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5.132 Neuinfektionen - Lauterbach warnt vor dem "Ernst der Lage"

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Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt erneut sprunghaft an: Das RKI meldet 5.132 neue Fälle. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt davor, die Lage zu unterschätzen.

Merkel trifft sich heute mit den Ministerpräsidenten zu einer Corona-Krisensitzung. Im Fokus stehen das Beherbergungsverbot und die Frage nach einheitlicheren Regeln.

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In Deutschland haben sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts binnen 24 Stunden 5.132 Menschen neu mit dem Coronavirus infiziert. Einen ähnlich hohen Wert hatte es zuletzt am 2. April gegeben. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Tage fort. In der vergangenen Woche hatte der Wert an gleich drei Tagen bei jeweils über 4.000 gelegen.

Der Reproduktionswert liegt bei 1,20. Damit steckt ein Infizierter statistisch gesehen etwas mehr als eine weitere Person an. Das RKI meldet außerdem 43 neue Todesfälle in den vergangenen 24 Stunden. Damit sind in Deutschland seit Beginn der Pandemie 9.677 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben.

Lauterbach warnt vor "Ernst der Lage"

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bewertet den neuerlichen Anstieg der Fälle im ZDF als ernst. "Bliebe die Zahl von Neuinfektionen zwei Wochen lang bei über 5.000, dann frisst sich das Virus durch alle Altersgruppen." Dann käme es zu einer Durchmischung der Bevölkerung. Lauterbach weiter:

Insofern bedeuten 5.000 Neuinfektionen, dass in circa zwei Wochen etwa ein Prozent der Infizierten sterben, also 50 Menschen am Tag.
Karl Lauterbach, SPD

Sollte die Zahl der Neuinfektionen auf über 10.000 steigen, würden wahrscheinlich durchschnittlich 100 Menschen sterben. "Da wir das aber erst einen Monat später sähen, kann man den Ernst der Lage anfangs leicht unterschätzen", so Lauterbach.

Außerdem kämen zu den Todesfällen eine vielfach größere Zahl mit chronischen Covid-Komplikationen in Lunge, Nieren und Gehirn. "Daher wären 10.000 Fälle pro Tag für eine längere Zeit medizinisch und ökonomisch für die deutsche Bevölkerung eine mittlere Katastrophe", so Lauterbach.

Schmidt-Chanasit: Zahl an sich sagt nicht viel aus

Gegen eine pauschale Interpretation der gestiegenen Fälle spricht sich der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit aus. Die reine Zahl von mehr als 5.000 Neuinfektionen sage noch nicht unbedingt viel aus. "Da muss man ins Detail gehen. Man muss immer gucken, wo genau die Infektionen aufgetreten sind", sagt Schmidt-Chanasit ZDFheute. 5.000 Infektionen in Altersheimen seien etwas anderes als 5.000 Infektionen bei jungen Erwachsenen.

In Berlin berät die Kanzlerin mit den Länderchefs, wie es weitergehen soll, in Sachen Corona. ZDF-Korrespondent Theo Koll hat die neuesten Informationen.

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Laut Experten ist die Zahl der Neuinfektionen im Frühjahr und Herbst nicht unmittelbar miteinander vergleichbar. Im Laufe der Pandemie wurden die Testkapazitäten deutlich hochgefahren. Allerdings bedeuten mehr Tests nicht automatisch mehr Fälle. Um die Neuinfektionszahlen interpretieren zu können, sollte man sich unter anderem auch die Positivrate anschauen - der Anteil positiver Tests. Dieser Wert ist ein zusätzlicher Hinweis auf den Verlauf der Corona-Pandemie:

Ein Mann in Schutzkleidung hält einen Corona-Test in die Kamera

Corona-Tests -
Steigen die Zahlen nur, weil wir mehr testen?
 

Wer mehr testet, findet auch mehr Corona-Infektionen. Deshalb müsse man sich keine Sorgen wegen steigender Fallzahlen machen. Aber stimmt das?

von Robert Meyer

Bundesregierung: Keine Panikmache

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vor einem rasanten Anstieg der Infektionen gewarnt. Bis Weihnachten wären sogar knapp 20.000 Fälle pro Tag möglich, so Merkel. Die Bundesregierung spricht von einer "extrem dynamischen, zum Teil auch dramatischen Zunahme von Infektionsfällen". Panikmache sei das nicht, so Regierungssprecher Steffen Seibert. Er sagt:

Wir beschreiben die Situation nur. Wir werben dafür, Gegenmittel zu ergreifen.
Steffen Seibert, Regierungssprecher

Mögliche Gegenmittel sind ein Thema des "Corona-Gipfels" von Bund und Ländern. Laut Seibert sollen aber nicht Schulen flächendeckend geschlossen werden. "Es ist jetzt die Zeit, in der wir uns als Land, als Gesellschaft zu unseren Prioritäten bekennen müssen", sagte Seibert auf Nachfrage des ZDF. Die Priorität der Bundeskanzlerin sei auch angesichts der steigenden Infektionszahlen, die Wirtschaft am Laufen zu halten sowie "Kindern und Jugendlichen Schule und Bildung zu ermöglichen".

Warum Lauterbach Angst vieler Menschen versteht

Damit Schulschließungen bei steigenden Infektionszahlen vermieden werden können, plädiert Karl Lauterbach dafür, Klassen zu teilen. "Damit lassen sich die Ausfälle des Unterrichts mehr als halbieren." Auch ein Verbot von privaten Feiern sowie eine Maskenpflicht bei Menschenansammlungen drinnen wie draußen seien besonders wirksam.

Der SPD-Politiker hält auch einen weiteren Anstieg der Zahlen für möglich und widerspricht außerdem der Einschätzung des Bonner Virologen Hendrik Streeck, der im "Handelsblatt" vor Panik gewarnt hatte. Lauterbach sagt: "Ich kann verstehen, dass Menschen diese Zahlen Angst machen." Schließlich hätten in Deutschland etwa 40 Prozent der Menschen Risikofaktoren.

"Sollte die Zahl der Neuinfektionen etwa auf 10.000 steigen, dann würden ältere Menschen oder zum Beispiel Menschen, die Krebs hatten, in Angst und Schrecken leben. Für viele Menschen, die sich übrigens auch bei mir melden, bedeuten diese Zahlen ungute Gefühle."

Hinweis: Karl Lauterbach geht davon aus, dass von 10.000 Infizierten zeitverzögert etwa 100 Menschen sterben, also ein Prozent. Zur Sterblichkeit hatte Virologe Christian Drosten zuletzt unter anderem diese Preprint-Studie verlinkt: MedRxiv: Levin et al., 2020.

Mit steigenden Infektionszahlen wird es bei den Gesundheitsämtern eng – besonders personell. Wie sind die Krankenhäuser vorbereitet?

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