. Mit einem Fragebogen fragen die Mitarbeiter dazu alle Orte ab, die der Infizierte in den Tagen zuvor besucht hat.

Was wissen wir über Corona-Ansteckungsorte?

Einmal pro Woche veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI) die Ansteckungsorte von Menschen, die positiv auf Corona getestet wurden, das sogenannte Infektionsumfeld. Balkendiagramme zeigen, welchen Anteil welcher Infektionsort hat. In den vergangenen Wochen dominierten dabei Ansteckungen im privaten Haushalt, gefolgt von Alten- und Pflegeheimen und dem Arbeitsplatz.

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Die genauen Zahlen nennt das Robert-Koch-Institut auch auf Anfrage nicht. Wohl am wichtigsten bei der Einordnung der Daten ist folgenden Hinweis des RKI: Nur bei etwa 20 Prozent der gemeldeten Fälle kann überhaupt ein (wahrscheinlicher) Infektionsort ermittelt werden, das heißt: In 80 Prozent aller ermittelten Fälle weiß man das nicht.

Genauere Daten als das RKI nennt das Landesgesundheitsamt in Stuttgart, das alle Daten für Baden-Württemberg zusammenfasst. Auch hier dominieren Infektionen im häuslichen Umfeld. In den vergangenen Wochen lag ihr Anteil zwischen 28,5 und 49,1 Prozent. Restaurants sind in dieser Übersicht inzwischen nicht mehr als Einzelpunkt enthalten, in den Wochen davor schwankte der Wert bei ihnen zwischen 1,7 und 3,7 Prozent.

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Auch in Baden-Württemberg weiß man nur in rund 20 Prozent der ermittelten Fälle, wo der Betroffene sich angesteckt hat. Im Sommer, als die Fallzahlen niedriger waren, lag der Wert noch bei über 60 Prozent.

Wie aussagekräftig sind diese Zahlen?

Durch die Erhebungen wird zwar klar: Viele Infektionen passieren im privaten Umfeld. Doch ob deren Anteil wirklich so hoch ist, wie die Statistik zeigt, ist zumindest fraglich. Denn: Wenn beispielsweise in der Familie schon eine andere Person infiziert ist, ist die Ermittlung des Ansteckungsortes sehr viel einfacher als etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln. Und so ist es gut möglich, dass sich in Bussen und Bahnen viel mehr Menschen anstecken als bekannt.

Warum wissen wir so wenig über die Ansteckungsorte?

Es sind vor allem drei Gründe: Zum Ersten die Tatsache, dass viele Gesundheitsämter derzeit überlastet sind und damit nicht immer in der Lage sind, detaillierte Informationen zu Ausbrüchen zu übermitteln. Zum Zweiten ist die Vielzahl der Kontakte, die manche Infizierte haben, ein Problem – gepaart mit den hohen Infektionszahlen in der Gesamtbevölkerung. Es gibt also häufig viele potenzielle Ansteckungsorte. Und zum Dritten fehlen häufig wissenschaftliche Studien, die nicht nur die gemeldeten Fälle in den Blick nehmen, sondern auch den Rest der Bevölkerung.

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Wie könnte die Datenlage verbessert werden?

Viele Experten sind sich einig: Um einen wirklich belastbaren Überblick über die Infektionsorte zu haben, braucht es wissenschaftliche Studien. In diese Richtung sei in den letzten Monaten viel zu wenig passiert, kritisiert beispielsweise der Medizinstatistiker Gerd Antes.

Jetzt startet das RKI eine solche Untersuchung, doch Ergebnisse werden erst im Frühjahr erwartet. Um bis dahin zumindest etwas mehr Klarheit zu bekommen, wäre mehr Personal in Gesundheitsämtern hilfreich. Oder aber eine Erweiterung der Funktionen der Corona-Warn-App: zum Beispiel, dass sie bei Risikobegegnungen anzeigt, wo diese stattgefunden hat.

Sven Class ist Redakteur im ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg.

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