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Impfstoff für bis 65-Jährige - Lehrerverband: Astrazeneca ist große Chance

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Der dritte Corona-Impfstoff ist da. Allerdings nicht für Ältere. Die Impfordnung muss schnell geändert werden, fordert der Lehrerverband. Lehrkräfte sollten früher dran sein.

In Deutschland gilt bis Mitte Februar ein Einreiseverbot aus Ländern, in denen Corona-Varianten stark verbreitet sind. Dazu zählen unter anderem Großbritannien und Irland.

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Die Europäische Arzneimittelbehörde hat nach Biontech/Pfizer und Moderna den dritten Impfstoff zugelassen. Allerdings: Wegen unzureichender Datengrundlage soll Astrazeneca in Deutschland nur an Menschen geimpft werden, die zwischen 18 und 64 Jahre alt sind. Das bringt den Impfplan der Bundesregierung durcheinander, der bislang über 80-Jährige und Bewohnerinnen und Bewohner in Alten- und Pflegeheimen als wichtigste Impfgruppe bewertet.

Die Politik müsse nun schnell auf die veränderte Lage reagieren, fordert der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger. Die Beschränkung für Astrazeneca "eröffnet die große Chance Lehrkräfte und andere Berufsgruppen, die derzeit Impfkategorie 3 sind, vorzuziehen", so Meidinger zu ZDFheute.

Schuljahr könnte ohne Impfschutz enden

Die Impfverordnung sieht derzeit vor, dass Lehrer und Erzieher ebenso wie Angehörige der Bundeswehr, von Polizei oder Katastrophenschutz, bis 60-Jährige und chronisch Kranke erst an der Reihe sind, wenn die ersten beiden Gruppen geimpft sind.

Wegen der allgemeinen Knappheit des Impfstoffes wären Lehrer und Erzieher in diesem Schuljahr nicht mehr dran, befürchtet Meidinger. Auf der anderen Seite betonen Ministerpräsidenten und Bundesregierung, Schulen und Kitas sollen nach dem Shutdown wieder als erste öffnen.

Eine baldmögliche Impfung von Lehrkräften, die sich nach meiner Einschätzung die übergroße Mehrheit dringend wünscht, würden es erleichtern, Schulen zu öffnen und vor allem auch offen zu halten.
Heinz-Peter Meidinger

Schulen müssten zu sicheren Orten gemacht werden, fordert Medinger. Dazu gehöre neben geimpften Lehrkräften auch FFP2-Masken, Filteranlage und mehr Abstand in den Klassenzimmern.

Spahn offen für "Alterskomponente"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte inzwischen an, dass die Impfverordnung überarbeitet werden soll. Allerdings: Man werde generell an einer Priorisierung festhalten, aber die "Alterskomponente" für den Astrazeneca-Impfstoff aufgreifen, so Spahn.

Die Gesundheitsminister der Länder stimmten sich ebenfalls am Samstag ab. Sie wollen eventuell am Montag entscheiden. An der grundsätzlichen Reihenfolge soll nicht gerüttelt werden. Diskutiert wird aber über eine Härtefallregelung, wie Jüngere schneller geimpft werden könnten. Solche Kommissionen gibt es bereits in Hamburg und Bayern, die über Einzelfälle entscheiden.

Söder: Hätte man sich vorher überlegen müssen

Eine Änderung der Impfordnung war bereits am Freitag gefordert worden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte:

Man muss die Impfpriorität überdenken.
Markus Söder

Wenn nun weniger Impfstoff geliefert werde und auch die Personengruppen sich änderten, dann müsse mehr in Krankenhäusern und Arztpraxen geimpft werden. Aber, kritisierte Söder, "das hätte man sich auch alles vorher überlegen können."

Die Schuldfrage sei wichtig und müsse geklärt werden, „aber jetzt geht es darum, schneller und mehr Impfstoff zu bekommen“, sagt Markus Söder (CSU), Ministerpräsident Bayern.

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Auch SPD-Chefin Saskia Esken und FDP-Vizevorsitzender Wolfgang Kubicki sagten den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, Personal von Krankenhäusern und Arztpraxen müssen jetzt mehr geimpft werden.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach brachte die Polizei ins Spiel, während FDP-Chef Christian Lindner auch für Lehrer und Erzieher ist. "Das sind ultra-systemrelevante Berufe. Die sollten früher ein Impfangebot bekommen als geplant", sagte Lindner dem Fernsehsender Phoenix.

Fraglich, ob Impfstoff übrig ist

Ob allerdings überhaupt Impfstoff für unter 65-Jährige übrig bleibt, ist fraglich. Derzeit sieht Spahns Impfverordnung vor, dass zuerst an der Reihe sind:

  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
  • ab 80-Jährige
  • Personal, das direkt mit Covid-19-Patienten zu tun hat
  • Personal, das mit vulnerablen Gruppen zu tun hat
  • Personal in Alten- und Pflegeheimen.

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Unter 65-Jährige sind in der Gruppe also schon drin. Spahns Rechnung insgesamt ist ohnehin höchst knapp kalkuliert:

  • Bis Ende März stehen 12 Millionen Impfdosen von den Herstellern Biontech/Pfizer und Moderna zur Verfügung.
  • Dazu kommt nun eine reduzierte Lieferung von Astrazeneca in Höhe von 3 Millionen Impfdosen.
  • Spahn geht davon aus, dass trotz aller Lieferschwierigkeiten beim Impfstoff bis Mitte Februar alle Menschen in Alten- und Pflegeheimen geimpft sind.
  • Bis Ende März alle über 80-Jährigen.

Von 12 Millionen Impfdosen von Biontech/Pfizer und Moderna lassen sich sechs Millionen Menschen impfen, da ja jeder zwei Dosen für den vollen Schutz braucht. Das wären ziemlich Spitz auf Knopf die Personengruppe 80 plus, die 2019 laut Statistischen Bundesamt 2019 bei 5,7 Millionen umfasste und jetzt auf 6,4 Millionen geschätzt wird.

1,5 Millionen Menschen unter 65 Jahre aus Gruppe eins könnten mit Astrazeneca geimpft werden. Auch das ist kaum ausreichend für alle: 2019 arbeiteten laut der Bundesagentur für Arbeit rund 2,8 Millionen Menschen in Gesundheitsberufen. Selbst wenn nicht alle mit Covid-19-Patienten in Kontakt sind: Die Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen haben laut Impfordnung auf jeden Fall einen Anspruch: Dort arbeiteten schon rund 600.000 Menschen. Viel Luft ist nicht.

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