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Verschärfte 2G-Regeln - Genesen, gedisst? Wenn der Covid-Beweis fehlt

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Bund und Länder schrauben an den 2-Regeln. Dabei rutscht ihnen eine Gruppe vom Schirm: Wer Corona hatte, das aber nicht nachweisen kann, bleibt draußen. Wenige sind das nicht.

Baden-Württemberg war das erste Bundesland, das die Lohnfortzahlung für Ungeimpfte, die in Quarantäne müssen, gestoppt hat. Andere Länder wollen nachziehen, doch es droht Streit.

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"Impfen ist eine persönliche, freie Entscheidung. Und das soll auch so bleiben." Immer wieder hat das Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) so oder so ähnlich gesagt, zum Beispiel am 8. September. Trotzdem wächst der Druck auf Ungeimpfte. Am Mittwoch beraten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern, ob die Lohnfortzahlung im Quarantänefall entfallen soll, einige Länder weiten ihre 2G-Regeln aus.

Ob damit, wie erhofft, die Corona-Impfquote steigt, ist kein Automatismus. Denn mit pauschalen Regeln werden auch Menschen eingeschränkt, die man vielleicht gar nicht einschränken muss: Wer infiziert war, das aber nicht nachweisen kann, bleibt weiter außen vor. Einzelfälle sind das nicht.

Kein Nachweis? Das rächt sich jetzt

Beispiel Erzgebirge. Zwischen Oktober bis April war dort die Zahl der Covid-19-Infizierten im Vergleich zu anderen Landkreisen in Sachsen und zum Bund besonders hoch. Ganze Familien hatte es erwischt. Doch da die Labore an die Ärzte signalisierten, sie seien an der Kapazitätsgrenze, wurden nicht alle potenziellen Corona-Patienten untersucht.

"Warum sollen andere dafür zahlen, dass jemand für sich entscheidet, sich nicht impfen zu lassen", sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), zur Lohnfortzahlungsdebatte.

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Wenn etwa die Eltern infiziert waren und das Kind hustete, war ziemlich klar: Das Kind hat es auch. Wenn es nicht schlimmer wurde: Augen zu und durch. Die Corona-Erkrankung wurde nie durch einen PCR-Test nachgewiesen. Das rächt sich jetzt.

Einzige Möglichkeit, das ständige und bald kostenpflichtige Testen zu umgehen: ein Antikörpertest. Der wird allerdings als Immunitätsnachweis nicht anerkannt. Wollen sich Genesene nach sechs Monaten impfen und vorher untersuchen lassen, stellen viele fest: Die Antikörper-Konzentration im Blut ist vor allem bei Jüngeren noch so hoch, dass man sich nicht impfen lassen müsste. Genauso wenig wie die, die zwar infiziert waren, aber keine Symptome hatten. Warum den Körper also noch einmal belasten?

Länder uneinheitlich

Immun und trotzdem ausgeschlossen von Konzertbesuch, Chorprobe, Stadionbesuch? Sachsen, Hamburg, Berlin etwa überlassen den Veranstaltern, ob sie Getestete oder lediglich Geimpfte und Genesene zulassen. Ausnahmen gibt es für Kinder und Jugendliche.

Für das undokumentiert immune Kind im Erzgebirge hieße das: unter 16 Jahre darf es in Sachsen überall mit rein. Zwischen 16 und 18 Jahren aber, je nach Veranstalter: kein Club, kein Fußballstadion, keine Tanzschule.

Es droht eine Pandemie der Ungeimpften – und immer mehr Bundesländer wollen deshalb auf 2G setzen: umfängliche Freiheiten nur noch für Geimpfte oder Genesene. Baden-Württemberg ist der Vorreiter.

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Ärztin: Politisch verständlich, medizinisch weniger

Gabriele Richter ist Hausärztin in der Gemeinde Sehmatal im Erzgebirge, gut eine Autostunde von Chemnitz entfernt. Patienten, die sich nicht impfen lassen können oder nach dem Sinn fragen, kennt sie genügend. Vielen wäre geholfen, wenn der Antikörpertest anerkannt würde, sagt Richter. Oder der Genesenen-Status länger als die sechs Monate gelten würde, denn Jüngere hätten oft noch ausreichend Antikörper. Viele Regeln, sagt Richter, sind "aus politischer Sicht verständlich, aus medizinischer nicht."

Schwierig findet Richter, dass durch das Hin und Her der Regeln Druck auf Kinder und Jugendliche entsteht, sich impfen zu lassen. "Ich kenne kein einziges Kind, dass positiv und schwer erkrankt war", sagt sie, die selbst Mutter von drei Kindern ist. Auch keine Fälle von Kollegen. Was sie kennt, sind Kinder, die nach der langen Zeit ohne Schule Ängste entwickelt haben, wieder in die Schule zu gehen:

Der Druck auf Ungeimpfte ist nicht in Ordnung.
Gabriele Richter
Blick in ein Bürogebäude. Archivbild
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Grünen-Politiker Dahmen: Grenzwert fehlt

Die Anerkennung des Antikörpertest könnte ein wenig von dem Druck nehmen. Der Test soll, so kündigte es Minister Spahn in der "Bild"-Zeitung an, zwar bald zugelassen werden. Aber nur in Verbindung mit einer Impfung. "Der Antikörpertest kann zwar nachweisen, dass jemand infiziert war, aber nicht wann. Deswegen gilt nach wie vor für den Nachweis der Infizierung der PCR-Test", so ein Sprecher Spahns diese Woche. Der Antikörpertest werde nur in Verbindung mit einer Impfung als "vollständige Impfserie" für die 2- und 3G-Regel anerkannt.

Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen, der selbst Mediziner ist, findet die Skepsis gegenüber dem Antikörpertest richtig. "Der alleinige Nachweis über Antikörper gibt noch keine Auskunft darüber, ob jemand hinreichend geschützt ist oder nicht." Was fehle, sei ein eindeutiger Grenzwert:

Die Forschung ist noch nicht so weit, dass man sagen kann: Wenn die Antikörper so hoch sind, dann sind die Menschen ausreichend geschützt.
Janosch Dahmen (Grüne)

Der Grünen-Politiker schätzt, dass es nächstes Jahr Änderungen geben könnte.

Auch von der FDP kommt kein Widerspruch. Andrew Ullmann, gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion und Infektiologe, sagt:

Die Datenlage ist noch zu dünn.
Andrew Ullmann (FDP)

Antikörper-Tests sagten nur aus, dass jemand infiziert war. Die tatsächliche Immunität, nämlich welche Antikörper in ausreichender Menge, sei damit nur "schwer zu beurteilen". Wer aber noch hohe Antikörpertiter habe, so Ullmann, könne trotzdem ohne Probleme vier Wochen nach der Infektion geimpft werden.

Von einer "Bazooka" hatte Bundesfinanzminister Olaf Scholz gesprochen. Und tatsächlich sind die Dimensionen gewaltig: 500 Milliarden Euro dürfte die Pandemie den Staat insgesamt kosten.

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Kretschmer: Eine berechtigte Frage

An Verständnis für Sachsens Corona-Infizierte ohne Nachweis fehlt es nicht. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) schreibt einer Familie aus dem Sehmatal: "Es ist eine berechtigte Frage, wie der sachgerechte Umgang" mit diesen Menschen aussehen müsse. "Dieses Problem stellt sich gerade vielen Menschen", so Kretschmer.

Das Robert-Koch-Institut arbeite daran, die Wissenschaft auch. "Sie sehen, das Problem ist erkannt und soll auch geklärt werden."

Die betroffenen Familien im Erzgebirge beruhigt das nicht. Ihr Antikörpertest, den Spahn als "qualitativ hochwertig" bezeichnet, bescheinigt ihnen: "Positiv. Antikörper gegen Sars-Cov2 nachweisbar. Zustand wie nach Infektion oder Impfung anzunehmen."

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