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FAQ

Berichte über Blutgerinnsel : Was der Astrazeneca-Impfstopp bedeutet

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Deutschland setzt - wie schon einige andere europäische Länder - den Corona-Impfstoff von Astrazeneca vorerst nicht mehr ein. Was das bedeutet - ein Überblick.

Deutschland und weitere EU-Staaten unterbrechen nach Berichten über Blutgerinnsel nun ebenfalls den Einsatz des Covid-19-Impfstoffs von Astrazeneca. Aufgrund einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts setze die Bundesregierung die Erst- und Zweitimpfungen mit Astrazeneca vorsorglich aus, teilte das Gesundheitsministerium am Montag mit. Zahlreiche Impfzentren in Deutschland schlossen umgehend. Das Beratergremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Impfstoffsicherheit kommt am Dienstag zusammen, um sich mit dem Astrazeneca-Impfstoff zu befassen.

Wichtige Fragen bleiben mit dem Stopp allerdings offen - worum es geht: ein Überblick.

Warum nun der vorläufige Stopp für Astrazeneca?

Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) meldete sich am Montagmittag mit einer entsprechenden Empfehlung, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erläuterte. Hintergrund seien sieben in Deutschland gemeldete Fälle von Thrombosen der Hirnvenen, die in einem zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen stünden. "Wir müssen ausschließen, dass der Impfstoff schadet", begründete der PEI-Chef Klaus Cichutek im ZDF den Stopp von Astrazeneca. Von den sieben in Deutschland aufgetretenen Fällen verliefen drei tödlich, sagte Cichutek in der ARD.

Bisher wurde das Astrazeneca-Präparat in Deutschland über 1,6 Millionen Mal geimpft. Eine Zweitimpfung mit Astrazeneca erhielten bisher erst 217 Menschen.

Eine Polizeibeamtin wird mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca geimpft.

Nach neuen Thrombose-Fällen - Darum hat Deutschland Astrazeneca ausgesetzt 

Deutschland setzt Impfungen mit Astrazeneca vorübergehend aus, weil einzelne Geimpfte gesundheitliche Probleme bekamen. Ob ein Zusammenhang besteht, ist nach wie vor fraglich.

von Oliver Klein und Jan Schneider

Wie lange soll der Stopp für Astrazeneca dauern?

Der vorgesehene Fahrplan liegt nun erst einmal auf Eis. Als nächstes prüft die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) die Sache. Am Donnerstag will die Behörde eine neue Bewertung der Lage vornehmen und ihre Einschätzung mitteilen.

Schon an die Bundesländer ausgelieferte Dosen sollen zunächst dort bleiben, anstehende weitere Lieferungen will der Bund vorerst in seinem Zentrallager lassen und nicht weiterverteilen. Die EMA betonte aber, die Impfungen gegen das Coronavirus könnten fortgesetzt werden.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery, sagte, es spräche vieles dafür, dass die als Begründung angeführten Thrombosefälle in keinem kausalen Zusammenhang stünden.

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Wie wichtig ist Astrazeneca für die Corona-Impfungen?

Für den Fortschritt der Impfungen sollte das Mittel von Astrazeneca eigentlich eine immer bedeutendere Rolle spielen. Es ist leichter auch in normalen Praxen zu lagern und muss nicht so aufwendig gekühlt werden wie das Präparat von Biontech. Gerade erst wurde Astrazeneca nach neuen Studiendaten auch für Ältere empfohlen und nicht nur wie beim Start nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren.

Das Robert-Koch-Institut hat 5.480 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden gemeldet. 238 Menschen starben in Verbindung mit Covid-19.

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Und bis Ende März sollen mehr als zwei Millionen frische Dosen hinzukommen. Allerdings sollen auch die Mengen der anderen Impfstoffe vor allem von Biontech/Pfizer und Moderna stark hochgehen. Bei den bislang in Deutschland verabreichten Dosen macht der Impfstoff von Astrazeneca einen Anteil von 17 Prozent aus.

Was wird nun aus den Impfzielen für Deutschland?

Wie hart der Dämpfer für den Impf-Fortschritt ausfallen wird, ist ungewiss. Und zwar auch für die Zusicherung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), allen Bürgern bis zum Ende des Sommers am 21. September eine Impfung anbieten zu können - das stand ausdrücklich unter dem Vorbehalt, dass Lieferungen und Zulassungen wie geplant kommen.

Worum geht es beim Astrazeneca-Mittel nun medizinisch?

Wie das PEI erklärte, zeigte die Analyse neuer Daten eine auffällige Häufung einer speziellen Form sehr seltener Thrombosen in Hirnvenen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen und Blutungen in zeitlicher Nähe zu Astrazeneca-Impfungen. Bei Hirnvenen-Thrombosen kommt es zu einem Verschluss bestimmter Venen im Gehirn durch Blutgerinnsel.

Zentrales Symptom sind Kopfschmerzen. Daneben können Erkrankten etwa epileptische Anfälle, Lähmungen oder Sprachstörungen bekommen. Die Erkrankung tritt selten auf. Die große Mehrheit der Betroffenen sind Frauen unter 50 Jahren. Ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) führt zu einer erhöhten Blutungsneigung. Er tritt auf, wenn zu wenig Blutplättchen gebildet, zu viele abgebaut oder sie falsch verteilt werden.

Mögliche Ursachen dafür können etwa Infekte, Vitaminmangel, genetische Veranlagungen oder die Einnahme von Medikamenten sein. Als Symptome treten punktförmige Einblutungen in die Haut oder Schleimhäute auf, gelegentlich auch starkes Nasenbluten. Es gibt sehr seltene Situationen, in denen beide Ereignisse auftreten.

Der Infektiologe Professor Leif E. Sander von der Berliner Charité sieht keinen Grund zur Beunruhigung wegen einiger Thrombose-Fälle im Zusammenhang mit der Astrazeneca-Impfung. Das seien Nebenwirkung, die selten vorkämen, sagte er vor wenigen Tagen im ZDF:

Könnte man ein anderes Mittel für die nötige zweite Dosis nutzen?

Noch läuft es so: Wer die erste Spritze mit Astrazeneca-Impfstoff erhält, bekommt auch die zweite von Astrazeneca. Theoretisch wäre es auch möglich, verschiedene Impfstoffe zu spritzen - das wäre Experten zufolge immunologisch wahrscheinlich kein Problem. Jedoch liegen zu einer solchen Mischung keine Studiendaten vor, auch eine Zulassung gibt es nicht.

Der vorläufige Stopp dürfte aber zunächst kaum für Probleme bei der zweiten Dosis sorgen, so er nicht länger dauert: Zwischen Erst- und Zweitimpfung sollen bei Astrazeneca möglichst zwölf Wochen liegen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko).

Wie beurteilen Experten die Entscheidung?

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery befürchtet durch den Stopp einen Image-Schaden für das Vakzin. "Dass Menschen Thrombosen und Lungenembolien bekommen, muss nicht unbedingt etwas mit der Impfung zu tun haben", sagte er dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Eine grundsätzliche Überprüfung der Vorfälle begrüßte Montgomery allerdings.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach mit Blick auf das Aussetzen der Impfungen von einer "unglücklichen Entscheidung". Zwar sei das Risiko der beobachteten Thrombosen in Hirnvenen "mit großer Wahrscheinlichkeit" auf das Vakzin zurückzuführen. Es sei aber sehr gering, vor allem im Vergleich mit der Erkrankung Covid-19, die gerade bei Älteren "sehr sehr häufig tödlich verläuft."

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Auch Professor Stephan Becker, Leiter des Instituts für Virologie in Marburg spricht angesichts des Impfstopps von einer "unglücklichen Situation", aber: "Wenn so ein Verdacht im Raum steht, dann muss dem nachgegangen werden und solange muss die Impfung angehalten werden".

Die italienische Arzneimittelaufsicht Aifa stuft den Impfstoff von Astrazeneca als sicher ein. Das Verhältnis von Nutzen zu Risiko sei "weitgehend positiv", sagt Aifa-Direktor Nicola Magrini der Zeitung "La Repubblica".

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