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Ähnliche Zahlen, keine Panik - Die britische Corona-Dauer-Welle

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Es lebt sich recht ungeniert in Großbritannien. Die Inzidenz bei rund 450. Keine Beschränkungen, kein Ausnahmezustand. Was ist los auf der Insel, was anders als in Deutschland?

Passanten in der Regent Street, London, Großbritannien
Ähnliche Zahlen, keine Panik: Briten leben mit Corona-Dauer-Welle
Quelle: Reuters

Selten wird im sehr anglo-zentrierten britischen Medienbetrieb nach Deutschland geschaut, von dort berichtet. Die aktuelle Corona-Lage, eine Ausnahme.

Mit Verwunderung, warum sich, so das gängige Klischee auf der Insel, der Ordnungs- und Organisations-Weltmeister Deutschland schwertut, das mit dem Impfen auf die Reihe zu bekommen. Das mit Corona. Wo doch mittlerweile so vieles klar war, was den Verlauf von Wellen angeht. Was das Virus angeht. Da spielt auch, niemand würde das offen zugeben, ein wenig Schadenfreude mit rein.

Der Herbst ist im vollem Gange und die Corona-Inzidenzen häufen sich auch in anderen Ländern. Wie entwickelt sich die Pandemie in den Niederlanden, Großbritannien und Portugal?

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Gleiche Kennzahlen, keine Panik

Was dabei leicht übersehen wird - Deutschland hat Großbritannien, den Impffrühstarter, mittlerweile eingeholt. Knapp 68 Prozent der Gesamtbevölkerung sind in beiden Ländern doppelt geimpft, kein Ruhmesblatt mehr im internationalen Vergleich. Dazu liegt die 7-Tages-Inzidenz auf der Insel seit Monaten zwischen 300 und 500. Aktuell etwa gleichauf mit Deutschland.

Da drängen sich Fragen auf. Warum es hier seit 21. Juli, dem Freiheitstag, an dem die Corona-Beschränkungen aufgehoben wurden, keinen neuen gab? Warum es keine vergleichbare Panik gibt? Und warum aktuell weniger Menschen im Krankenhaus landen oder sterben?

Geimpft, genesen, gestorben

Bei der medizinischen Frage sind es drei Faktoren:

  • Erstens, trotz gleichem Impfstand in der Gesamtbevölkerung, ist auf der Insel die Quoten bei den Älteren viel höher. Über 90 Prozent der meist Gefährdeten sind geimpft. Dass Deutschland bei Ü-60 deutlich schlechter abschneidet, rächt sich jetzt.
  • Zweitens, diese Gruppe ist auch beim Booster-Shot als erstes drangekommen, und die Bereitschaft zur dritten Spritze ist ebenfalls sehr hoch.
  • Und drittens, seit Beginn der Pandemie sind viel mehr Briten erkrankt und genesen. Diese natürliche Immunität ist (noch) nicht gleich Herden-Immunität, aber scheint doch im Moment ein starker, zusätzlicher Schutz. So, dass die Schallmauer Inzidenz 500 seit Sommer nicht durchbrochen wurde.

Und, im Sinne der Worte des Noch-Bundesgesundheitsministers Jens Spahn, mögen in Britannien gleich viel geimpft, viel mehr genesen, aber auch viel mehr schon gestorben sein. Aktuell 170.000, so das Nationale Statistikamt, bei 17 Millionen weniger Einwohnern als die Bundesrepublik.

In Großbritannien gibt es kaum Corona-Beschränkungen, man hofft auf eine baldige Herdenimmunität durch die Impfungen. Angesichts steigender Zahlen fordern Experten mehr Maßnahmen.

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Gesundheit vs. Wirtschaft

Die große Panik herrschte hier im vergangenen Winter. Die heimische Kent-Variante traf auf eine ungeimpfte Bevölkerung. Inzidenzen über 6.000 in London, bis zu 2.000 Tote täglich, Krankenhäuser völlig überfordert. Der Schock sitz tief, aber danach kam der schnelle Erfolg des Impfprogramms, vor allem bei den Älteren. Da können viele die aktuellen Zahlen, zwar hoch, aber konstant, nicht wirklich schocken. Fast alle Top-Mediziner warnen zwar, mehr Vorsicht wäre besser. Zurück zur Maskenpflicht, Homeoffice- und Abstandsgebot. Aber solange die Zahlen nicht stark steigen, verhallen diese Rufe.

Die Regierung betont, dass der Freiheitstag eine Abwägung war, zugunsten einer Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität. Was viele als Argument überzeugt hat. Denn keine Volkswirtschaft in der entwickelten Welt wurde so hart getroffen. Ähnliche Instrumente wie Kurzarbeitergeld, Stützungszahlungen an Arbeitnehmer und -geber, haben zu 400 Milliarden Pfund zusätzlicher Verschuldung geführt. Für ein auf eher niedrige Steuern ausgelegtes System eine enorme Last.

Größte Versäumnisse, falsche Modelle: In Großbritannien hat das Parlament der Regierung auf 151 Seiten ein Zeugnis über die Corona-Politik ausgestellt. Die Note: Mangelhaft.

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Sorgenkind Gesundheitssystem NHS

Ebenfalls, allerdings unter Dauerlast, ist das staatliche Gesundheitssystem. Der NHS, finanziert aus Steuermitteln, ist chronisch unterfinanziert, zehntausende Stellen im Pflegebereich sind nicht besetzt. Jeden Winter kommt es zu Engpässen. Wartezeiten von sechs, acht, zehn Stunden in vielen Notaufnahmen. Die Pandemie hat das verschlimmert. Der Rückstau, also Patienten, die auf eine notwendige Behandlung warten, ist auf sechs Millionen angewachsen.

Vor diesem Hintergrund der chronischen Probleme werden im NHS schon immer härtere Entscheidungen getroffen. Behandlungen etwa nicht durchgeführt, weil Patienten etwa als zu alt eingestuft werden für eine aufwendige, möglicherweise aber mit wenig Erfolgsaussichten verbundene Therapie. Triage als Standard mag etwas zugespitzt sein als Begriff, aber in der Breite gilt der NHS als weniger leistungsfähig als das deutsche Gesundheitssystem. Das beispielsweise über fünfmal so viele Intensivbetten pro Kopf verfügt.     

Wegen des Corona-bedingten Behandlungs- und Diagnose-Stopps im letzten Frühjahr wurden 2020 in Großbritannien viele Krebs-OPs verschoben.

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Die Pandemie ist noch nicht vorbei

Die größte Sorge ist, dass dann doch eine Variante daherkommt, die noch übertragbarer ist, die Impfstoffe mehr austricksen könnte. Auch deshalb die schnelle Reaktion, Einreisen aus dem südlichen Afrika wegen B.1.1.529 zu beschränken. Und, dass der mit der Zeit abnehmende Impfschutz doch schwerwiegender ist, nicht schnell genug geboostert werden kann. Dann dürften auch die Krankenhäuser sehr schnell volllaufen, wieder (noch) mehr Menschen sterben. Dann käme auch die Panik zurück, keine Frage.

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Eine neue Virus-Variante alarmiert Europa. Wie gefährlich kann uns B.1.1.529 werden? Und sind die Vorsichtsmaßnahmen gerechtfertigt? Virologen geben bei ZDFheute eine Einschätzung.

von Oliver Klein

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