Sie sind hier:

Keine Durchseuchung bei Jüngeren - Wie riskant ist Dänemarks Öffnungsstrategie?

Datum:

Weil Alte und Risikogruppen bald geimpft sind, plant Dänemark Lockerungen seiner Corona-Maßnahmen. Eine gezielte "Durchseuchung" der Jüngeren droht laut einem Experten aber nicht.

Menschen gehen am Strand in Blokhus (Dänemark) spazieren, aufgenommen am 	22.02.2021
Schritte zurück zur Normalität: Ein Strand im dänischen Blokhus (Archivbild)
Quelle: epa

"Dänemark macht einen spektakulären Fehler", schreibt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf seinen Social-Media-Kanälen. Allein bei Twitter wurde sein Posting binnen weniger Stunden fast tausendmal geteilt.

Der Grund seiner Warnungen: Die Entscheidung Dänemarks, sich nach und nach von Corona-Einschränkungen zu verabschieden. Über einen Zeitraum von zwei Monaten sollen schrittweise Schulen, Geschäfte, Restaurants sowie Bars, Museen und Kinos geöffnet werden. Das Ziel: Wenn wie geplant Ende Mai alle Risikogruppen und impfbereiten Menschen über 50 eine Erstimpfung erhalten haben, soll das öffentliche Leben wieder deutlich normal verlaufen. Lauterbach schimpft: Dänemark lasse "Durchseuchung" zu.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Notbremse und digitaler Impfpass sollen Sicherheit bieten

Doch hat Dänemark tatsächlich eine "Durchseuchung" der jüngeren Bevölkerung beschlossen? Tatsächlich sieht die Vereinbarung der sozialdemokratischen Regierung mit fast allen weiteren Parteien im Parlament zwar weitgehende Öffnungen vor. Doch es gibt wesentliche Einschränkungen:

  • Die Zahl der Infektionen müsse weiter niedrig gehalten werden, sagte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Sobald die Infektionszahlen in einer der 90 dänischen Kommunen steigen und sich ein Hotspot bildet, können die Behörden wieder einschränkende Maßnahmen erlassen, beispielsweise Schulen schließen.
  • Bis Mai wird ein digitaler Impfpass eingeführt: Die Smartphone-App zeigt an, ob der Inhaber innerhalb von 72 Stunden negativ getestet oder geimpft wurde oder eine Corona-Infektion überstanden hat. Für Menschen ohne Smartphone soll es Papier-Bescheinigungen geben. Dieser sogenannte "Corona-Pass" muss beispielsweise beim Friseurbesuch vorgezeigt werden oder - ab dem 21. April - in der dann wieder geöffneten Außengastronomie.
  • Es soll auch weiterhin Beschränkungen des Nachtlebens oder von Großveranstaltungen geben. Die Details dafür stehen aber noch nicht fest.

Die Europäische Kommission legt heute ihren Vorschlag für einen „grünen Pass“ vor, einen digitalen Nachweis.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Experte: Von "Durchseuchung" kann keine Rede sein

Dänemark kommt derzeit zugute, dass die Inzidenz etwas niedriger ist als in Deutschland - und vor allem nicht wie bei uns exponentiell steigt. Zudem wird in Dänemark bereits deutlich mehr getestet als hierzulande.

Dänemark ist laut dem Datenportal "Our World in Data" einer der weltweiten Spitzenreiter bei Corona-Tests: täglich 26,13 Tests pro 1.000 Einwohner, während es in Deutschland zuletzt nur 2,13 pro 1.000 Einwohner waren.

Von einer gezielten Durchseuchung der jüngeren Bevölkerung könne also keine Rede sein, sagt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, im Gespräch mit ZDFheute:

Das wird teilweise total verzerrt dargestellt. Es wird vor allem in Sozialen Medien so getan, also ob die Dänen beabsichtigen, alle unter 50-jährigen nicht mehr zu impfen und durchseuchen zu lassen, nach dem Motto: "Alle unter 50 sollen sich das gerne holen". Aber die Impfkampagne hört ja nicht auf, wenn alle Ü50 geimpft sind.
Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie

Die Pandemie-Maßnahmen hätten vor allem zwei Ziele, so Watzl: Das Gesundheitssystem solle vor Überlastung geschützt und hohe Todeszahlen vermieden werden. Beides könne man durch eine Impfung der vulnerablen Gruppen erreichen. "Letztendlich ist das eine Gewissensfrage: Sollen darüber hinaus möglichst alle Infektionen verhindert werden? Und kann ich der Gesellschaft deshalb Lockdown-Maßnahmen zumuten?"

Während in Deutschland immer mehr Menschen aus Risikogruppen geimpft werden, stellt sich die Frage: Wie lange sind die Schutzmaßnahmen noch mit den Grundrechten der Bürger vereinbar?

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Sorge vor Long Covid bleibt

Kritiker der dänischen Entscheidung sorgen sich vor allem vor den Langzeit-Schäden, die eine Corona-Erkrankung auch bei Jüngeren haben könnte. Long Covid ist bislang erst wenig erforscht.

Watzl rechnet damit, dass es mittelfristig auch in Deutschland ähnliche Überlegungen geben wird wie nun in Dänemark - sobald mehr Risikogruppen eine Impfung erhalten haben. "Das sehe ich für Deutschland genau so, da wollen wir ja hin. Das wird sich bei uns bis in den Sommer ziehen - und dann machen wir aufgrund der hoffentlich niedrigeren Inzidenz eh Vieles auf."

 

Migrantenanteil in Stadtvierteln - Dänemark will keine "Parallelgesellschaften" 

Dänemark will verhindern, dass "Parallelgesellschaften" entstehen. Dafür soll der Anteil von Bewohnern "nicht-westlicher" Herkunft in Stadtvierteln auf 30 Prozent begrenzt werden.

Videolänge
3 min
von Henner Hebestreit

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.