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Nach dem Stopp von Astrazeneca : Wie sich die Impfkampagne jetzt verzögert

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Durch das Aussetzen von Astrazeneca verzögert sich die Durchimpfung der Bevölkerung um etwa einen Monat. Das klingt nicht viel - kann aber riskante Auswirkungen haben.

Das Aussetzen des Astrazeneca-Vakzins droht, die ohnehin stockende Impfkampagne in Deutschland weiter zu verlangsamen. Massenweise werden nun bereits vereinbarte Impf-Termine abgesagt. Doch wie würde es sich konkret auswirken, wenn Astrazeneca dauerhaft nicht mehr zur Verfügung stünde?

In einem Simulator des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) lässt sich der künftige Stand der Impfungen in Deutschland berechnen: Dort kann man verschiedene Parameter wie die Anzahl und Kapazität der Impfzentren, Anzahl der Arztpraxen oder die Liefermenge des Impfstoffs einstellen und dann ablesen, wann wie viel Prozent der Bevölkerung in Deutschland gegen Covid-19 geimpft wären.

Impfkampagne wäre mit Astrazeneca einen Monat schneller

Im besten Fall, wenn 100 Prozent der zugesagten Impfstoffe von Moderna, Pfizer/Biontech und Johnson & Johnson geliefert und optimal an die Impfzentren und Arztpraxen verteilt werden, könnten bis Ende Juli etwa drei Viertel der Erwachsenen in Deutschland geimpft sein. Das entspricht in etwa der erwarteten Zahl derer, die laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts zu einer Impfung bereit sind.

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Zu bedenken ist natürlich, dass die Impfkampagne vermutlich nicht so idealtypisch und reibungslos verlaufen wird - Probleme, beispielsweise bei der Lieferung durch die Hersteller und der Verteilung der Impfstoffe sind nicht in das Modell miteingerechnet.

Deutlich wird aber: Würde weiterhin zusätzlich das Vakzin von Astrazeneca verimpft, könnte die 75-Prozent-Quote bereits Anfang Juli erreicht werden. "Mit Astrazeneca ist die Impfkampagne etwa drei Wochen bist einen Monat schneller", fasst ZI-Chef Dominik von Stillfried im Gespräch mit ZDFheute zusammen.

Risikogruppen wären ohne Astrazeneca später geschützt

Was zunächst wenig klingt, kann aber deutliche Auswirkungen haben, zumindest bei den Risikogruppen, warnt von Stillfried:

Es geht nicht nur darum, wann Herdenimmunität erreicht ist, sondern wann die Risikogruppen zwei und drei einen ersten Schutz erhalten. Das sind Personen mit erheblichen Risiken für schwere Verläufe. Und auch da kostet ein Verzicht auf Astrazeneca drei bis vier Wochen.
Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender ZI

Würde auf Astrazeneca verzichtet, könnte beispielsweise die dritte Risikogruppe - Menschen ab 60 sowie Menschen mit gewissen Vorerkrankungen wie Herzinsuffizienz - erst etwa Ende Mai vollständig geimpft sein. Bis dahin wären sie einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf ausgesetzt, während das Risiko von Impfschäden durch das Astrazeneca-Vakzin - für die bislang kein kausaler Zusammenhang festgestellt wurde - deutlich geringer ist.

Mit dem Stopp für Astrazeneca könnten viele Menschen nun das Vertrauen in die Impfstrategie verlieren. Ulrich Weigeldt, Vorsitzender vom Deutschen Hausärzteverband, fordert, Anreize zu schaffen fürs Impfen.

Beitragslänge:
3 min
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Experte: Astrazeneca aussetzen ist "nicht sachgerecht"

Die Entscheidung, das Impfen mit Astrazeneca auszusetzen, hält von Stillfried deshalb "unter dem Gesichtspunkt des Pandemiemanagements nicht für sachgerecht". Er plädiert dafür, den Betroffenen zu ermöglichen, das Risiko selbst abzuwägen:

Das Risiko eines schweren Verlaufs einer COVID-19-Erkrankung ist angesichts einer dritten Welle wesentlich höher als das Risiko einer möglichen Nebenwirkung der Impfung.
Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender ZI

Ähnlich sieht es auch der Mediziner und Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen. Im ZDF-Mittagsmagazin sprach er sich dafür aus, dass auf freiwilliger Basis und mit der nötigen Aufklärung weiterhin Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin möglich sein sollen.

Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder will die Hoffnung offenbar nicht aufgeben, dass bald wieder Astrazeneca verimpft werden darf. Das sollen aber vor allem Hausärzte übernehmen, weil die ihre Patienten besser kennen und aufklären können.

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