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Diskussion um Impfstoffe - "Gespaltene Gesellschaft" bei Astrazeneca

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Man darf sich den Impfstoff nicht aussuchen, aber man kann ihn ablehnen. Dies wird in manchen Impfzentren und Hausarztpraxen zum Problem. Bleibt Astrazeneca jetzt ungenutzt?

Fläschchen mit dem Astrazeneca-Wirkstoff. Symbolbild
Fläschchen mit dem Astrazeneca-Wirkstoff. Symbolbild
Quelle: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

"Wir haben eine gespaltene Gesellschaft, etwa 30 Prozent der Menschen wollen Astrazeneca nicht mehr", berichtet der Vorsitzende des Hausärzteverbands Nordrhein-Westfalen, Oliver Funken, aus seinen Erfahrungswerten im Land. Der Corona-Impfstoff werde teilweise wie eine Art "Resterampe" behandelt. "Dabei wissen wir, dass das Astrazeneca-Vakzin ein guter Impfstoff ist", so Funken.

Biontech/Pfizer wird "gehypt"

Alle Impfstoffe seien gleich gut, betont der Mediziner. Doch derzeit werde eine emotionale Diskussion in der Bevölkerung geführt, die dem Impfprozess nicht förderlich sei. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer werde so als besonders "wertvoll gehypt". Doch wer jetzt keinen Impfstoff nehme, habe ein größeres Problem.

Die Menschen haben nicht begriffen, dass die Intensivstationen gerade mit Menschen aller Altersgruppen volllaufen.
Oliver Funken, Chef des NRW-Hausärzteverbands

Er persönlich würde empfehlen, Astrazeneca auch bei Menschen unter 60 Jahren ohne besondere Gerinnungsprobleme zu verwenden. Ein tatsächliches Risiko durch Astrazeneca betreffe in seinem Bundesland seiner Einschätzung nach nur etwa 300 Menschen. Täglich stünden frustrierte Patient*innen in seiner Praxis, die als Kontaktpersonen gerne geimpft werden würden, doch aktuell bekämen die Praxen bei weitem nicht genug Impfstoff, egal von welcher Sorte.

Was passiert mit dem Impfstoff?

Dabei gibt es anscheinend Impfstoffvorräte in den Kühllagern verteilt im ganzen Land. So befinden sich in den Lagern von Nordrhein-Westfalen derzeit 80.510 Astrazeneca-Dosen (Stand: 15. April). Davon würden in den nächsten zwei Tagen 31.460 Dosen an die Impfzentren ausgeliefert, so das Gesundheitsministerium. Die verbleibenden Dosen würden für Zweitimpfungen aufbewahrt.

Gleichzeitig klagen Hausarztpraxen im ganzen Land darüber, dass die Nachfrage um ein Vielfaches größer ist als die Mengen, die ihnen zugeteilt werden. Der Vorsitzende des hessischen Hausärzteverbands, Armin Beck, berichtet, er bekomme nächste Woche zwölf Impfdosen von Biontech/Pfizer und 20 Dosen des Astrazeneca-Präparats in seine Praxis nach Hofheim geliefert. Rund 500 Menschen hat Beck bereits auf seiner Warteliste. Wenn einer der Patient*innen über 60 Astrazeneca ablehne, landet die Person wieder auf der Warteliste und wird erst zu einem späteren Zeitpunkt geimpft.

Aufklärung soll Impfskepsis nehmen

Jedoch gibt es in Becks Praxis nach wie vor viele über 80-Jährige der Priorisierungsgruppe 1, denen Beck stark rät, sich so schnell wie möglich impfen zu lassen.

Es ist sinnlos, diesen Impfstoff zu verwerfen oder nicht zu benutzen.
Armin Beck, Chef des hessischen Hausärzteverbands

Christian Sommerbrodt, Hausarzt aus Wiesbaden, berichtet, unter den Voranmeldungen für Impfungen in seiner Praxis hätten sich nur rund ein Prozent für das Astrazeneca-Vakzin gemeldet. Er sei jedoch optimistisch, dass sich nach Aufklärungsgesprächen noch mehr Menschen für den Impfstoff entscheiden könnten.

Sommerbrodt muss dann so lange telefonieren, bis er im Patientenkreis, für den Astrazeneca empfohlen wird, Impfwillige findet. Zudem ist es wichtig, dass die Ärzt*innen selbst anrufen, um möglicherweise Ängste zu zerstreuen, etwas wofür Sommerbrodt in seinem übervollen Terminkalender nun zusätzlich Zeit finden muss.

Sorge vor rechtlichen Konsequenzen

Menschen, die unter 60 Jahre alt sind, würde Sommerbrodt nicht aktiv von Astrazeneca überzeugen, da er hier rechtliche Probleme im Falle von Nebenwirkungen fürchtet. Von Seiten des Bundes hieß es, jüngere Menschen könnten sich unter eigenem Risiko von Hausärzt*innen mit Astrazeneca impfen lassen.

Ab Montag erfährt Sommerbrodt von seiner örtlichen Apotheke, wie viele Impfdosen er überhaupt für kommende Woche erhält, dann erst wird er die Termine mit seinen Patient*innen planen können.

Der Autorin bei Twitter folgen @Alica_Jung

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