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Interview

Antes: "Folgen sind dramatisch" : Statistik-Experte kritisiert Corona-Datenlage

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Wie und wo verbreitet sich das Coronavirus besonders? Wie wirken die Maßnahmen? Der Medizinstatistiker Gerd Antes sieht in einer ungenauen Datenlage dramatische Folgen.

Die Pandemie richtig bekämpfen - dafür fordern Experten vielfach eine genauere Datenlage. Bessere Informationen über die Verbreitung des Virus, Infektionsherde und -wege und die Wirksamkeit konkreter Maßnahmen. Der Medizinstatistiker Gerd Antes spricht im ZDF-Morgenmagazin angesichts mangelnder Daten und Zahlen von dramatischen Folgen.

Bei der Erfassung der Daten sei eine zentrale Frage: Wo passiert es eigentlich? "Wir haben da immer noch die Spekulation, wo zum Beispiel die Betriebe oder Baustellen nicht systematisch erfasst werden", sagt der Mathematiker. Man müsse das bei den positiven PCR-Tests versuchen mit zu erfassen. "Und da wäre die gröbste Näherung zum Beispiel der Beruf."

Antes fordert übergeordnete Koordination

Man könne die Daten immer noch erheben. Es gehe jetzt um eine sehr kritische und schonungslose Analyse, was fehle. Dann müsse man beginnen, die Dinge zu ändern. Der Weg sei vorgezeichnet. "Es geschieht nur nicht", sagt Antes.

Dass es bei der Datenerhebung hake, liege an den komplexen Strukturen. "Der Föderalismus spielt da eine Rolle", sagt Antes, "aber auch die einzelnen Institutionen". Es fehle eine "ordnende, alles überschauende Hand", die koordiniere und die Strukturen zusammenführe. Diese strukturellen Defizite sollte man als erstes angehen.

Sonst werden wir weiter stolpern, wie das gegenwärtig der Fall ist.
Gerd Antes, Medizinstatistiker

Die "ordnende Hand" - das könnte aus Antes' Sicht das "Bundeskanzleramt als übergeordnete Institution" sein. Denn eine koordinierte Analyse müsse "oberhalb von einem einzelnen Fachministerium" gemacht werden.

Großbritannien, Australien und Neuseeland als Vorbild

International gebe es Vorbilder, wie es besser laufen könne bei der Datenerfassung, etwa in Ländern wie Großbritannien, Australien und Neuseeland. Entscheidende Datensammlungen seien dort schon im April 2020 aufgesetzt worden. Auch wenn man jeweils genau hinschauen müsse und das Vorgehen nicht "blind kopieren" könne, gebe es einige Beispiele, wo es besser funktioniere. Etwa bei der Untersuchung von Therapien in Großbritannien.

Wir haben ja wirklich immer noch keine wirksamen Therapien gegen die Krankheitsverläufe.
Gerd Antes, Medizinstatistiker

Die Chance, dass es mit Blick auf eine mögliche vierte Corona-Welle besser laufen könne mit den Daten, sieht Antes sehr negativ. "Weil wir gegenwärtig im Entspannungsmodus sind, genießen, dass wir Außengastronomie haben, das Schulproblem auch noch nicht richtig angegangen sind," erklärt er.

Und deswegen glaube ich, wir stolpern wieder rein in eine Situation, die im Herbst kritisch werden könnte.
Gerd Antes, Mathematiker

Jetzt sei die Zeit, die Dinge anzugehen. Er sehe aber nicht das entschlossene und zielorientierte Vorgehen, dass man jetzt anstreben müsste.

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