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Interview

Statistiker zu Corona-Daten - Kritik an "Unterlassungssünden" der Politik

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Dass die Politik auf einer "mehr als schlechten" Datenbasis Entscheidungen in der Corona-Krise treffe, kann Medizinstatistiker Gerd Antes nicht nachvollziehen.

Medizinhistoriker Prof. Gerd Antes kritisiert, es sei bisher versäumt worden, Berufsangaben und andere wichtige Daten von Infizierten zu erfassen.

Beitragslänge:
6 min
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Der Medizinstatistiker Prof. Gerd Antes hat im ZDF heute journal die Datenlage auf der Corona-Maßnahmen getroffen werden, scharf kritisiert. Die Entscheidungsgrundlage sei "weiterhin wirklich schlecht, weil wir von Anfang an versäumt haben, Daten systematisch zu erfassen".

Die Politik habe mehr Vertrauen in sich selbst als in die Wissenschaft und darin, die Dinge auch ohne die entsprechenden Zahlen zu regeln. Nur so seien "diese ganzen Unterlassungssünden in den letzten zehn, elf, zwölf Monaten" zu erklären. Es sei kaum zu glauben, dass die Politik auf eine bessere Datengrundlage verzichte.

"Banale Dinge" könnten Corona-Datengrundlage schon deutlich verbessern

Man wisse bei den Neuinfektionen weder, wo es passiere, noch wann es passiere, noch wer am meisten betroffen sei. "So banale Dinge, wie den Beruf mitzudokumentieren", sei von Anfang an versäumt worden. Auch die Wohnverhältnisse hätte man miterfassen können, so der Mitbegründer des Deutschen Netzwerkes Evidenzbasierte Medizin.

Wenn diese Daten vorliegen würden, würde das wesentlich dabei helfen, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen und festzulegen, wer öffnen dürfe und wer schließen müsste.

Hürden des Datenschutzes würden oft als "Abwehrmaßnahme" genutzt. Antes betonte, er sei kein Feind des Datenschutzes, in so einer schwierigen Lage sollte man allerdings "bis an die Grenze gehen, was noch gerechtfertigt ist".

Kunden auf der Terasse eines Cafés in Utrecht.

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Antes fordert großangelegte Studie

Er schlägt eine Verbesserung in mehreren Bereichen vor:

  • Es müsste untersucht werden, wo Infektionsherde entstehen. Dabei seien zuletzt zurecht prekäre Wohnsituationen in den Blick gerückt.
  • Dann müsste eine genauere Bewertung der Maßnahmen erfolgen. So sei es immer noch völlig unklar, ob Beschränkungen wie eine Ausgangssperre überhaupt Wirkung zeigten.
  • Als letzten Punkt bräuchte es eine größere bundesweite Studie mit bis zu 50.0000 Teilnehmern, die über einen längeren Zeitraum untersucht und begleitet werden würde.

Die Dunkelziffer bei den Infektionen in der Bevölkerung bezeichnete er immer noch als großes Problem. "Die Sachen müssen auf den Punkt kommen und wir sind weiterhin in einer schwierigen Lage und wissen nicht so genau, was wir tun", so Antes.

Das vollständige Interview mit Medizinstatistiker Prof. Gerd Antes können Sie zu Beginn dieses Beitrags im Video sehen.

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