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Großbritannien und Astrazeneca - Wirkt es oder nicht, ist das hier die Frage?

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Seit Wochen wird in Großbritannien Hunderttausenden über 70 der Impfstoff von Astrazeneca gespritzt. Nun heißt es aus der EU: Bei Älteren wirke er vielleicht kaum. Und nun?

Boris Johnson (l), Premierminister von Großbritannien, trägt einen Mund-Nasen-Schutz bei einem Besuch im Chase Farm Hospital am 04.01.2021
Der britische Premierminister Boris Johnson bei einer Corona-Impfung.
Quelle: dpa

Alles beginnt am Dienstag. Das deutsche Handelsblatt bringt einen Bericht, der erklärt: Der an der Universität Oxford mitentwickelte Corona-Impfstoff, vertrieben von Astrazeneca, wirke wohl kaum bei Menschen über 65. Nur acht Prozent Wirkungsgrad. Die Empörung darüber ist in Großbritannien riesig, die Behauptung wird von der Regierung recht brüsk zurückgewiesen.

Doch spätestens seitdem die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts das Produkt von Astrazeneca nur für 18- bis 64-Jährige empfiehlt, beginnt ein großes Rätselraten: Ist da was dran?

Astrazeneca-Impfstoff ungeeignet für Ältere?

Dabei hätte wohl ein Blick in den Dezember genügt. Das renommierte Medizin-Fachblatt "The Lancet" kam schon damals zu dem Schluss, dass das Datenmaterial für Menschen über 65 in den klinischen Studien von Astrazeneca keine Aussage darüber zulasse, ob es wirke oder nicht. Es waren einfach zu wenige ältere Menschen in den klinischen Studien dabei.

Der Impfstoff sei nicht weniger wirksam, so Eva Hummers, sondern es würden einfach Daten fehlen. Aus diesem Grund würde man erst einmal von einer Empfehlung absehen.

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"Was keinesfalls heißt, dass es nicht wirken kann", erklärt Devi Sridhar, Professorin für öffentliche Gesundheit an der Universität Edinburgh.

Die Impfstoff-Historie zeigt, dass ein Impfstoff, der eine 70 prozentige Gesamt-Wirksamkeit über alle Altersgruppen hat, auch bei den Älteren gut funktionieren dürfte.
Devi Sridhar

Nur die wissenschaftlich fundierte Studie, die letzte Zweifel nimmt, die fehle.

Astrazeneca: Lückenhafte Daten

Genau das bestätigt nun auch Public Health England, die oberste Gesundheitsbehörde. Dass die Daten von Astrazeneca lückenhaft seien, heißt es. Dem Impfstoff wurde in Großbritannien nur eine Notfallzulassung erteilt.

Was das Verfahren beschleunigt hat. Zudem wurde der Impfplan geändert. Statt wie von den Herstellern empfohlen, die zweite Dosis für alle bisherigen Impfstoffe nach drei Wochen zu setzen, wurde der Zeitraum auf drei Monate ausgedehnt. Auch hier ohne übliche Testreihen, Studien. Und umstritten.

Der Impfstoffhersteller weist Berichte über eine reduzierte Wirksamkeit des Impfstoffes bei älteren Menschen zurück.

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All das, so Prof. Sridhar, geschuldet einer schweren Krisensituation: "Zwei Entscheidungen, die in normalen Zeiten so nicht gefällt worden wären. Ein Mangel an Impfstoff, dazu geschätzt bis zu 150.000 Neuinfektionen und im Schnitt 1.500 Tote täglich. Da bleibt nur, so viele so schnell wie möglich zu impfen. Auch wenn die nur einen Teil- oder weniger Schutz genießen."

Astrazeneca: Ein Rest Unsicherheit bleibt

Die getroffene Abwägung im Vereinigten Königreich: Nicht impfen heißt null Schutzwirkung - oder eine möglicherweise noch immer recht hohe Wirkung, wenn man impft. Denn, da war die britische Arzneimittelbehörde klar, ein erhöhtes gesundheitliches Risiko sei für keine Altersgruppen zu erwarten. Und bislang nicht aufgetreten.

Es bleibt ein Rest Unsicherheit, die man in Großbritannien in Kauf nimmt. Das größte Impfprogramm der Geschichte läuft auf vollen Touren. Mehr als sieben Millionen geimpft, Mitte Februar sollen es alle über 70 sowie das komplette medizinische und Pflegepersonal sein. Schon im Sommer alle Erwachsenen.

Die Impfkommission empfiehlt den Impfstoff von Astrazeneca nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren. Es gebe nicht ausreichend Daten zur Wirkung bei Menschen ab 65.

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Der zentralisierte, nationale Gesundheitsdienst NHS hat viel Erfahrung mit großen Impfkampagnen. Das Militär hilft mit, man hat frühzeitig Verträge mit den Herstellern geschlossen, viel Geld in die Entwicklung investiert. Weltweit als Erste ein Massenimpfprogramm gestartet.

Verheerende Corona-Bilanz für London

Die Regierung hat, sagen nicht wenige Kritiker, zum ersten Mal in dieser Krise etwas wirklich richtig gemacht. Erste Daten, wie die Impfstoffe wirken, erwartet die Regierung Mitte Februar. Die ein hohes Risiko geht, was sich aus den vielen Fehlern der Vergangenheit erklärt. Die Großbritannien zum Land mit den meisten Toten und mit der am schwersten getroffenen Wirtschaft gemacht hat.

Eine verheerende Bilanz, und nur eine Hoffnung: Impfstoffe. Deshalb werden über 65-Jährige mit Astrazeneca geimpft. Eine Risikoabwägung in großer Not.

Zu sehen ist ein Corona-Virus mit den erkennbaren Spike-Proteinen.

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