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FAQ

Wirksamkeit geringer als erhofft - Was über den Curevac-Impfstoff bekannt ist

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Der Curevac-Impfstoff ist ersten Ergebnissen zufolge nicht so wirksam wie erhofft. Kann das Vakzin noch eine wichtige Rolle bei der Pandemie-Bekämpfung spielen?

Eine impfbereite Spritze mit dem Corona-Vakzin von Curevac in einer Petrischale.
Der Impfstoff von Curevac.
Quelle: reuters

Wie funktioniert der Curevac-Impfstoff?

Wie Biontech/Pfizer und Moderna basiert der Impfstoff von Curevac auf dem Biomolekül mRNA ("m" steht für "messenger", also "Bote", und "RNA" für "ribonucleic acid"). Bei dieser Technologie wird mithilfe der mRNA eine Bauanleitung für das Spike-Protein des Coronavirus in die Zellen geliefert. Die Zellen stellen diese Proteine daraufhin selbst her, der Körper antwortet mit der Bildung von Abwehrstoffen. Das Vakzin von Curevac trägt den Handelsnamen "CVnCov".

[Wie mRNA- und vektorbasierte Impfstoffe genau funktionieren und was sie voneinander unterscheidet, erklärt anschaulich unsere interaktive Story]

Gibt es Unterschiede zu Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna?

Der Impfstoff von Curevac unterscheidet sich beim Aufbau nur minimal von den mRNA-Impfstoffen der Firmen Biontech/Pfizer und Moderna: "Für mich gibt es keinen nennenswerten Unterschied, außer in der Dosierung und Minimaldifferenzen bei den Nukleotiden", erklärt Curevac-Studienleiter Peter Kremsner von der Uni Tübingen. Der Curevac-Impfstoff nutzt dabei Nukleotide ohne chemische Modifikationen der mRNA - bei den Wettbewerbern sind sie teils chemisch verändert. Pro Impfdosis werden viel niedrigere Mengen mRNA als bei der Konkurrenz gebraucht: 12 Mikrogramm statt 30 wie bei Biontech/Pfizer und 100 wie bei Moderna.

Ein weiterer logistischer Vorteil gegenüber der Konkurrenz: Er bleibt nach Unternehmensangaben auch bei Kühlschranktemperaturen mindestens drei Monate haltbar.

Ist der Impfstoff bereits in der EU zugelassen?

Noch nicht. Eine Zulassung wurde zwar ursprünglich für das zweite Quartal 2021 angestrebt, wird sich jedoch aufgrund von Verzögerungen beim Abschluss der entscheidenden Studienphase verzögern. Der Curevac-Impfstoffkandidat befindet sich schon seit Dezember 2020 in der finalen und damit zulassungsrelevanten 2b/3-Studienphase. 

Curevac-Unternehmenszentrale in Tübingen.

Verzögerung bei Zulassungsstudie - Wann kommt der Curevac-Impfstoff zum Einsatz? 

Der Curevac-Impfstoff galt als großer Hoffnungsträger. Doch mittlerweile werden in der EU vier andere Vakzine mit Hochdruck verimpft, während CVnCoV noch auf eine Zulassung hofft.

von Lukasz Galkowski

Was ist zur Wirksamkeit des Curevac-Impfstoffs bekannt?

Moderna und Biontech/Pfizer gehen von einer bis 95-prozentigen Wirksamkeit ihrer Impfstoffe aus - um so viel geringer ist die Wahrscheinlichkeit für die Geimpften, an Covid-19 zu erkranken. Curevac verfehlt diese Marken deutlich: Das Unternehmen teilte am Mittwoch mit, dass der eigene Impfstoffkandidat CVnCoV in einer Zwischenanalyse nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Corona-Erkrankung "jeglichen Schweregrades" erzielt habe. Damit habe er die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien nicht erfüllt.

Erste Analysen hätten gezeigt, dass die Wirksamkeit von der untersuchten Altersgruppe und den Virusstämmen abhänge. In dieser Zwischenanalyse wurden insgesamt 134 Covid-19-Fälle untersucht, teilte Curevac mit. Von diesen wurden den Angaben zufolge 124 sequenziert. Nur bei einem einzigen Fall wurde das ursprüngliche Virus als Auslöser festgestellt. Mehr als die Hälfte der Fälle (57 Prozent) wurden durch sogenannte besorgniserregende Varianten ("Variants of Concern") verursacht.

Die geringe Wirksamkeit liege "sehr wahrscheinlich an der Dosis", sagte Studienleiter Peter Kremsner der Nachrichtenagentur Reuters. Eine höhere Dosierung sei aber wegen zu erwartender Unverträglichkeiten nicht möglich gewesen:

Die Zusammensetzung des Curevac-Impfstoffs ließ keine höhere Dosierung zu.

Bei einer Zwischenanalyse hat der Corona-Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac nur zu 47 Prozent Wirksamkeit gezeigt. Für eine Zulassung ist dieser Wert nicht ausreichend.

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Wie gut wirkt der Impfstoff gegen Virusvarianten?

Vorher hatten präklinische Studien an Tieren gezeigt, dass die Wirksamkeit der Antikörper bei der erstmals in Südafrika entdeckten Beta-Variante zwar etwas geringer ausfiel als beim ursprünglichen Erregertyp, der Impfstoff aber vollständig gegen tödliche Verläufe von Covid-19 schützt, heißt es auf Nachfrage von ZDFheute. Zusammen mit dem britischen Pharmaunternehmen Glaxosmithkline forscht Curevac bereits an einem Impfstoff der zweiten Generation ("CV2CoV"). Diese sollen sich gegen die neuen aufkommenden Virusvarianten richten.

"CV2CoV basiert auf einem neuen mRNA-Rückgrat", sagt die Sprecherin und fügt hinzu: "Die präklinischen Daten in einem Rattenmodell zeigten bei Immunisierung mit CV2CoV in einem Dosisbereich von 0,5 bis 40 Mikrogramm bereits nach der ersten Dosis eine gute Immunantwort. Darüber hinaus zeigte das Serum der geimpften Tiere Kreuzneutralisation gegen die Covid-19-Varianten B.1.1.298, B.1.1.7 und B.1.351."

Damit sind die erstmals in Dänemark, in Großbritannien (Alpha) und in Südafrika (Beta) entdeckten Varianten gemeint.

Ohne den Biologen Ingmar Hoerr gäbe es heute vermutlich keine mRNA-Impfstoffe. Millionen Menschen werden damit zurzeit gegen Corona geimpft.

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Gelten Probanden der Curevac-Studie als vollständig Geimpfte?

Viele Menschen haben an der klinischen Studie von Curevac in der Hoffnung teilgenommen, auf diese Weise schneller einen Impfschutz gegen das Coronavirus zu bekommen. Weil der Impfstoff aber noch nicht zugelassen ist, werden vollständig Curevac-Geimpfte derzeit bei den Corona-Regeln weiterhin als Nicht-Geimpfte behandelt. Die Erleichterungen gelten also derzeit nur für Personen, die mit Vakzinen der Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson geimpft wurden - gemäß der Veröffentlichung auf der Seite des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI)

"Es besteht die Möglichkeit, dass künftig darüber hinaus weitere Impfstoffe, zum Beispiel solche, die nur über eine Notfallempfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), nicht jedoch über eine Zulassung der EMA verfügen, veröffentlicht werden", heißt es dazu auf Nachfrage aus dem Bundesgesundheitsministerium. Hierüber werde "im Lichte des fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnisstandes (etwa zu Wirksamkeit oder Nebenwirkungen) zu entscheiden sein", teilte der Sprecher mit.

Grundvoraussetzung dafür sei, dass für die Impfstoffe mit WHO-Notfallempfehlung ein vergleichbarer Nachweis von Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit wie für Impfstoffe mit EMA-Zulassung sichergestellt werde.

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