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Alles klar für die vierte Welle? : Gesundheitsämter: Viel passiert ist nicht

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Momentan macht den Gesundheitsämtern Covid-19 wenig Ärger. Alles im Griff. Doch sollte die Delta-Variante eine neue Welle auslösen, könnte es eng werden. Viel ist nicht passiert.

Archiv: Mitarbeiterin im Gesundheitsamt bei der Nachverfolgung von Kontakten von infizierten Personen am 17.02.2021 in Bonn.
Welche Kontakte hatten Infizierte? Die Software Sormas soll in den Gesundheitsämtern helfen, die Menschen schnell zu finden. Mittlerweile ist sie zu 91 Prozent installiert.
Quelle: Imago

Gesundheitsämter, die Verstärkung von der Bundeswehr brauchen und Faxe schicken: Die ersten Wellen der Corona-Pandemie offenbarten riesigen Nachholbedarf. Zwar ist die Inzidenz momentan niedrig und überfordert die Kommunen kaum. Doch die Vorbereitung auf eine mögliche vierte Welle durch die Delta-Variante scheint ungenutzt zu verstreichen.

"Es fehlt weiterhin vor allem an personeller Ausstattung und digitaler Technik, um eine mögliche vierte Welle zu bewältigen", sagt Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst. Teichert fordert:

Länder und Kommunen sollten die Zeit für alle notwendigen Vorbereitungen nutzen, statt abzuwarten, bis die Infektionszahlen steigen.
Ute Teichert, Ärzte-Bundesverband

Vorwurf: Länder verschleppen Personalaufstockung

Eigentlich sollte der Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst genau das verhindern. Vier Milliarden Euro stellte der Bund im September 2020 für die nächsten sechs Jahre zur Verfügung, um die Ämter personell, technisch und organisatorisch besser aufzustellen. Es sollten

  • bis Ende 2021 1.500 neue Stellen und
  • bis Ende 2022 mindestens neue 3.500 Vollzeitstellen geschaffen werden.

"Wir sind sehr besorgt, was die Delta-Variante angeht", so Kanzleramtsminister Helge Braun.

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Nach Ansicht der Kommunen und des Landkreistages verschleppen die Länder jedoch das Einstellen von neuem Personal. Markus Mempel, Sprecher des Deutschen Landkreistages sagt:

Bislang wurden unseres Wissens nach noch keine Neueinstellungen vorgenommen, da es an den konzeptionellen Grundlagen und Plänen der Länder fehlt.
Markus Mempel, Deutscher Landkreistag

Erst vorige Woche hatte Landkreistag-Chef Reinhard Sager kritisiert, man warte noch immer auf eine dauerhafte Finanzierungszusage der Länder. Bei den Neueinstellungen könnte man "schon viel weiter sein".

Städte helfen sich selbst

Tatsächlich helfen sich die Kommunen erst einmal weiter selbst. Köln hatte im vergangenen Jahr die Gesundheitsämter personell kräftig aufgestockt: 325 Mitarbeitende gab es noch im März 2020, jetzt sind es schon 1.583 nach Auskunft der Stadt Köln. Allerdings "inklusive Studierende".

Die Stadt Hamburg fühlt sich laut ihrer Sozialbehörde gut auf die nächste Welle vorbereitet, weil es eine zentrale Einheit zur Kontaktverfolgung gibt. Die ist zwar momentan kleiner, könne aber "kurzfristig wieder aufgestockt werden", so Behördensprecher Martin Helfrich. "Personalreserven" könnten "kurzfristig aktiviert" werden. Am Schaffen neuer Stellen durch den Pakt fürs Gesundheitswesen sei man parallel dran. "Die Umsetzung ist ein längerer Prozess", so Helferich, "und noch nicht abgeschlossen".

Software Sormas da, aber nicht so richtig

Zweites Problem der Gesundheitsämter: die Technik. Wer zu Beginn der Pandemie Kontakt zu einem Infizierten hatte, kümmerte sich besser selbst, als auf einen Hinweis seines Gesundheitsamtes zu setzen. Zumindest, wenn beide in unterschiedlichen Städten lebten. Abhilfe sollte nach dem Plan des Bundes die Software Sormas schaffen.

Die Software sollte in allen Bundesländern installiert werden, damit die Gesundheitsämter künftig leichter Informationen austauschen können. Nur nach zähem Ringen gingen die Länder mit, da viele Kommunen schon auf andere Programme gesetzt hatten. Und daran wird sich auch kaum etwas ändern.

Fast jede zweite Neuinfektion in Deutschland dürfte bereits auf die ansteckendere Delta-Variante zurückzuführen sein. Strengere Regeln für Reiserückkehrer soll es aber vorerst nicht geben.

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Zwar sind nach Informationen des Bundesgesundheitsministeriums mittlerweile 91 Prozent der Ämter an Sormas angeschlossen. Das sind 342 von 375. Die technische Infrastruktur sei nun so ausgelegt, so ein Sprecher, "dass jedes Gesundheitsamt Sormas verwenden kann, entsprechende Serverinstanzen stehen für alle Gesundheitsämter zur produktiven Nutzung zur Verfügung." Ob sie diese nutzen, ist allerdings eine andere Frage.

Hamburg beispielsweise will bei seiner Software, dem Hamburger Pandemiemanager, bleiben, da es sich in der Krise bewährt habe. Eine Schnittstelle zu Sormas gibt es aber mittlerweile, um den Austausch mit anderen Behörden zu ermöglichen. Ähnlich in Köln: Der Vertrag, Sormas einzurichten, sei, so die Pressestelle der Stadt, bereits Anfang des Jahres unterschrieben worden. Derzeit bereite sich das Gesundheitsamt "auf den Wechsel in der zweiten Jahreshälfte vor".

Problem: Fachkräfte suchen und finden

Wenn die Delta-Variante ihnen Zeit lässt. Noch ist es aber nicht zu spät, auch nicht für neues Fachpersonal in den Ämtern. Ute Teichert vom Ärzte-Bundesverband sagt:

Wenn jetzt mit entsprechenden Stellenausschreibungen zügig begonnen wird, sehen wir gute Chancen.
Ute Teichert

Allerdings gebe es "eine Unsicherheit": Fachkräfte sind rar, denn die Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitswesen werden viel schlechter bezahlt als in Kliniken.

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