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Erst Astrazeneca, dann Biontech - So wirkt die Impfstoff-Kombination

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Wer früh eine Astrazeneca-Impfung bekommen hat, soll bei der Zweitimpfung mit Biontech geimpft werden. Jetzt gibt es erste Studienergebnisse - mit vielversprechendem Ausgang.

Ampullen mit Impfstoff von AstraZeneca
Astrazeneca und Biontech kombinieren: Was bringt das?
Quelle: reuters

Eine silberglänzende Nadel, ein kleiner Piks, dann ist es vollbracht. Die 31-jährige Clara Simon ist geimpft und das schon zum zweiten Mal. "Ich war vor allem richtig glücklich", sagt sie. Das Besondere: Clara wird heterogen geimpft. Das heißt, ihre erste Impfung gegen das Coronavirus war mit einem anderen Impfstoff als ihre Zweitimpfung.

Clara arbeitet im Krankenhaus. Vor etwa zwölf Wochen - lange vor der Debatte um die Nebenwirkungen bei Astrazeneca - gehört Clara zu den Ersten, die mit dem britisch-schwedischen Vakzin geimpft werden. Etwas später beginnt in Deutschland der Diskurs. Erste seltene Hirnvenenthrombosen treten in sehr wenigen Fällen auf. Die Impfungen mit Astrazeneca werden erst ausgesetzt, dann wieder aufgenommen.

Archiv: Eine Ampulle mit Corona-Impfstoff von AstraZeneca wird in einem Impfzentrum beschriftet.
Interview

Virologe zu Astrazeneca - Stiko geht den "sicheren Weg" 

Jüngere, mit Astrazeneca Geimpfte, sollen bei der zweiten Dosis einen anderen Impfstoff erhalten - schreibt die Stiko. Ein Virologe verteidigt das Vorgehen.

Studie aus Spanien zu Astrazeneca und Biontech

Heute empfiehlt die Ständige Impfkommission den Impfstoff nur noch für über 60-Jährige. Trotz damals dünner Studienlage sollen Menschen, die schon eine Impfung mit Astrazeneca haben, heterogen geimpft werden. Erst der Vektorimpfstoff, dann der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna. So auch bei Clara.

Nun werden erste Studienergebnisse veröffentlicht. Forschende aus Spanien haben die Kombination der Impfstoffe von Astrazeneca und Biontech/Pfizer untersucht - mit vielversprechenden Erkenntnissen.

Sie kommen zu dem Schluss, dass das Impfschema aus einer ersten Dosis Astrazeneca und einer zweiten von Biontech/Pfizer hochwirksam ist. So sei nach der zweiten sogenannten "Booster"-Dosis die Menge der Antikörper stark angestiegen. Die dabei erzeugten Antikörper seien zugleich wirksam gegen Sars-CoV-2.

Die Reaktion des Immunsystems ist nach der zweiten Dosis des Comirnaty-Impfstoffs stark verstärkt, während die beobachteten unerwünschten Wirkungen im erwarteten Bereich liegen.
Forschende des Instituto de Salud Carlos III

Steigende Antikörper durch Kombi-Impfung

Genaue Daten werden die Forschenden noch nachliefern müssen, denn bisher erschienen sie nur in einer Pressemitteilung. Der Dortmunder Immunologe Carsten Watzl hält die Erkenntnisse aus Spanien trotzdem für sehr plausibel.

"Sie bestätigen Ergebnisse aus vorherigen Studien mit Mäusen. Auch dort zeigte sich: Wenn man erst mit einem Vektor- und danach mit einem mRNA-Vakzin impft, führt das zu einem höheren Spiegel neutralisierender Antikörper", sagt der Generalsekretär der deutschen Gesellschaft für Immunologie zu ZDFheute.

Ich vertraue den spanischen Forschenden - aber natürlich müssen wir erst einmal gucken, was da noch kommt. Vor allem müssen sie noch Daten zur Menge der T-Zellen nachliefern.
Carsten Watzl, Immunologe an der TU Dortmund

Was ist zur Verträglichkeit von Kombi-Impfung bekannt?

Was in der Studie allerdings fehlt, ist eine Vergleichsgruppe mit Menschen, die beide Dosen desselben Corona-Impfstoffs erhalten hat. Nur so sei die Leitfrage mit Blick auf die Kombi-Impfungen zu beantworten, meint der Berliner Immunologe Leif Erik Sander: Gibt es dabei einen Vorteil im Vergleich zu einer Immunisierung mit zwei Dosen ein und desselben Impfstoffs? Die Erkenntnis, dass mit einer "Booster"-Impfung die Anzahl der Antikörper steigt, sei wenig überraschend, sondern genauso erwartet worden.

Daten dazu solle es aber bald aus Großbritannien geben. Aktuell vergleichen britische Forschende heterogen mit homogen Geimpften. Auch ein Team um Sander hat sich mit der Impfstoff-Kombination aus Biontech und Astrazeneca beschäftigt - da aber vor allem auf Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Fieber oder Müdigkeit geschaut.

Ihr Ergebnis: Hält man den empfohlenen Impfabstand von zwölf Wochen nach der ersten Impfung mit Astrazeneca ein, zeigt sich bei der Kombi-Impfung eine bessere Verträglichkeit als wenn man beide Male Biontech/Pfizer verabreicht bekommt.

Gesundheitsminister Spahn erläutert die aktuelle Corona-Impfstrategie und wie die drei Impfstoffe genutzt werden. Außerdem stellt er eine Kombination von Impfstoffen in Aussicht.

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Wie effektiv ist Kombination von Astrazeneca und Biontech?

Mit Blick auf die Frage nach der Effektivität spricht Carsten Watzl zufolge einiges dafür, dass erst einen Vektor- und danach einen mRNA-Impfstoff zu verabreichen, hochwirksam sein könnte.

Es kann sogar sehr sinnvoll sein, erst einen Vektor- und danach einen mRNA-Impfstoff zu verabreichen. Weil Vektorimpfstoffe eher die T-Zellen anregen und mRNA-Impfstoffe eher die Antikörper.
Carsten Watzl, Immunologe an der TU Dortmund

Man habe auch in der Vergangenheit gesehen, dass es kein Problem sei, Impfstoffe zu kombinieren. Es sei üblich, Menschen mit verschiedenen Impfstoffgruppen zu immunisieren. "So wurde früher zum Beispiel häufig erst ein Lebendimpfstoff verwendet und dann bei der Auffrischung ein Totimpfstoff. Auch bei der Impfung gegen Ebola hat sich gezeigt, dass es wirksam und sicher ist, erst einen proteinbasierten Impfstoff zu verabreichen und danach einen Vektorimpfstoff", erklärt Watzl.

Man weiß, dass beide Impfstoffe von Biontech und Astrazeneca sicher sind, daher kann man beide Vakzine guten Gewissens kombinieren.
Carsten Watzl, Immunologe an der TU Dortmund

Nach zweiter Dosis "nur der Arm hat etwas wehgetan"

Auch Frankreich, Schweden, Norwegen und Dänemark vertrauen auf die Impf-Kombination. In anderen Ländern wird die heterogene Impfung noch geprüft, soll aber auch in Zukunft möglich sein.

Noch nicht ganz geklärt ist, wie mit Menschen unter 60 umgegangen wird, die sich nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission freiwillig für eine Impfung mit Astrazeneca entschieden haben. Das RKI verweist auf ZDF-Anfrage auf die Verantwortung der Arztpraxen. Denn die Empfehlung der Ständigen Impfkommission gilt zwar auch hier, am Ende bleibt es aber eine Einzelfallentscheidung – entscheidend wird wohl auch sein, was zum Zeitpunkt der Zweitimpfung zur Verfügung steht.

Clara Simon hatte nach ihrer zweiten Impfung mit Biontech keine Nebenwirkungen "nur der Arm hat etwas wehgetan", sagt sie. Sollten sich die Studienergebnisse bestätigen, ist sie in Zukunft gut geschützt.

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