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Diskussion um Drittimpfung : Booster für alle oder doch nicht?

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Es ist ein Hin und Her mit den Booster-Impfungen: Gesundheitsminister Spahn will sie für alle, die Stiko empfiehlt sie aber noch nicht so. Wie entsteht dieses Durcheinander?

Booster für alle oder nur für manche? Diese Frage beschäftigt seit mehreren Tagen die öffentliche Diskussion um den Ausweg aus der vierten Corona-Welle.

Sander: Schutz nach dritter Impfung 20 Mal höher

Medizin-Experten setzen große Erwartungen in die Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus: Der Schutz könne nach einer dritten Impfung weit höher liegen als nach der zweiten Dosis, meint Leif Erik Sander, der Leiter der Forschungsgruppe für Infektionsimmunologie an der Berliner Charité. Studien aus Israel hätten gezeigt, dass die Schutzwirkung nach der dritten Impfung 20 Mal höher sei als nach der zweiten.

Deswegen gehe ich fest davon aus, dass sich für die mRNA-Impfstoffe über kurz oder lang ein Drei-Dosis-Regime etablieren wird und wir im Verlauf auch allen Erwachsenen eine Booster-Impfung anbieten werden.
Leif Erik Sander, Leiter der Infektionsimmunologie an der Charité

Sander hat mit einer Gruppe von Forscher*innen außerdem untersucht, wie sich die Schutzwirkung der Impfung von Biontech im Laufe der Zeit verändert: 40 Prozent der Menschen über 70 wiesen nach sechs Monaten keine neutralisierenden Antikörper mehr gegen die Delta-Variante auf.

Auffrischung bisher für über 70-Jährige empfohlen

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Corona-Auffrischungsimpfung aber nur für Menschen ab 70 Jahren. Außerdem sollen Bewohnern und Bewohnerinnen von Altenheimen sowie Pflegepersonal und anderen Mitarbeitern mit direktem Kontakt zu Betreuten in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen eine Auffrischungsimpfung angeboten werden. Das gilt auch für das Personal in medizinischen Einrichtungen mit direktem Patientenkontakt.  

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spricht sich dagegen aber trotzdem bei jeder Gelegenheit für Booster-Impfungen für jeden, der sie haben will, aus.

Impfstoff ist da, Zulassung ist da, Erkenntnisse aus anderen Ländern sind da, warum soll jemand nicht eine Dritte Impfung bekommen können.
Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister

Booster-Impfung: Was also tun?

"Wir stehen prinzipiell vor einer ähnlichen Fragestellung wie beim Start der Impfungen: Sollen wir erstmal die Hochrisikopatienten boostern, um die Last von den Krankenhäusern zu nehmen, oder boostern wir möglichst schnell breit, um die Anzahl der Impfdurchbrüche zu reduzieren und damit insgesamt das Infektionsgeschehen wieder besser in den Griff zu bekommen." So fasst der Frankfurter Virologe Martin Stürmer die aktuelle Situation auf Anfrage von ZDFheute zusammen.

Es gäbe zum jetzigen Zeitpunkt für eine allgemeine Empfehlung noch keine ausreichend validierten wissenschaftlichen Daten bezüglich des Zeitpunkts, ab wann auch für junge immungesunde Menschen eine Boosterung nötig sei. Offen sei auch, ab welchem Antikörperwert eine Boosterung generell unabhängig von Alter, Vorerkrankungen und ähnlichem notwendig sein wird. Die Stiko prüft das aktuell und will sich in einigen Wochen dazu äußern.

Warum dauert es noch so lange bis zur Stiko-Entscheidung?

Warum diese Entscheidung so lange dauert, hat die Immunologin Christine Falk bei ZDFheute live erklärt:

Die Stiko ist nicht langsam, sie arbeitet nur sehr genau.
Christine Falk, Immunologin

Die Stiko fordere von Studien das höchste Evidenzniveau, das bedeute, sie habe sehr hohe Ansprüche an den Aufbau und die Durchführung der Studien, so Falk. Daher dauere die Bewertung von Daten länger als in anderen Gremien. Ob dieses Vorgehen, das sonst der absolute Goldstandard sei, in einer Pandemie auch noch sinnvoll ist, darüber könne man diskutieren.

Gesundheitsminister Spahn sprach sich bei der Bundespressekonferenz am Mittag dafür aus, auch ohne Stiko-Empfehlung zu handeln:

Wenn alle Länder so auf Daten warten würden, bevor sie etwas tun, hätten wir keine Daten.
Jens Spahn

Booster-Impfungen haben Einfluss auf Infektionsgeschehen

Dass Auffrischungsimpfungen einen Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben, lässt sich am besten in Israel beobachten. Dort wurde Ende Juli mit den Dritt-Impfungen für alle begonnen. Damals stiegen die Infektionszahlen wieder stark an, erreichten einen Höhepunkt bei einer landesweiten Inzidenz von fast 900 im August. Mit dem Anlaufen der Dritt-Impfungen sank die Inzidenz wieder rapide ab auf unter 50 Ende Oktober.

Israel hat sich aus der Delta-Welle rausgeboostert.
Leif Erik Sander

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Länder können auch unabhängig von der Stiko handeln

Gebunden sind die für die Impf-Kampagnen zuständigen Landesregierungen nicht an die Empfehlung der Stiko. Der Impfstoff ist zugelassen und kann auch ein drittes Mal verimpft werden. Ein Kämpfer für Booster-Impfungen ist Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). "Am Ende wird jeder zu einer Auffrischungsimpfung kommen müssen", meinte Söder heute in München. Es mache dabei Sinn, dass die Menschen einen Antikörpertest machen, um zu prüfen, ob eine Booster-Impfung nötig sei.

Auch Berlin ruft bereits zu großflächigen Booster-Impfungen auf. Alle, deren vollständige Impfung mindestens sechs Monate zurückliegt, können sich hier ein drittes Mal impfen lassen.

Ein einheitliches Vorgehen der Länder bei den Booster-Impfungen ist aber bisher nicht in Sicht.

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