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Immer noch reihenweise Partys in den Kneipen

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Trotz Corona-Krise - Immer noch reihenweise Partys in den Kneipen

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"Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst", appelliert Kanzlerin Merkel an die Deutschen. Doch ein nächtlicher Rundgang in Leipzig zeigt: Merkels Worte zum Coronavirus verpuffen.

Ein Schild "Sie werden platziert" steht in einer Leipziger Kneipe
In Leipzig haben trotz der Corona-Krise immer noch viele Bars, Spätis oder Donerläden geöffnet.
Quelle: dpa

Leipzig, Karl-Liebknecht-Straße, kurz: Karli. Die beliebte Kneipenstraße der Stadt. Es ist Mitternacht und für einige ist Corona weit weg. In der Shisha-Bar "Rababa" sitzen sie dicht beieinander. Vorne am Tresen ein paar Studentinnen. Am Tisch nebenan vier junge Männer, die sich eine Shisha-Pfeife teilen. Der Laden ist gut gefüllt, etwa 25 meist junge Besucher kümmern sich wenig um Tröpfcheninfektion und zwei Meter Sicherheitsabstand.

Ein bisschen weiter: Der Burger King, menschenleer. Andere Kneipen haben ganz geschlossen. Es sind deutlich weniger Menschen auf der Straße als sonst, vor allem weniger Studenten. Doch auch um halb 1 in der Nacht sind viele Spätis, Dönerläden oder Bars geöffnet. Vor einem stehen etwa 15 Menschen. Wer sich ihnen nähert, und fragen will, ob sie keine Angst vor Corona haben, bekommt eine eindeutige Antwort: "Verpiss dich!"

Ausgangssperren in Deutschland als letzte Konsequenz?

Diese Szenen dürften der Kanzlerin nicht gefallen. "Es ist ernst. Nehmen Sie es ernst", hatte sie am Abend in ihrer Fernsehansprache über die Corona-Pandemie gesagt und an die Solidarität der Bevölkerung appelliert. Von Ausgangssperren redet Merkel nicht. "Wir leben nicht von Zwang", sagt sie. Doch die Lage sei dynamisch und es könnte sein, dass man "mit anderen Instrumenten reagieren" müsse. Das ist eigentlich ziemlich deutlich.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henrieke Reker wird noch ein bisschen deutlicher. "Viele haben offenbar leider nicht ganz verstanden, dass wir mit den ständigen Appellen zur Vermeidung sozialer Kontakte und harten Maßnahmen versuchen, Zeit zu gewinnen", twittert sie am frühen Abend. Um dann hinterherzuschieben: "Wer sich nicht daran hält, verhält sich unsolidarisch und macht Ausgangssperren wahrscheinlicher."

Virologe gegen Ausgangssperre wegen Coronavirus

Aber wäre das mehrheitsfähig? Zumindest würde das die Mehrheit einer kleinen, nicht repräsentativen Twitter-Umfrage mit etwa 550 Teilnehmern gut finden. "Leider kann man nicht darauf vertrauen, dass die Leute Abstand zueinander halten", begründet das ein Nutzer. Ein anderer sagt Ja, wenn alles andere wie das Schließen von Restaurants nichts bringe. Ein dritter Nutzer ist aber eher gegen Verbote. "Ich hoffe, die Vernunft der Leute setzt sich durch", schreibt er.

Doch was bringt eine Ausgangssperre, wie sie etwa in Frankreich gilt? Nicht besonders viel, sagt Virologe Jonas Schmidt-Chanasit in der ZDF-Sendung "Markus Lanz". "Ich bin der Meinung, der Effekt, den wir zugewinnen können, wird nicht besonders groß sein." Er plädiert eher dafür, dass die Polizei Versammlungen gezielt auflöse, so wie beispielsweise in Österreich. Außerdem seien bereits massive Maßnahmen ergriffen worden und Deutschland müsse eher eine langfristige Strategie mit Augenmaß finden.

Warnung vor Anstieg der häuslichen Gewalt

Auch der Soziologe Harald Welzer warnt vor den dramatischen Folgen, die eine Ausgangssperre haben könnte. "Für drei, vier Tage, für eine Woche kann das lustig sein und interessant", sagt er. Aber wenn eine derartige Extremsituation länger dauere, könne sie auch zu sehr viel Stress etwa in der Familie führen. Erwartbar wäre zum Beispiel die Zunahme häuslicher Gewalt.

Eine Ausgangssperre könnte ziemlich schnell kritisch werden, es ist eine Abwägungsfrage, was dabei für Schäden entstehen.
Harald Welzer, Soziologe

Und so appelliert die Kanzlerin erst einmal an die Vernunft der Deutschen. Eine Ausgangssperre erscheint - Stand jetzt - nur als letztes Mittel. Doch angesichts der vielen Party-Szenen, die Instagram-Nutzer geradezu trotzig veröffentlichen, wären auch Ausgangssperren denkbar. Und dann könnte bald auch Ruhe sein auf der Karli in Leipzig.

Der Autor dieses Artikels befindet sich zurzeit im Homeoffice. Die beschriebenen Szenen zu Beginn des Textes hat ihm ein Kollege per Videobotschaft übermittelt.

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