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Corona legt offen, "was nicht funktioniert"

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Bär über die digitale Schule - Corona legt offen, "was nicht funktioniert"

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Deutschlands Schulen hinken bei der Digitalisierung hinterher. Diese Erkenntnis habe Corona offen gelegt, sagt Digitalstaatsministerin Dorothee Bär im ZDFheute-Interview.

Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitales. Archivbild
Dorothee Bär (CSU) ist Staatsministerin für Digitales.
Quelle: Soeren Stache/zb/dpa

ZDFheute: Zeigt die Corona-Krise, dass die Schulen beim Thema Digitalisierung völlig hinterherhinken? Das Geld für den Digitalpakt fließt kaum ab, viele Eltern fühlen sich allein gelassen beim Thema Homeschooling.

Dorothee Bär: Ja, aber für diese Erkenntnis habe ich die Krise nicht gebraucht. Ich arbeite seit vielen Jahren daran, das Thema Digitalisierung in Schulen voranzubringen. Die Krise hat vieles offengelegt, was nicht funktioniert. Ich hoffe, dass der Digitalpakt neuen Schwung bekommt. Er muss einfach von den Ländern zügiger umgesetzt werden.

Wir hatten in der Krise erfreuliche Entwicklungen, weil sich Bund und Länder rasch verständigt haben, zusätzliche Gelder zur Verfügung zu stellen. Zudem fließen aus dem Konjunkturpaket noch einmal zwei Milliarden Euro für die Digitalisierung an die Schulen.

ZDFheute: Aber das Geld aus dem Digitalpakt fließt kaum ab.

Bär: Die Länder brauchten Zeit, um entsprechende digitale Konzepte zu entwickeln. Ich hoffe, dass die Gelder nun besser abfließen, da sich nun viele Schulen während Corona technische Konzepte überlegt haben. Leider haben wir als Bund in vielen Bereichen aber keine Zuständigkeit. Ich nenne es mal: Keine rechtliche Zuständigkeit. Aber ich arbeite trotzdem seit Jahren an dem Thema, weil ich fest davon überzeugt bin, dass wir eine moralische Zuständigkeit haben.

Dorothee Bär

Läuft nicht auf alten Handys -
Bär verteidigt Corona-App gegen Kritik
 

Die Corona-App läuft nicht auf älteren Handys. Die Staatsministerin für Digitalisierung, Bär, verteidigt die App. Manchmal liege das Problem auch an der Bequemlichkeit von Nutzern.

ZDFheute: Wie wird die Krise unser Arbeitsleben verändern? Was wird bleiben? Mehr Videokonferenzen? Mehr Homeoffice? Weniger Dienstreisen?

Bär: Hoffentlich bleibt einiges davon, und wir fallen nicht in eine Vor-Corona-Ära zurück. Wir werden uns fragen, ob man wirklich für jedes Grußwort, für jede Dienstreise tatsächlich einmal innerhalb Deutschlands oder um die halbe Welt jetten muss. Ich habe in den letzten Wochen oft gehört, dass Dienstreisen ob der Notwendigkeit alle auf dem Prüfstand sind.

Im Bereich Bildung habe ich mich von Anfang an dafür eingesetzt, bei den älteren Schülerinnen und Schülern einen Homeschooling-Tag einzuführen. Das wäre gut für den Biorhythmus unserer Schülerinnen und Schüler und gut fürs Klima, wenn ein Tag pro Woche wegfiele, an dem man unterwegs ist, obwohl die Aufgaben auch von zu Hause aus erledigt werden könnten.

ZDFheute: Zum Thema Corona und Digitalisierung gehört die Warn-App des Bundes, die am Freitagnachmittag zehn Millionen Mal runtergeladen wurde. Woran liegt das?

Bär: Es gibt mehrere Gründe. Wir haben zum Beispiel die Entwicklung der App sehr transparent gestaltet, wir haben den Quellcode veröffentlicht, die ganze Tekkie-Szene war stark involviert. Wir ließen uns bei unserer Entscheidung, auf ein dezentrales Speichermodell umzustellen, auf die Argumente der Tech-Community ein. Die ganze Bundesregierung steht geschlossen hinter diesem Projekt; wir haben eine große Werbekampagne gestartet, haben die App mit fünf Kabinettsmitgliedern vorgestellt und DAX-Unternehmen, die Wissenschaft und die Startups an unserer Seite gehabt.

Das Interview führte Dominik Rzepka

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