Sie sind hier:

Kurswechsel der Bundesregierung - Deutscher Alleingang bei Corona-Medikamenten

Datum:

Was für die Bundesregierung beim Impfstoff-Kauf undenkbar war, wird nun bei der Beschaffung von Corona-Medikamenten Realität. Das gibt Lob von der FDP, birgt aber auch ein Risiko.

Zugelassen sind die Medikamente in der EU noch nicht.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

400 Millionen Euro hat die Bundesregierung in die Hand genommen, um ingesamt 200.000 Dosen zweier Antikörper-Medikamente gegen das Coronavirus einzukaufen. Eine kostspielige Maßnahme, die den Kampf gegen das Virus auf den Stationen deutscher Universitäts- und Spezialkliniken unterstützen - und Leben retten soll.

Weltweit noch keine Vollzulassung

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht damit, anders als beim Impfstoff, ins Risiko. Denn die Medikamente mit den ausgefallenen Namen "Bamlanivimab" und "Casirivimab/Imdevimab" (letzteres ist auch als REGN-COV-2 bekannt) sind noch nirgendwo auf der Welt zugelassen. In den USA haben sie aufgrund einiger kleinerer Testreihen lediglich eine Notfallzulassung erhalten, in der EU sind sie überhaupt nicht zugelassen.

Das Paul-Ehrlich Institut (PEI) - Deutschlands Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel - gibt die beiden Medikamente jedoch "nach individueller Nutzen/Risiko-Einschätzung" in Deutschland für Spezialkliniken frei. Ein Schritt, der ähnlich beim Impfstoff - zum Beispiel durch eine Notfallzulassung - möglich gewesen wäre. Die Bundesregierung geht ihn erst jetzt beim Kauf der Medikamente.

Gesundheitsminister Spahn hat zwei Präparate bestellt, die den Krankheitsverlauf bei Corona-Patienten abmildern sollen. Doch Wissenschaftler sind uneinig über die Wirksamkeit.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Staat muss bei Schäden an Patienten haften

Für die Bundesregierung ist das auch deshalb ein mutiger Weg, da sich an der Art der Zulassung die Frage der Haftung entscheidet. Dank der europäische Zulassung des Corona-Impfstoffs durch die Europäische Arzneimittelbehörde (Ema) konnte vermieden werden, dass die EU-Länder bei Schadensersatzklagen von Patienten haften müssen. Beim Kauf der Medikamente durch die Bundesregierung haftet der Staat, sollte durch den Einsatz der monoklonalen Antikörper Schaden an Patienten enstehen, erklären die Anwälte für Arzneimittelrecht Manja Epping und Peter von Czettritz übereinstimmend.

Die Haftung liegt beim Staat und nicht bei den Herstellern.
Peter von Czettritz, Anwalt für Arzneimittelrecht
Labor der US-Firma Regeneron; New York, USA; 17.12.2020

Spahn ordert 200.000 Dosen - Antikörper-Medikamente: Das sagen Experten 

Die Bundesregierung hat für Deutschland zwei neue Corona-Medikamente auf Antikörper-Basis gekauft, darunter das, mit dem Ex-US-Präsident Trump behandelt wurde. Was bringen sie?

von Lukas Wilhelm

Lob und Skepsis bei der Opposition im Bundestag

Der Ankauf und Einsatz der Corona-Medikamente durch die Bundesregierung wird in der FDP-Bundestagsfraktion als "Kurswechsel" von Gesundheitsminister Jens Spahn gedeutet. "Mit Blick auf den schleppenden Verlauf der Impfstoffbestellungen war es wichtig, Lehren zu ziehen und vorausschauend zu handeln. Daher ist es richtig, bereits vor Zulassung prophylaktisch Corona-Medikamente zu bestellen", lobt die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Christine Aschenberg-Dugnus, die Entscheidung. So könne eine künftige Knappheit der Medikamente vermieden werden.

Die Grünen-Abgeordnete, Kordula Schulz-Asche, widerspricht dieser Einschätzung. Ein Kurswechsel des Gesundheitsministers im Vergleich zur Impfstoff-Bestellung, sei das nicht. "Der Kauf der monoklonalen Antikörper sollte nicht überbewertet werden – ihren tatsächlichen Nutzen werden sie erst noch unter Beweis stellen müssen", erklärt sie.

Zwei Medikamente sollen Covid-19-Patienten helfen. Biotechnologe Prof. Dübel erklärt bei ZDFheute live, wie die Mittel wirken - und welche Perspektive sie Risikopatienten bieten.

Beitragslänge:
27 min
Datum:

Einsatz der Medikamente in der Wissenschaft umstritten

Die neuen Medikamente, auf die die Bundesregierung nun ihre Hoffnung setzt, sind in der Wissenschaft nicht unumstritten. Gegenüber dem ZDF äußerte der Vorsitzende der deutschen Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Prof. Wolf-Dieter Ludwig, Bedenken. Die Medikamente seien zu wenig getestet, ihre Wirksamkeit bei der Behandlung von Covid-19-Patienten nicht ausreichend belegt. "Unbedingt" sollte der Einsatz derzeit nur im Rahmen von klinischen Studien erfolgen, erklärte Ludwig.

Anders sieht das eine Fachgruppe am Robert-Koch-Institut. Die Medikamente seien eine "vielversprechende Therapieoption" in der frühen Phase einer Coronavirus-Infektion und kommen auch als Prophylaxe nach Kontakt mit dem Erreger in Frage.

Zwei Pharmakonzerne haben die Forschung an ihren Corona-Impfstoffen aufgegeben. Gleichzeitig gibt es bei den funktionierenden, zugelassenen Präparaten Lieferschwierigkeiten.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Einsatz der Medikamente erfolgt umgehend

Während in vielen Bundesländern aufgrund von Lieferengpässen des von der EU-Kommission bestellten Biontech-Impfstoffs Impf-Termine verschoben oder abgesagt werden, soll der Einsatz der Medikamente zügig an den Start gehen. Bereits in dieser Woche werden die monoklonalen Antikörper zur Bekämpfung des Virus in deutschen Unikliniken zur Verfügung stehen, gab Spahn in einem Zeitungsinterview am vergangenen Sonntag bekannt.

Auf eine schriftlichen Anfrage der ZDFheute-Redaktion, warum die Bundesregierung bei der Bestellung der Medikamente eigenständig vorging und nicht - wie bei der Bestellung des Impfstoffs - die Zusammenarbeit mit der EU vorzog, antwortete das Gesundheitsministerium allerdings nicht.

Zu sehen ist ein Corona-Virus mit den erkennbaren Spike-Proteinen.

Nachrichten | Panorama - Corona-Mutation: Was sie so gefährlich macht 

Die Corona-Pandemie hat bei uns eine neue Phase erreicht. Ein Rechenbeispiel zeigt, warum die Verbreitung von Mutationen jetzt so gefährlich ist.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.