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Biontech-Chef Sahin : Bei Impfstoffen sieht es "nicht rosig" aus

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Die Zahl der gegen Corona Geimpften ist in Deutschland noch gering, auch weil Impfstoff noch rar ist. Das liegt jedoch nicht nur am Herstellungsprozess, sagt Biontech-Chef Sahin.

Der Mainzer Hersteller Biontech will mehr Corona-Impfstoff als bisher geplant an die Europäische Union liefern. Das Unternehmen befinde sich "in fortgeschrittenen Diskussionen, ob und wie wir weitere Impfstoffdosen aus Europa für Europa in diesem Jahr zur Verfügung stellen können", teilte Unternehmenschef Ugur Sahin am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mit.

Hintergrund sind Klagen über die Knappheit von Impfstoff in Deutschland und anderen EU-Staaten. Sowohl Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) als auch die EU-Kommission müssen sich Kritik anhören.

Sahin will neue Kooperationspartner gewinnen

Biontech-Chef Ugur Sahin geht davon aus, dass das Unternehmen Ende Januar Klarheit über die weiteren Produktionsmengen für den Corona-Impfstoff haben wird. "Wir versuchen, neue Kooperationspartner zu gewinnen, die für uns produzieren. Aber es ist ja nicht so, als stünden überall in der Welt spezialisierte Fabriken ungenutzt herum, die von heute auf morgen Impfstoff in der nötigen Qualität herstellen könnten", sagte Sahin dem "Spiegel".

Ende Januar haben wir Klarheit, ob und wie viel wir mehr produzieren können.
Ugur Sahin, Biontech

In EU ist bisher nur der Biontech-Impfstoff zugelassen

Derzeit sehe es hinsichtlich der insgesamt verfügbaren Impfstoffe gegen Covid-19 "nicht rosig" aus, "weil weitere zugelassene Impfstoffe fehlen und wir mit unserem Impfstoff diese Lücke füllen müssen", meinte Sahin.

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Daher sei man mit dem US-Partner Pfizer daran, die Möglichkeit für eine erhöhte Produktion des eigenen Präparats auszuloten. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer wurde kurz vor Weihnachten in der EU zugelassen und wird seit einigen Tagen auch verabreicht. Weitere Zulassungen für Corona-Impfstoffe gibt es in der EU bisher nicht.

"Aufgrund der aktuell hohen Infektionszahlen ist eine zügige Impfstoffversorgung besonders wichtig", betonte Sahin. "Wir arbeiten mit der EU zusammen, um unsere Produktionskapazitäten weiter auszubauen und zusätzliche Impfstoffdosen bereitstellen zu können."

Sahin: "verwundert" über europäische Bestellpolitik

Die EU-Kommission hat nicht nur bei Biontech, sondern auch bei fünf weiteren Firmen mit aussichtsreichen Impfstoffkandidaten bestellt, insgesamt zwei Milliarden Dosen für die rund 450 Millionen EU-Bürger. Doch sind die anderen Mittel noch nicht zugelassen. Dazu sagt Sahin:

Es gab die Annahme, dass noch viele andere Firmen mit Impfstoffen kommen. Offenbar herrschte der Eindruck: Wir kriegen genug, es wird alles nicht so schlimm, und wir haben das unter Kontrolle. Mich hat das gewundert.
Ugur Sahin, Biontech-Gründer

Zu der Frage, ob Biontech andere Hersteller zur Produktion des neuen Impfstoffes lizenzieren könne, betonte Sahin die Komplexität bei der Herstellung von sogenannten mRNA-Impfstoffen:

Da kann man nicht einfach umschalten, so dass statt Aspirin oder Hustensaft plötzlich Impfstoff hergestellt wird. Der Prozess braucht jahrelange Expertise und eine entsprechende bauliche und technologische Ausstattung.

Biontech-Chef Sahin rechnete im November damit, dass noch 2020 50 Millionen Dosen Impfstoff hergestellt werden könnten. Diese würden an Länder verteilt, wo es eine Genehmigung gebe.

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Mehrere Politiker hatten zuletzt gefordert, die Impfstoff-Produktion deutlich zu beschleunigen. FDP-Chef Christian Lindner verlangte, die rechtlichen, wirtschaftlichen, politischen und technologischen Voraussetzungen für eine "Krisenproduktion" zu schaffen. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte mehr Tempo bei der Vakzin-Produktion.

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