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Interview

Dänemarks hohe Corona-Impfquote - Experte: Staats-Vertrauen am wichtigsten

Datum:

Deutschland diskutiert 2G, in Dänemark ist schon wieder alles wie vor Corona – dank hoher Impfquote. Die resultiere "aus viel Vertrauen in die Behörden", sagt Experte Petersen.

Dänemark will die Maseknpflicht aufheben. Archivbild
Die meisten Corona-Beschränkungen gehören in Dänemark der Vergangenheit an. (Archivbild)
Quelle: Nick Potts/PA Wire/dpa

ZDFheute: Seit etwa drei Wochen gibt es in Dänemark keine Corona-Beschränkungen mehr. Dank der hohen Impfquote sind die Infektionszahlen stabil geblieben. Wie erklären Sie sich diese große Impfbereitschaft?

Michael Bang Petersen: Das liegt am hohen Vertrauen in die Gesundheitsbehörden. Etwa 95 Prozent der Däninnen und Dänen haben zu jeder Zeit der Pandemie gesagt, dass sie der Regierung vertrauen. Das sind mehr als in anderen Ländern, die normalerweise ein hohes Vertrauen in staatliche Einrichtungen aufweisen, wie Schweden, aber auch Deutschland.

ZDFheute: Also haben die Deutschen ein Vertrauensproblem?

Petersen: Das ist laut unserer Studie zumindest der wichtigste Einfluss auf die Akzeptanz von Impfungen.

Die Impfquote in Deutschland deutet darauf hin, dass es ein Vertrauensproblem gibt, oder dass die deutschen Gesundheitsbehörden das nötige Vertrauen nicht herstellen konnten.
Michael Bang Petersen, Politikwissenschaftler

ZDFheute: Gibt es weitere Faktoren, die in Dänemark eine Rolle gespielt haben?

Petersen: Auch die Politik ist wichtig. Als im März 2020 der erste Lockdown verhängt wurde, schaffte es die Regierung, die Gesellschaft zu mobilisieren, indem sie sagten: Du machst das nicht unbedingt für dich selbst, sondern für die Gesellschaft. Und die Däninnen und Dänen haben sich das zu Herzen genommen.

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ZDFheute: Warum klappt das nicht überall?

Petersen: Es darf zu keiner Polarisierung kommen. Sie entsteht etwa, wenn sich die Politiker im Parlament streiten. In Dänemark wurde das vermieden. Natürlich gab es Kritik, aber die Opposition und die Regierung haben dann Lösungen gefunden und haben geschlossen agiert.

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4 min
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ZDFheute: In Deutschland gab es die Polarisierung vor allem in der Gesellschaft. Es gab Zeiten, da haben am Wochenende Tausende gegen Corona-Maßnahmen oder Impfungen protestiert.

Petersen: In Dänemark gab es auch kleinere Demonstrationen, vor allem im Winter. Aber sie sind nicht größer geworden oder haben sich in eine grundlegende Kritik gegen das Management verwandelt.

ZDFheute: Welche Rolle spielen Medien und die Politik dabei?

Petersen: Die dänischen Medien haben sich besonders früh darauf konzentriert, zu informieren. Sie haben auch Kritik geübt, aber der Fokus lag auf der Aufklärung.

Aber auch die Politik hat eine entscheidende Bedeutung: Trägt die Opposition konstruktiv zum Diskurs bei oder spaltet sie, um Stimmen für sich zu gewinnen? Teilt die Regierung Informationen mit der Opposition und werden Entscheidungen gemeinsam getroffen?

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ZDFheute: Also hat der Wahlkampf in Deutschland Einfluss auf das Pandemie-Management gehabt?

Petersen: Wir wissen aus der Forschung, dass Polarisierung im Wahlkampf zunimmt. Also das ist durchaus möglich.

Ein großer Unterschied zwischen Dänemark und Deutschland ist aber auch die Digitalisierung. Es gibt ein zentrales Personenregister, in dem alle persönlichen Informationen eines Bürgers gesammelt sind. Die Regierung konnte also einfach Menschen nach bestimmten Kriterien - beispielsweise Alter und Vorerkrankung - auswählen und sie per Mail informieren, wenn sie an der Reihe waren.

Das basiert aber natürlich auch wieder darauf, dass die Däninnen und Dänen ihrer Regierung mit all diesen sehr persönlichen Daten vertrauen.

ZDFheute: Dennoch hat auch Dänemark sein Ziel nicht erreicht, 90 Prozent der Bevölkerung zu impfen. Wer fehlt noch?

Petersen: Das sind vor allem Kinder zwischen 12-15, junge Menschen zwischen 25-35 und Gegenden, in denen ethnische Minderheiten leben. Das muss jetzt mit gezielten Maßnahmen gefördert werden.

ZDFheute: Wie blicken Sie in den Winter?

Petersen: Ich denke, die dänische Regierung will ohne Beschränkungen durch Winter kommen. Der Gamechanger wären neue Varianten. Aber selbst wenn wir einen starken Anstieg der Zahlen sehen, dann muss es erst sehr schlimm werden, bevor neue Beschränkungen verhängt werden.

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Das Interview führte Johanna Sagmeister

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