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Gesundheitspass und Impfpflicht : Wie Frankreich auf die neuen Regeln reagiert

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Zugang nur mit Gesundheitspass. Ein neues Gesetz soll die vierte Corona-Welle brechen. Der Druck wirkt. Doch auch die Proteste gegen Impf- und Nachweisplicht nehmen zu.

Prosteste gegen den Gesundheitspass
Franzosen protestieren gegen den Gesundheitspass.
Quelle: EPA

David Zenouda hat einen kleinen Tisch am Eingang seiner Pariser Restaurant-Terrasse aufgestellt. Hier wird er nun kontrollieren, ob seine Gäste geimpft, genesen oder negativ getestet sind. Zugang nur mit Gesundheitspass - das gilt in Frankreich nun nicht nur wie bisher für Kultureinrichtungen wie Kinos und Theater, sondern für nahezu alle öffentliche Orte: Fernzüge, Einkaufszentren etwa oder eben Restaurants.

Damit soll angesichts schnell steigender Infektionszahlen der Impfdruck erhöht werden. Gastronom Zenouda ist skeptisch. Zwar unterstützt - laut Umfragen - eine Mehrheit der Franzosen die neuen Maßnahmen, er fürchtet jedoch, dass die Kontrollen im Alltag zu Unmut bei seinen Gästen führen.

Wie sollen wir uns verhalten, wenn jemand ohne Gesundheitspass zu uns kommen will? Wir sind auf solche Auseinandersetzungen nicht vorbereitet. Wir sind nicht die Polizei.
David Zenouda, Gastronom in Paris

Proteste gegen Gesundheitspass und Impfpflicht

Tatsächlich ist die Stimmung mancherorts sehr angespannt. Nachdem es in Frankreich lange so gut wie keine Massenproteste gegen die Pandemie-Politik gab, scheint sich nun eine angestaute Wut zu entladen.

Es ist eine heterogene Gruppe. Mitten in der Sommerpause demonstrieren Impfgegner, Gelbwesten, politisch extreme Gruppierungen nun schon das vierte Wochenende in Folge. Sie rufen "Freiheit, Freiheit" und werfen Präsident Emmanuel Macron "Gesundheitsterror" vor - ihre Interpretation der Ausweitung des Gesundheitspasses, sowie der Einführung einer Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen, Gesundheits- und Pflegekräfte etwa.

Die französische Regierung hat weitere Corona-Beschränkungen verhängt. Die Mehrheit der Franzosen ist zwar einverstanden, doch es gibt auch wütende Proteste.

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Le Pen gegen Impfgesetz

Dabei geht es um mehr als um reine Kritik an der Pandemie-Politik. "Die aktuelle Bewegung hat keine feste Struktur, organisiert sich spontan. Politische Kräfte versuchen nun, den Unmut für sich zu nutzen. Vor allem die extreme Rechte. Und auf der anderen Seite aber auch die Linken“, beobachtet der Soziologe Michel Wieviorka vom Forschungszentrum CNRS.

Wobei sich die Rechtspopulistin Marine Le Pen zwar gegen das Impfgesetz ausspricht, aber nicht aktiv zu den Demonstrationen aufruft. Angesichts der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen pflegt sie seit Monaten das Image der verantwortungsvollen Politikerin.

Macron: Impfappelle aus dem Sommerurlaub

Auch der französische Präsident reagiert, mit täglichen Kurzvideos aus dem Sommerurlaub. Sich nicht impfen zu lassen, habe nichts mit Freiheit zu tun, sich nicht impfen zu lassen sei unverantwortlich, mahnt Emmanuel Macron.

Damit wendet er sich an die Demonstrierenden und vor allem an junge Leute. Er will sie von einer Impfung überzeugen. Denn der Altersdurchschnitt der Corona-Patientinnen und -Patienten in den Krankenhäusern sinkt, die Rede ist von einer "Epidemie der Jungen".

Social-Media und Gesetzte zeigen Wirkung gegen Impfmüdigkeit

Immerhin: Die Strategie aus Social-Media-Pädagogik und schärferen Gesetzen zeigt erste Wirkung gegen die Impfmüdigkeit, unter der Frankreich zuletzt gelitten hat. Die nächsten Wochen werden nun zeigen, ob das neue Gesetz, diese vierte Corona-Welle brechen und verhindern kann, dass erneut Maßnahmen ergriffen werden müssen, die alle - nicht nur die Impf-Unwilligen - einschränken.

Die nächsten Wochen werden aber auch zeigen, ob sich die Gesundheits-Krise zu einer politischen Krise ausweitet, wenn die Proteste anhalten.

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von Britta Spiekermann und Dominik Rzepka
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