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Lockerungen nach Shutdown : England impft sich aus der Krise

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"Hello London" steht in riesigen leuchtend gelben Buchstaben am Covent Garden. London ist wieder offen. Ab heute. Möglich gemacht hat das die erfolgreiche Impfkampagne.

Nach fast vier Monaten dürfen Einzelhandel, Pubs und Restaurants, sowie Friseure und Kosmetiksalons erstmals wieder Kunden empfangen. Allein am Covent Garden stehen 800 Stühle für die nun mögliche Außenbewirtung bereit. Dass Boris Johnson an seinem Fahrplan in die Freiheit festhalten kann, ist dem Impf-Sprint geschuldet, den das Land seit Dezember hingelegt hat.

Lockerungen seit 8. März

Eine Analyse von Public Health England zeigt, dass bis Ende März 10.400 Todesfälle bei über 60-Jährigen verhindert wurden. Auch nach der Öffnung der Schulen am 8. März und gelockerten Kontaktbeschränkungen sind die Infektions- und Todeszahlen bisher niedrig geblieben. Am Sonntag wurden 1.730 Neuinfektionen und sieben Todesfälle gemeldet. Das ist der niedrigste Stand seit September 2020.

Zweifelsohne wurde vieles richtig gemacht: Schneller als jedes andere europäische Land wurden COVID-19-Impfstoffe gesichert, zugelassen und eingesetzt. Geimpft wird mit Biontech/Pfizer, Oxford Astrazeneca und seit letzter Woche auch Moderna. Eine "Erstdosis-Richtlinie" ermöglichte, mehr Menschen innerhalb kurzer Zeit zu impfen. Ein Risiko, das sich auszahlt. Bis heute wurden im Vereinigten Königreich 32.121.353 Erwachsene mit einer ersten Dosis geimpft. Weitere 7.466.540 sind voll immunisiert.

Impfstoff-Nationalismus und digitale Patientenakten

Gern wird in den Medien der Vergleich zwischen Großbritanniens schnellem Erfolg bei der Einführung von Impfstoffen und der Langsamkeit der EU gezogen. Die Ursache dafür ist auch ein unterschiedlicher Grad an Impfstoff-Nationalismus. Großbritanniens erklärtes Ziel war es, so viele Impfstoffe wie möglich für sich selbst zu beschaffen. Und im Unterschied zur EU wird erst exportiert, wenn man sich selbst bedient hat.

Zudem profitiert England von seinem zentralisierten Gesundheitssystem. 90 Prozent der Bevölkerung sind bei einer Praxis registriert und haben somit eine digitale NHS-Patientenakte. Personen in gefährdeten Gruppen konnten so vorrangig identifiziert, kontaktiert und geimpft werden. Das National Health System stützt sich auf ein weitreichendes Versorgungsnetz, das von Hausarztpraxen über Massenimpfzentren bis hin zu Krankenhäusern reicht. Insgesamt gibt es mehr als 1.400 Impfstellen in England. Die Impfakzeptanz ist durch das Vertrauen der Bevölkerung in den NHS besonders hoch.

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Zweitimpfungen werden eine Herausforderung

Abzuwarten bleibt jedoch, ob England das Tempo durchhalten kann. Die weiteren Lockerungen kommen zu einem günstigen Zeitpunkt für die britische Regierung. Die hat eine ungewöhnlich schlechte Woche hinter sich. Schuld ist die Unsicherheit über die Nebenwirkungen des AstraZeneca-Impfstoffs, die eine Kurskorrektur erforderten. Unter 30-jährigen soll nun ein alternativer Impfstoff zu Astrazeneca angeboten werden. Befürchtet wird ein Vertrauensverlust in den Impfstoff, so dass weniger Menschen ihre Impfung wahrnehmen.

Eine Herausforderung wird auch die termingerechte Verabreichung von Millionen von Zweitdosen. In England steigt der Bedarf an Zweitdosen ab Mitte April auf 2,1 bis 2,4 Millionen pro Woche, was auf die Beschleunigung des Impfprogramms im Januar zurückzuführen ist. Auf dem Papier bleibt da nur ein kleiner Überschuss für neue Erstdosen von einigen hunderttausend pro Woche übrig - zumal sich ein Import von 5 Millionen Dosen aus Indien bis mindestens Juni verzögert. Nach wie vor besteht außerdem die Gefahr neuer Varianten, die den bisherigen Erfolg wieder zunichte machen könnten.

Bis England tatsächlich Herdenimmunität durch die Durchimpfung seiner Bevölkerung erreicht hat ist es noch ein langer, und keineswegs gerader Weg. Doch der rasche Fortschritt des Massenimpfprogramms beflügelt das Land, das bis heute 127.087 Todesfälle durch Covid-19 verzeichnet hat.

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