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Kampf gegen die Pandemie - Wie Paris auf Berlins Corona-Kurs blickt

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Corona-Krise unter Kontrolle? Den Eindruck erweckte das deutsche Pandemie-Management bei vielen Franzosen noch im vergangenen Jahr. Doch das hat sich inzwischen geändert.

Passanten in Paris am 06.10.2020
In Frankreich galt die Corona-Politik lange Zeit als Vorbild. Das hat sich geändert.
Quelle: Imago

Lange wirkte die deutsche Corona-Politik auf die Franzosen durchdachter, die Debatten gelassener, die Bürger verantwortungsvoller als im eigenen Land. "Die Franzosen bewunderten das deutsche Pandemie-Management während der ersten Welle", sagt der Politikwissenschaftler Olivier Giraud vom Wirtschaftssoziologielabor "LISE" in Paris.

"Die Organisation von Massentests und die Bereitstellung von Intensivbetten, das sind Aspekte, die zweifellos besser gelaufen sind als in Frankreich."

Politologe sieht Vorteile im Föderalismus

Ein Vergleich des Corona-Krisenmanagements der beiden Länder zeigt zudem: Mit 44 Prozent ist nahezu die Hälfte der Franzosen der Ansicht, dass die Regierung Emmanuel Macrons "weniger gut" agiert habe als ihr deutsches Pendant. Im Fokus der Umfrage des französischen Meinungsforschungsinstitut IFOP stand dabei auch die Rolle der Kanzlerin: "Ihr Respekt vor dem Volk, ihr Pragmatismus, ihre Gelassenheit und ihre natürliche Autorität wurden auch in Frankreich wahrgenommen", bemerkt Giraud.

Selbst im Föderalismus, der in Deutschland immer wieder stark kritisiert wird, sieht der Politologe Vorteile: Das sorge dafür, dass alle Bürger sich vertreten fühlen und dass auch auf Unterschiede zwischen den Regionen eingegangen werden könne.

Rücknahme der Osterruhe überrascht

Doch inzwischen werden sowohl die Unübersichtlichkeit der Regeln als auch die Konkurrenz, die der Föderalismus bei den jüngsten Corona-Gipfeln deutlich gemacht hat, in Frankreich zur Kenntnis genommen. Es deute sich eher ein Wettbewerb an als eine solidarische Absprache, meint der Politikwissenschaftler Giraud.

Die Ankündigung Merkels, den Oster-Shutdown zu kippen, überrascht Giraud: "Wir Franzosen erwarten von Deutschland eine gewisse Sorgfalt und Genauigkeit in der Politik." Der deutsche Corona-Fahrplan scheine zunehmend planlos.

Weit weniger kritisch sieht das Professor Djillali Annane, Leiter einer Intensivstation im Großraum Paris: "Deutschland hat sich dazu entschieden, in die sogenannte Zero-Covid-Strategie einzusteigen. Ein erneutes Aufflammen der Infektionen im Keim zu ersticken, das ist die einzige Strategie für die Krankenhäuser, um bis zur Herdenimmunität durchhalten zu können", erkennt er an.

Zehntausende Menschen haben sich zu Initiativen wie "Zero-Covid" und "No-Covid" zusammengeschlossen und fordern einen harten Shutdown, bis sich niemand mehr infiziert.

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Zentralistische Entscheidungen in Frankreich

Und wie sieht es in Frankreich aus? Das Land lässt eine klare Perspektive vermissen, zaudert und zögert - vor allem, um der Wirtschaft nicht noch weiter zu schaden und die Franzosen nicht noch weiter zu strapazieren. Dass alle Entscheidungen Frankreichs aus der "Verwaltungszentrale" in Paris kommen, dafür wird Präsident Macron seit Monaten kritisiert.

Mit seinem zentralistischen Agieren entfernt er sich zunehmend vom Volk, berät sich nur noch im engsten Kreis und hört immer weniger auf die Meinung von Experten. Die Kritik spiegelt sich auch in den stetig sinkenden Umfragewerten des Präsidenten: 60 Prozent der Franzosen sind aktuell unzufrieden mit Macron.

Wegen zu hoher Corona-Infektionszahlen ist in Frankreich ein neuer Shutdown in Kraft getreten. Betroffen sind 16 Départements, darunter auch Paris.

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Die beiden harten "Confinements", wie der Lockdown in Frankreich genannt wird, sitzen tief im kollektiven Bewusstsein der Franzosen. Fast jeder zweite Franzose (47 Prozent) findet sein derzeitiges Leben psychisch unerträglich, laut IFOP-Umfrage. In Deutschland liegt dieser Wert bei 17 Prozent.

Schulen in Frankreich offen

So blicken die Franzosen etwa neidvoll auf die Berliner Philharmonie und ihr Test-Konzert, sehnen sich nach Konzerten, Kino, Theater - doch in der Kulturnation Frankreich gibt es bislang keine Aussicht auf eine baldige Öffnung von Kultureinrichtungen.

Was in Frankreich hingegen auch im Lockdown offen bleibt, sind die Schulen. Und das obwohl Frankreich seit Beginn der Krise die Bewegungsfreiheit des Einzelnen deutlich stärker einschränkt als Deutschland. Ein Aspekt, auf den man in Frankreich sehr stolz ist.

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