Sie sind hier:

Vor Bund-Länder-Treffen - Weg mit Zetteln: Städte wollen Check-in-Apps

Datum:

Zu langsam, zu analog: Die Gesundheitsämter kommen nach einer Corona-Infektion kaum hinterher. In der Politik das Hauptargument für den Shutdown. Jetzt sollen Zusatz-Apps helfen.

Der Druck, den derzeitigen Corona-Shutdown zu lockern, wird immer größer. Am Mittwoch werden Kanzlerin und Ministerpräsidenten erneut über das weitere Vorgehen in der Pandemie beraten.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Es klingt eigentlich nicht kompliziert. Wer ein Restaurant besuchen will, lädt sich vorher eine App aufs Handy. Statt sich in irgendwelchen Listen am Eingang mit Namen und Adresse einzutragen, werden die Besucher per QR-Code registriert. Die Adresse ist hinterlegt, aber verschlüsselt. Niemand hat Zugriff darauf. Das passiert erst, wenn sich jemand mit Covid-19 infiziert hat.

Statt dann zu überlegen, wer denn nun benachrichtigt ist, gibt der oder die Infizierte dem Gesundheitsamt seine Kontakthistorie frei. Dort sieht man schnell: Sie oder er war im Restaurant X. Das wiederum hat nun den zweiten Schlüssel zu den Daten: Wer war zum gleichen Zeitpunkt da und muss benachrichtigt werden?

Bei der App Luca würde das so funktionieren. Andere Apps arbeiten ähnlich: Darfichrein, Railsove, Kontakterfassung.de oder Hygieneranger. Alle versprechen: Kein Zettelentziffern, kein Rumschwirren von Daten, kein langwieriges Hinterhertelefonieren, potenzielle Kontaktpersonen können sich schnell isolieren und testen lassen. Würden mehrere Anbieter die gleiche App nutzen, könnten ganze Cluster entdeckt werden.

ZDFheute Infografik

Wir integrieren Bilder und andere Daten von Drittanbietern, u.a. die Software von Datawrapper für die Darstellung von ZDFheute Infografiken. Mit Ihrer Zustimmung werden diese angezeigt und die genutzte IP-Adresse dabei an externe Server übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre zukünftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Mein ZDF“ jederzeit widerrufen.

Jena: Eine App für alle Kultureinrichtungen

Einige Kommunen haben sich mit Luca angefreundet, an der die Band "Die Fantastischen Vier" beteiligt ist und kräftig die Werbetrommel rührt. Jena zum Beispiel testet seit Januar mit den Abgeordneten des Stadtrats die App, inklusive eines simulierten Positivfalls hinterher.

Anfängliche Vorbehalte konnte der Thüringer Datenschutzbeauftragte zerstreuen: Er gab grünes Licht. Auch das Gesundheitsamt ist begeistert. Daniel Illing, der in Jena für die städtischen Kulturbetriebe verantwortlich ist, sagt:

Die Geschwindigkeit ist ein riesiger Vorteil.
Daniel Illing, Jena

Sollten die Infektionszahlen in Jena eine Rückkehr zum öffentlichen Leben erlauben, soll Luca in allen Veranstaltungshäusern eingesetzt werden. Die Musiker der Philharmonie wollen es bei den Proben nutzen, Ende Februar wurden zudem Gastronomen informiert, eine erste Schule hat Interesse bekundet. "Sobald es wieder losgeht, geht es los", sagt Illing.

Hoffnung für Tourismus

Jena steht mit seiner Begeisterung nicht allein. Rostock hat sich vorige Woche entschlossen, auf Luca zu setzen. "Alles ist besser als diese Zettel", heißt es dort im Rathaus. Neben Friseuren und körpernahen Dienstleistern soll auch der Einzelhandel einbezogen werden.

Für Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen ein Weg aus dem Shutdown: Natürlich werde nicht alles gleich zu 100 Prozent klappen, aber neue Lösungen müssten erprobt werden: "Wir sind Gesundheitsamt!", so Madsen.

Für die Urlaubsinsel Sylt ist die App vor allem für Hotels, Pensionen und Restaurants attraktiv. Da noch keine Touristen kommen dürfen, ist die App noch nicht im Einsatz. "Aber sehr viele bereiten sich auf deren Einsatz vor", sagt Bürgermeister Nikolas Häckel. Beim Gesundheitsamt gibt es jedenfalls auch auf der Insel keine Probleme.

Bund und Länder wollen jetzt doch andere Apps

Das hatte die Bundesregierung jedoch befürchtet. Die setzt zwar nach wie vor auf ihre eigene Corona-Warn-App, hält aber mittlerweile Luca für "eine mögliche Ergänzung", so Regierungssprecher Steffen Seibert. Wenn auch "keine Alternative".

Bislang hieß es: Erst einmal brauchen die Gesundheitsämter alle die gleiche Software Sormas. Allerdings sind laut Bundesgesundheitsministerium erst rund 285 von gut 400 Ämtern ausgestattet.

Blockieren wollen Bund und Länder Luca und andere Anbieter aber offensichtlich nicht. In der Beschlussvorlage, die am Mittwoch beraten wird, sollen sich die Länder verpflichten, die Kontaktnachverfolgung auch digital zu ermöglichen.

Noch ist strittig: Soll eine einfache Schnittstelle zur Software des Gesundheitsamtes reichen, soll bundeseinheitlich vorgegangen werden oder ein zentrales Gateway als Zugang zu den Gesundheitsämtern geben?

Archiv, Berlin: Auf einem Handy zeigt die "Corona Warn-App" ein erhöhtes Risiko an, welches darauf hinweist Kontakt mit einer infizierten Person gehabt zu haben.

Schnelltests und die App - Wird die Corona-Warn-App vernachlässigt? 

Gratis-Schnelltests könnten an diesem Mittwoch beschlossen werden. Doch in der Corona-Warn-App kann man deren Ergebnisse weiterhin nicht eintragen - wird die App vernachlässigt?

von Julia Klaus

Luca-Chef: "Wir können morgen anfangen"

Für die Betreiber der Luca-App wäre das alles zu kompliziert. "Es ist alles da, wir brauchen nicht erst etwas entwickeln", sagt Patrick Hennig, Hauptgeschäftsführer der Firma Nexenio:

Wir können morgen anfangen.
Patrick Hennig

Sormas sei als Schnittstelle zu Luca nicht nötig, sagt Hennig. "Für die Gesundheitsämter ist es eine Stunde Aufwand."

Bis Ende der Woche könnte Luca eine Million Mal auf dem Handy installiert worden sein. Gut 200 Gesundheitsämter werden derzeit beraten, wofür die Entwickler auch irgendwann gerne mal Geld bekommen wollen. Für Nutzer und Betriebe aber soll Luca kostenlos bleiben. "Nur so werden wir hinkriegen, dass wir nicht im nächsten Lockdown landen", sagt Hennig.

Smudos „Luca“-App ist ein Versuch des Rappers die Kulturbranche zu retten. ZDFheute live spricht mit ihm und der Ethikrat-Vorsitzenden Alena Buyx über Impfen und weitere Lösungen.

Beitragslänge:
39 min
Datum:

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Zahlreiche Passanten sind auf der Zeil, der zentralen Fußgängerzone in der Frankfurter Innenstadt unterwegs

Sinkende Corona-Inzidenz - Ist das die Trendwende? 

Seit Tagen sinkt die Inzidenz. Doch Experten warnen: Das ist keine Trendwende. Zwar wirken auch die Maßnahmen, doch das Infektionsgeschehen hat sich in Wirklichkeit kaum verändert.

von Oliver Klein
Olaf Scholz am 02.12.2021 in Berlin
Kommentar

Corona-Beschlüsse - Scholz' erste Chance ist seine letzte 

Die Machtspielchen, die Rangeleien zwischen alter und neuer Regierung sind vorbei. Es gibt einen Plan gegen Corona! Na sowas, Zeit wird‘s. Ob er wirkt, ist eine andere Frage.

von Kristina Hofmann
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.