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Corona - Wie China das Virus unter Kontrolle hat

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Alles fing in der Stadt Wuhan an. Von dort ging das Coronavirus um die ganze Welt. Nur in China scheint es fast verschwunden. Das Erfolgsrezept: Kontrolle ohne Rücksicht.

Pendler schauen auf ihre Smartphones, während sie durch eine U-Bahn-Station in Peking gehen
Gut ein Jahr nach dem Ausbruch im Land gilt das Coronavirus in China als so gut wie besiegt, auch dank Maskenpflicht.
Quelle: dpa/Mark Schiefelbein

Peking wirkt, als hätte es Corona nie gegeben. Seit Wochen gibt es nur wenige bis gar keine neuen Fälle. Auch wenn man die Genauigkeit der niedrigen Zahlen hinterfragen kann, der Trend ist unbestreitbar. China hat Corona im Moment besiegt. Das Leben pulsiert wieder, die Menschen gehen arbeiten, einkaufen, feiern. Es herrscht Alltag.

Das Geisterhafte ist aus Peking entwichen. Die Welt leidet unter Corona, das Land, aus dem das Virus wohl kam, tut das nicht mehr. Selbst Chinas Wirtschaft scheint wieder zu boomen. Und ist ein Hoffnungsschimmer für die internationale Gemeinschaft, deren Volkswirtschaften das Virus gefährlich infiziert hat.

Lockdowns und Corona-Tests für Millionen

China kommt wohl als Gewinner aus der Corona-Krise. Das Erfolgsrezept ist einfach: Kontrolle, Kontrolle und noch einmal Kontrolle. Gnadenlos sperrten Pekings Machthaber ganze Städte und Regionen ab und die Menschen von einem Tag auf den anderen ein. Zwischen Januar und März befanden sich 780 Millionen Menschen in einem strengen Lockdown.

Wir können nur erahnen, wie hoch der Preis dieser Kontrolle war. Die mutigen chinesischen Bürgerreporter, die das Chaos, das Leid und die Verzweiflung der Menschen am Anfang zeigten, sind längst verhaftet oder verschwunden. Pekings Machthaber verhinderten aber die große Katastrophe; es gab relativ wenig Tote für 1,4 Milliarden Menschen.

Im Vergleich zu anderen Staaten ist China glimpflich durch die Pandemie gekommen. Dort, wo das Coronavirus Ende 2019 ausgebrochen ist, wird schon wieder ausgelassen gefeiert.

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Testkapazitäten auch für Mega-Städte

Am Ende ist es ein sehr chinesischer Triumph: Es zählt das Volk, nicht der Einzelne. Dieser Triumph wird täglich weiter verteidigt. Die Reisebeschränkungen innerhalb Chinas sind weitgehend aufgehoben, es gibt keine generellen Lockdowns mehr, aber Kontrolle und Wachsamkeit sind geblieben. Überall muss man die Gesundheits-App herunterladen. In Fahrstühlen und öffentlichen Verkehrsmitteln muss man eine Maske tragen. In geschlossen Räumen gehört es oftmals zum guten Ton. Niemand stellt das Tragen in Frage.

Was der Staat anordnet, setzt die Bevölkerung um. Falls neue Infektionsherde, sogenannte Hotspots, auftauchen, kann China sehr schnell reagieren. Das Land hat seine Testkapazitäten so weit hochgefahren, dass es in der Lage ist, innerhalb von zwei Wochen Millionenstädte durchzutesten.

Kampf gegen Corona als Kampf der politischen Systeme

China fürchtet jetzt vor allem, dass das Virus von außen ins Land kommen könnte. Die Regierung hat deshalb die Einreisekriterien noch einmal verschärft. Wer nach China will, muss jetzt nicht nur einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen, sondern auch einen Bluttest, um zu belegen, dass er keine Antikörper gebildet hat. Die zwei Wochen Quarantäne nach der Ankunft in China gelten natürlich weiter.

Gezielt lässt Präsident Xi seine Staatsmedien mit dem Finger auf das Ausland zeigen. Er hat alle Fakten aus dem öffentlichen Bewusstsein gelöscht, die nur ansatzweise das Versagen seiner Regierung beschreiben. Chinas Schuld an der weltweiten Krise soll es nicht geben. Der Grund ist einfach. Der Kampf gegen Corona ist auch ein Duell der politischen Systeme.

UN-Generaldebatte -
Trump greift China scharf an
 

Peking habe das "China-Virus" nicht gestoppt, wettert Trump Ende September vor der virtuellen UN-Vollversammlung - und verspricht eine Corona-Impfung in naher Zukunft.

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Massenimpfungen seit Wochen

Chinas Gleichung geht ganz einfach: Die Diktaturen könnten Viren besser bekämpfen als Demokratien, weil sie keine Rücksicht auf Rechte ihrer Bevölkerungen nehmen müssten. Dass China den Ausbruch des Virus lange verschweigen konnte, weil es die öffentlichen Debatten kontrolliert und lenkt - dieser Systemfehler einer unfreien Gesellschaft wird zu verdrängen versucht.

China hofft, beim Duell der Systeme noch eine andere Trumpfkarte ziehen zu können. Das Land arbeitet fieberhaft daran, den entscheidenden Impfstoff zu produzieren. Es ist schwer zu sagen, wie weit Peking mit der Erforschung ist, aber seit mehreren Wochen werden Hunderttausende im Land geimpft. Über Nebenwirkungen gibt es keine Berichte. Aber was heißt das schon. Es wäre Präsident Xis großer Traum, dass am Ende der weltweiten Corona-Krise keiner mehr vom China-Virus spricht, sondern vom Impfstoff made in China.

Ulf Röller leitet das ZDF-Studio in Peking

Im den ersten Monaten des Jahres standen etliche Gebiete Chinas unter strengen Lockdowns. Wie die Menschen dort mit der Corona-Krise umgehen, haben die ZDF-Korrespondenten Stefanie Schoeneborn und Ulf Röller beobachtet.

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Aktuelles zur Coronavirus-Krise

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